Kurhessen-Kaserne

Deutschland Kurhessen-Kaserne

Straßenansicht der Kurhessenkaserne

Land Deutschland
Gemeinde Hann. Münden
Koordinaten: 51° 24′ 21″ N, 9° 38′ 23″ O
Eröffnet 1900–1907
Geschlossen 1993
Ehemals stationierte Truppenteile
Pionierbataillon 2
Panzerpionierkompanie 50
Panzerpionierkompanie 60
Deutschland
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Lage der Kurhessen-Kaserne in Niedersachsen

Die Kurhessenkaserne in Hann. Münden in Südniedersachsen wurde in ihrem ersten Bauabschnitt 1900–1907 errichtet. Sie begründete die Pioniertradition des Standorts. Die Kaserne hat eine wechselhafte Geschichte in militärischer und ziviler Nutzung erfahren. Heute befindet sich auf dem weitläufigen früheren Kasernenareal der Wohn- und Gewerbepark Fuldablick. Die historischen Kasernenbauten stehen als Ensemble unter Denkmalschutz.

Baugeschichte

Die Kaserne am Ortsrand von Neumünden an der heutigen B 3 wurde nach Plänen des Kasseler Architekten Georg Kegel errichtet. Zu den Bauten des ersten Bauabschnitts zählten ein Garnisonlazarett, Hallengebäude, Mannschaftsunterkünfte, ein Offizierskasino sowie ein Landübungsplatz für Pioniere. Die stattlichen Mannschaftsgebäude weisen eine Fassadengestaltung auf, die der Backsteingotik entlehnt ist. Beim Offizierskasino handelt es sich um einen Bau im Stil der Neorenaissance mit geschweiften Knickgiebeln. Die Kreuzstockfenster und das Sandsteinportal sind eine Reminiszenz an das Welfenschloss Münden und das Rathaus Münden. Das Lazarett mit zwei Gebäuden steht außerhalb des Kasernengeländes am Waldrand. Sein Hauptbau hat einen T-förmigen Grundriss und steht auf einem Sockelgeschoss aus Buntsandstein. Der Bau hat dekorative Schweif- und Treppengiebel.

Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Hannoversch Münden Bestrebungen im Magistrat und seitens führender Personen, die Stadt wieder zur Garnison werden zu lassen. Zuvor waren bis 1866 militärische Einheiten des Königreichs Hannover im Ort stationiert, zum Teil im damals als Kaserne genutzten Welfenschloss Münden. Zu den Befürwortern einer erneuten Truppenstationierung gehörten der in Hannoversch Münden aufgewachsene Bildhauer Gustav Eberlein, der damalige Bürgermeister und einige Unternehmer. Man erwartete vor allem wirtschaftliche Vorteile für den Ort; hinzu kam das zu dieser Zeit herrschende militärbegeisterte Nationalgefühl. Diese Bestrebungen korrespondierten mit den Aufrüstungsbestrebungen des Deutschen Kaiserreichs um die Jahrhundertwende. 1899 kündigte das Preußische Kriegsministerium die Verlegung eines Pionierbataillons in die Stadt an. Im Jahr 1900 wurde der Grundstein für die Kasernenbauten nahe der Fulda auf einem Gelände der Klosterkammer gelegt. Die Bauten wurden auf Kosten der Stadt Münden für 3 Millionen Mark errichtet und an das Militär vermietet.

Nach Fertigstellung der ersten Kasernengebäude 1901 bezog das bis dahin in Mainz-Kastel stationierte Hessische Pionier-Bataillon Nr. 11, das später in Kurhessisches Pionier-Bataillon Nr. 11 umbenannt wurde, die Anlage. Das Bataillon rekrutierte sich überwiegend aus den Gebieten des ehemaligen Kurhessen (siehe auch Kurhessische Armee). Während des Ersten Weltkriegs wurden in der Kaserne zwischen 1914 und 1918 insgesamt 21.000 Pioniere für die Kriegsformationen des Pionier-Bataillons ausgebildet. Nach dem Krieg bezog das Pionierbataillon 11 der Reichswehr die Kaserne.

In der Zeit der Weimarer Republik wurde das Pionierbataillon 11 im Jahr 1920 aufgelöst und die Kaserne nicht mehr militärisch genutzt. Dies beruhte auf der Reduzierung der Reichswehr auf ein 100.000-Mann-Heer gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags. 1921 bezog die Hessen-Nassauische Polizeischule die Kaserne. Militärische Einheiten kehrten erst in der Zeit des Nationalsozialismus mit dem Pionierbataillon 9 zurück, das in der jetzt in Kurhessen-Kaserne umbenannten Anlage stationiert wurde. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Kaserne erneut Pioniere für den Fronteinsatz ausgebildet.

In der Nachkriegszeit diente die Kurhessen-Kaserne als Unterkunft für Displaced Persons. Zwischen 1952 und 1956 wurde sie von einer Grenzschutzabteilung genutzt, und es kam zur Ansiedlung von Kleingewerbe. 1955 wurden wegen Überfüllung des Lagers Friedland in der Kaserne 900 Kriegsheimkehrer aus der Sowjetunion aufgenommen.

Nach der Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955 zogen wieder Pioniere in die Kurhessen-Kaserne ein. Von 1956 bis 1958 war dies das Panzer-Pionierbataillon 5, das anschließend in Pionierbataillon 2 (PiBtl 2) umbenannt wurde. Zur Garnison gehörten neben dem PiBtl 2 auch immer selbständige Kompanien mit unterschiedlichen Bezeichnungen, so zum Beispiel von 1959 bis 1981 die Panzerpionierkompanie 50.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung von 1990 und den damit verbundenen Truppenreduzierungen wurde das Pionierbataillon 2 im Jahr 1992 mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Tanzwerder feierlich verabschiedet. Die Bundeswehr blieb bis zur endgültigen Auflösung der Einheit am 31. März 1993 Hausherr in der Kaserne. Das seither frei zugängliche Kasernengelände wird heute als Wohn- und Gewerbepark Fuldablick bezeichnet und entsprechend genutzt.[1]

Siehe auch

Literatur

Commons: Kurhessenkaserne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Website Historie der Mündener Pioniere