Kurhaus Preussenhof

Das Kurhaus Preussenhof ist ein Hotelbau im Ostseebad Zinnowitz auf der Insel Usedom. Das Gebäude entstand 1880 als „Strandhalle“ und entwickelte sich zu einem der bedeutenden Häuser der Bäderarchitektur an der Zinnowitzer Strandpromenade.[1][2]

Geschichte

19. Jahrhundert

Bereits 1860 ließ der Gastwirt Wolf nahe der Seebrücke ein Haus für warme Bäder errichten, das den Status von Zinnowitz als Seebad stärkte.[3] 1880 folgte an derselben Stelle die Errichtung der „Strandhalle“, die ab 1886 auch Übernachtungen ermöglichte. Ab 1904 wurde das Gebäude als Kurhaus Strandhotel bezeichnet.[4]

Ausbau und kulturelle Bedeutung (1900–1938)

Um die Jahrhundertwende geriet das damalige „Kurhaus Strandhotel“ in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde hoch verschuldet. Am 12. Januar 1903 kam es deshalb zur Zwangsversteigerung, bei der Engelhard Klaar, Direktor des Viktoria-Hotels in Stettin, mit einem Gebot von 140.500 Mark den Zuschlag erhielt.[5]

Unter Klaars Leitung wurde das Haus modernisiert und erhielt als eines der ersten Hotels in Zinnowitz einen Telefonanschluss.[6] Im Jahr 1910 ließ er einen Erweiterungsbau errichten, wodurch die Kapazität auf 75 Zimmer mit 130 Betten anstieg.

Klaar förderte zudem das kulturelle Leben im Badeort: Im großen Saal des Hotels entstand das Kurtheater Zinnowitz, das rund 500 Besuchern Platz bot. Zwischen 1910 und den 1930er Jahren fanden dort regelmäßig Theateraufführungen, Konzerte, Tanzturniere und gesellschaftliche Bälle statt.[7]

Nach weiteren Modernisierungen erhielt das Haus 1925 den Namen Kurhaus Preussenhof, nachdem es von der Stettiner Preußenhof A.G. übernommen worden war. Zu den Neuerungen gehörten eine repräsentative Hotelhalle mit Terrasse, ein Personenaufzug, Autogaragen sowie das Café Preussenhof mit eigener Konditorei. Das Haus zählte damit zu den bedeutendsten Kurhotels auf Usedom.[8]

Auch in Hotelverzeichnissen jener Zeit wurde das Haus als renommiertes Strandhotel geführt.[9]

Mit Beginn der Sperrzone um Peenemünde 1938 wurde der Badebetrieb eingestellt; das Gebäude diente fortan der Unterbringung von Mitarbeitern der Heeresversuchsanstalt.[10]

DDR-Zeit (1947–1990)

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die IG Bergbau Sachsen-Anhalt das Haus und nutzte es ab 1947 als „Bergarbeitererholungsheim Glückauf“. Von 1953 bis 1990 war es im Besitz der IG Wismut, die bis zu 550 Gäste gleichzeitig beherbergte. Der große Saal diente als Veranstaltungsort, das Tanzcafé bot 110 Plätze. 1961 kamen die ersten Winterurlauber nach Zinnowitz, 1972 erfolgte eine umfassende Sanierung, bei der Mobiliar und Fenster erneuert sowie bauliche Veränderungen an der Fassade vorgenommen wurden.[11]

Der Preussenhof war damit über Jahrzehnte eines der zentralen Ferien- und Kulturhäuser des Badeortes.[12]

Wendezeit und Sanierung (1990–1998)

Nach 1990 fiel das Gebäude an die Treuhandanstalt, die es zunächst an das Bildungszentrum Nordost verpachtete. 1994 erwarb die Zinnhotel Preussenhof KG das Haus, ließ es denkmalgerecht sanieren und 1998 als Strand- und Wellnesshotel Preussenhof wiedereröffnen.[13]

Während der Sanierung wurden historische Elemente wie die Türme anhand alter Postkarten rekonstruiert.[14]

Bis 2007 war im Haus das erste Heimatmuseum von Zinnowitz untergebracht, in dem Besucher die Geschichte des Gebäudes und des Badeortes nachvollziehen konnten.[15] Zugleich wurde ein Museumscafé eröffnet, in dem Angestellte zeitweise in nachgeschneiderten Badeanzügen der 1920er Jahre arbeiteten. Dort waren zahlreiche historische Postkarten und Fotografien ausgestellt. Im Jahr 2025 wurde das Museumscafé in Restaurant Lineti umbenannt; Teile der Ausstattung und der historische Flair blieben jedoch erhalten.

Architektur

Das Gebäude ist ein Beispiel der Bäderarchitektur des späten 19. Jahrhunderts mit rekonstruierten Türmen und historischer Fassade.[16] Besonders markant ist der große Saal, der zunächst als Theatersaal für Aufführungen genutzt wurde und bis heute erhalten ist.

Nutzung

Der traditionsreiche Saal wird weiterhin für Konferenzen, kulturelle Veranstaltungen und politische Treffen genutzt.[17] Das Hotel wird heute von der Unternehmensgruppe Schöner Inseln betrieben, die in Zinnowitz mehrere Hotels und Ferienwohnungen verwaltet.

Bekannte Gäste

Im Laufe seiner Geschichte beherbergte das Haus zahlreiche Persönlichkeiten, darunter den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den Schriftsteller Walter Kempowski, den Theologen Friedrich Schorlemmer sowie weitere Künstler und Politiker.[18]

Bedeutung

Das Kurhaus Preussenhof war im frühen 20. Jahrhundert eines der gesellschaftlichen Zentren von Zinnowitz und ist bis heute ein prägendes Bauwerk der Strandpromenade. Seine wechselvolle Nutzung vom Kurhaus über ein Ferienheim bis hin zum modernen Hotel macht es zu einem kulturhistorisch bedeutsamen Zeugnis der Ortsgeschichte.[19]

Literatur

  • Robert Burkhardt: Geschichte von Zinnowitz (Seebad), 1309–1909. Zinnowitz 1909.
  • Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920.
  • Walter Dreisner (Fotos), Fritz Fischer (Text): Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.
  • Hotel-Adreßbuch für das Deutsche Reich, 1928.
Commons: Kurhaus Preussenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof
  2. Walter Dreisner (Fotos), Fritz Fischer (Text): Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.
  3. Robert Burkhardt: Geschichte von Zinnowitz (Seebad), 1309–1909. Zinnowitz 1909.
  4. Ortschroniken MV: Fortlaufende Zeittafel
  5. Ortschronik Zinnowitz – Zeittafel, 1903
  6. Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof
  7. Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920, S. 29–31.
  8. Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof
  9. Hotel-Adreßbuch für das Deutsche Reich, 1928.
  10. Zinnowitz Geschichte – m-vp.de
  11. Ortschroniken MV: Zeittafel
  12. Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.
  13. Ostsee-Zeitung: Vom kleinen Dörfchen Tzys zum mondänen Ostseebad der heutigen Zeit
  14. Führer durch den westlichen Teil der Insel Usedom. Inselklub Usedom-West, ca. 1920.
  15. Ortschroniken MV: Weiterführende Themen
  16. Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.
  17. Ortschroniken MV: Historische Bauwerke – Preussenhof
  18. Transkribierte Audiochronik Preussenhof, 2025.
  19. Walter Dreisner, Fritz Fischer: Usedom. Petermänken-Verlag, Schwerin, o. J.

Koordinaten: 54° 4′ 51,8″ N, 13° 54′ 51,1″ O