Kura Te Whiria Ensor
Kura Te Whiria Ensor (* 23. Januar 1925 in Manawatū-Whanganui, Neuseeland; † 18. Januar 2015 in Thames, Neuseeland) war eine neuseeländische Modedesignerin und Maori-Modeunternehmerin. Sie trug in den 1970er Jahren maßgeblich zur Renaissance des Māori-inspirierten Designs bei. Sie führte ein erfolgreiches, landesweites Modeunternehmen und verkaufte Kleidungsstücke, die häufig Māori-Namen, -Motive und -Muster aufwiesen.[1]
Leben und Werk
Ensor war das älteste Kind von vier Kindern von Violet Moeroa Wilkinson und Robert Tiopira Davis. Ihre Mutter war die Tochter von Te Hinu Ellen Cribb und George Te Paoro Wilkinson, einem Agenten des Landgerichts der Māori, der Waikato-Tainui angeschlossen war, während ihr Vater von der Rangatira Hiria Tiopira von Iwi Tapu abstammte. Wie viele Frauen ihrer Generation lernte sie von ihrer Mutter das Nähen und begann schon früh, ihre eigene Kleidung sowie Kleidung für Familie und Freunde anzufertigen. Sie besuchte die örtliche Grundschule und die Thames High School, wo sie auch Kurse in Maschinenschreiben und Wirtschaft belegte. Nach der High School übte sie verschiedene Bürotätigkeiten aus.[2]
Am 31. Dezember 1946 heiratete sie in den Metzger Hamilton Donald (Don) Henry Ensor, den sie in der High School kennengelernt hatte. Die Hochzeit fand heimlich statt, da ihre Schwiegereltern eine Māori-Frau als Schwiegertochter ablehnten. Ihr Schwiegervater war von 1931 bis 1959 Bürgermeister von Thames und stammte aus einer angesehenen Pākehā-Familie mit langer Verbundenheit zur Region. 1948 bekam Ensor einen Sohn und sie zog mit ihrer Familie 1951 nach Auckland. Sie arbeitete bis etwa 1952 im Büro von Coca-Cola, bevor sie eine Bürostelle bei dem Herrenbekleidungshersteller Matheson Minster annahm, wo ihre Mutter an den Nähmaschinen arbeitete. Ihr Ehemann arbeitete bis 1963 für einen Metzger in Greenlane, bevor er seine eigene Metzgerei eröffnete. Sie half im Geschäft mit und studierte Schnittmustererstellung.[3]
Designerin und Maori-Modeunternehmerin
In einem Gästezimmer ihres Elternhauses in Northcote begann Ensor, Kleidung für ihre Cousinen mütterlicherseits zu nähen. Sie arbeitete als Model und war Mitglied der New Zealand Modelling Association. Außerdem engagierte sie sich in der Māori Women’s Welfare League und sammelte Spenden für diese, indem sie Modenschauen organisierte, die in den 1960er- und 1970er-Jahren in Neuseeland sehr beliebt waren.
Ihre Entwürfe enthielten Māori-Motive und -Muster und sollten das Ansehen des Māori-Designs stärken. Als sie 1969 eine Benefiz-Modenschau für den Arahina-Zweig der Māori Women's Welfare League moderierte, trug sie ein weißes Crêpe-Kleid mit Abalone-Muscheln verziert, die sie selbst zugeschnitten und poliert hatte. In Anerkennung ihrer Spendenarbeit und ihres Engagements für das Māori-Design ernannte der Arahina-Zweig sie zum Ehrenmitglied.[4]
Nachdem sie 1969 eine Ostermodenschau im Chateau Tongariro moderiert hatte, wo ihr entworfenes und getragenes Kleid große Bewunderung erntet, gründete sie ihr eigenes Modelabel Gay Forties Limited. Gay Forties war ein kleines Unternehmen, das zunächst in ihrem Haus in Northcote und 1974 in einem Ladenlokal in Takapuna ansässig war. Ensor hatte Kundinnen in ganz Neuseeland und verkaufte ihre Designs auch in der Paris Boutique, einem Geschäft auf Norfolk Island. Im selben Jahr reiste sie nach Norfolk Island, um eine Modenschau im South Pacific Hotel zu moderieren, deren Erlös dem örtlichen Frauen- und Mütterverein zugutekam.[5]
Ensor hatte Pierre-Cardin-Modenschauen in Auckland besucht und festgestellt, dass es kaum modische Kleidung für Frauen in ihrer Konfektionsgröße gab. Die Boutique-Kultur boomte in Neuseeland, wie auch im Ausland, doch die in diesen Geschäften verkaufte und auf Modenschauen präsentierte Kleidung richtete sich an junge Frauen in den gängigen Damengrößen. Ensor bot auch einen Maßanfertigungsservice für Frauen an, die in den Standardgrößen nicht fündig wurden. Sie spezialisierte sich auf Abendgarderobe und sogenannte Terrassen- und Gastgeberinnenmode und schätzte, dass der Kaftanstil eine schmeichelhafte Silhouette für kurvige Frauen bot. Sie bewunderte auch Coco Chanels legendäres „kleines Schwarzes“, das sie in verschiedenen Varianten entwarf. Sich in Sachen Mode an Paris zu orientieren, war für neuseeländische Designer dieser Zeit gängige Praxis. Gleichzeitig fand die Entwicklung des Māori-Modernismus durch bedeutende Künstler wie Ralph Hōtere und Para Matchitt sowie die Māori-Renaissance der 1970er-Jahre, die ein stärkeres Bekenntnis zur Bikulturalität förderte, Eingang in die Mode durch die Integration traditioneller Māori-Motive. In den 1970er-Jahren wandelte sich die Nationaltracht der neuseeländischen Vertreterinnen bei der Miss-World-Wahl von traditioneller Māori-Kleidung hin zu einer Fusion aus europäisch inspirierter Haute Couture und Elementen des Māori-Designs. Auch bei Frauen, die ins Ausland reisten, bestand Nachfrage nach Kleidung, die das neuseeländische Erbe widerspiegelte.
Ensor zelebrierte Māori-Design, indem sie Māori-Motive in ihre Stoffe und Verzierungen einarbeitete und ihren Kleidungsstücken Māori-Namen gab. Eine Anzeige von 1974 zeigt das Label Gay Forties eingebettet in ein Koru-Muster. Im selben Jahr sponserte die Māori Women’s Welfare League zwei Beiträge für die Benson and Hedges Fashion Design Awards. Ensor reichte ihre Entwürfe in den Kategorien Tages- und Abendmode ein und wählte die Māori-Namen Aotearoa und Marama. Aotearoa, ein cremefarbenes Wollkleidungsstück mit Paua-Muschelbesatz, wurde nach London gebracht und im New Zealand House im Rahmen einer Werbekampagne des New Zealand Wool Board ausgestellt.
1973 erlangte ein schwarzes Wollkleid Berühmtheit, als es auf der Cameo New Zealand Fashion Showcase präsentiert wurde. Das Kleid mit dem Namen Tania war mit Māori-Motiven verziert und wurde getragen, um die Unterstützung für Māori-Anliegen sowie die Wollindustrie zu demonstrieren. Es erregte die Aufmerksamkeit der Abgeordneten Whetu Tirikatene-Sullivan und sie kaufte es. Mit ihrer Kleiderwahl zur Begrüßung des Landmarsches signalisierte Tirikatene-Sullivan ihre Unterstützung für die Demonstranten und die Förderung von Māori-Modedesign. Das Kleid hatte weitere bemerkenswerte Auftritte: Es wurde von der Miss Neuseeland Pam King bei einer Benefizveranstaltung des Wool Board getragen und war 1974 im Opernhaus von Sydney Teil einer Kollektion mit neuseeländischer Wolle. Nach dem Tod von Whetu Tirikātene-Sullivan 2011 wurde deren Kleidersammlung dem MTG Hawke’s Bay Museum Trust übergeben, wo einige Stücke ausgestellt sind.[6][7][8]
Ensor stellte das Label Gay Forties Mitte der 1970er-Jahre ein. Sie fertigte weiterhin Brautkleider und Designerstücke im Auftrag an, bis sie Anfang der 1990er-Jahre nach Thames zurückkehrte.
Ensor starb 2015 im Alter von 89 Jahren in Thames.[9][10]
Literatur
- L.D. Hammonds, Lloyd Jenkins, C. Regnault: The dress circle: New Zealand fashion design since 1940. Auckland, 2010.
- Jenny Carlyon, Diana Morrow: Changing Times: New Zealand Since 1945. Auckland University Press, 2024, ISBN 978-1869407827.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Kura Te Whiria Davis Ensor (1925-2015) – Find a... Abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Ensor, Kura Te Whiria | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ensor, Kura Te Whiria | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ensor, Kura Te Whiria | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ensor, Kura Te Whiria | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ The politics of dress – Stray notes, loose threads. 16. November 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025 (neuseeländisches Englisch).
- ↑ Moments in time - Lifestyle News. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (neuseeländisches Englisch).
- ↑ Tania evening gown - New Zealand Fashion Museum. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ensor, Kura Te Whiria | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Kura ENSOR Obituary (2015) - The New Zealand Herald. Abgerufen am 21. Dezember 2025.