Kunst Kammer
Kunst Kammer war eine Kunsthandlung mit Verlag in Berlin von 1926 bis 1931.
Geschichte
Der jüdische Kunsthändler Martin Wasservogel (1879–nach 1951) gründete die Kunst- und Buchhandlung Kunst Kammer in der Leipziger Straße 26 in Berlin wahrscheinlich im Jahr 1926.[1] Er stellte dort auch Bilder von Rodin, Doré, Corinth, Chodowiecki und weiteren Künstlern aus und organisierte temporäre Ausstellungen.[2] Außerdem verlegte er einige Bücher. Etwa Ende 1930 wurde der Standort aufgegeben, an der folgenden Adresse von Martin Wasservogel in der Lennéstraße 6 gab es kein eigenes Geschäft mehr, aber ein Wertheim-Kaufhaus.[3]
(Martin Wasservogel hatte 1924 den Gerhart-Hauptmann-Preis für zeitgenössische bildende Künstler begründet. Sein Schicksal ab 1933 ist unbekannt.[4] 1951 prozessierte er um die Rückerstattung von Grundstücken, Gemälden und weiteren Wertgegenständen.[5])
Publikationen (Auswahl)
Im Kunst Kammer Martin Wasservogel Verlag wurde belletristische Literatur, sowie Sachbücher und Ausstellungskataloge herausgegeben, einige Exemplare davon in geschöpftem Büttenpapier oder in Ledereinband. (Es sind die meisten feststellbaren Publikationen angegeben.)
- Sachliteratur
- Arthur Rümann: Honoré Daumier. Das graphische Werk. 1926.
- Arthur Rümann: Daniel Chodowiecki. Das graphische Werk. [1926]
- Arthur Rümann: George Cruikshank. Das graphische Werk. 1926.
- Ernst Cohn-Wiener: Die jüdische Kunst. Ihre Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Mit 171 Abbildungen. 1929 (Digitalisat)
- Belletristik
- Hans Schönfeld: Karl Ludwig Sand. Roman. 1926 (mit Abbildungen).
- Iwan Goll: Die Eurokokke. 1927.
- Claire Goll: Eine Deutsche in Paris. [1927]
- Michael Osten [= Moritz Goldstein]: Katastrophe. Novellen. [1927]
- Michael Osten: Die zerbrochene Erde. Novellen. [1927]
- Max Herrmann(-Neiße): Der Todeskandidat. [1927]
- Max Herrmann: Einsame Stimme. Ein Buch Gedichte. 1927, Reprint 1972.
- Lothar Brieger(-Wasservogel): Die Malerin der Marie Antoinette. [1927]
- Peter Flamm [= Erich Mosse]: Heimfahrt zum Tode. 1928.
- Hans Flesch: Auszug und Wiederkehr. 1929.
- Gregor Jarcho: Ein Freund. 1929.
- Waldemar Keller: Die Neger. 1929.
- Georg Hirschfeld: Die Bude. Ein Theaterroman.
- Ausstellungskataloge
- George Grosz. Dezember 1926.
- Heinrich Ehmsen. Januar 1927, Text von Lothar Brieger-Wasservogel, 30 Ölbilder und weitere Werke.[6]
- Lesser Ury. Neue Bilder aus zwei Weltstädten Paris und Berlin. März/April 1928.
- Gemälde und Aquarelle ostpreußischer Maler. Oktober 1928.
- Stilleben. Dezember 1928, mit Rahel Szalit-Marcus.[7]
- Ererbtes Talent. Juni/Juli 1929.
- Lasko. Ölgemälde und Pastelle. September/Oktober 1929.
- Heinrich Ehmsen. Januar 1930, Vorwort Lothar Brieger(-Wasservogel).
- Alfred Knispel. März/April 1930.
Weblinks
- Literatur von und über Martin Wasservogel Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Dokumente über die Kunst Kammer Berlinische Galerie
- Suche nach Martin Wasservogel. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Adreßbuch für den Berliner Buchhandel, 1927, S. 81, mit erstem Eintrag, auch in Adressbuch für den deutschen Buchhandel
- ↑ Der Kunstwanderer, 9, 1927, S. 292, auch S. 336 und öfter (PDF), mit Anzeigen der Kunst Kammer über ihre dauerhaft ausgestellten Bilder
- ↑ Lennéstraße. In: Berliner Adreßbuch, 1932, IV., S. 487.; im Adressbuch für den Berliner Buchhandel, 1931, S. 87, letzter Eintrag von Martin Wasservogel im Adressbuch (erstmals in der Lennéstraße 6), möglicherweise gingen einige seiner Bilder an das Wertheim-Kaufhaus (?)
- ↑ Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Band 1. München 1999, S. XVIII, erwähnt in der Kategorie Jüdische Kunsthändler mit ungeklärtem Schicksal
- ↑ Suche nach Martin Wasservogel. In: Deutsche Digitale Bibliothek
- ↑ Heinrich Ehmsen, Maler. Leben /Werk/Protokoll. Elefanten Press, Berlin 1986, S. 61, auch S. 11, 64 (kurze Auszüge), mit einigen Details
- ↑ Kerry Wallach: Traces of a Jewish Artist. The Lost Life and Work of Rahel Szalit. 2024, S. 223 (Appendix I), gibt eine Ausstellung dort mit ihr für Dezember 1928 an, Stilleben war wahrscheinlich eine Sammelausstellung