Kumano Yoshitaka

Kumano Yoshitaka (japanisch 熊野 義孝; * 9. Mai 1899 in Tokio; † 20. August 1981) war ein japanischer Theologe, reformierter Pastor und Hochschullehrer. Er lehrte als Professor für Systematische Theologie am Tokyo Union Theological Seminary. Seine Theologie gilt als dialektisch, barthianisch, nimmt aber einen eigenen Charakter aus der japanisch-reformierten Tradition an.

Leben

Ausbildung

Kumano wurde 1899 in Tokio geboren. Er studierte an der Waseda-Universität. Dort wurde er Christ, woraufhin er 1917 getauft wurde. Anschließend wechselte er an das Theologische Seminar Tokio, wo er bei Uemura Masahisa lernte,[1] der sein Denken nachhaltig beeinflusste.[2]

Pfarramt

Im Jahr 1926 erfolgte seine Ordination. Danach wirkte er für kurze Zeit als Pastor an Kirchen in Tokyo und Hakodate,[1] bevor er eine dauerhafte Stelle an der Tokioter Musashino-Kirche erhielt, wo er für etwa 50 Jahre neben seiner Frau Pastor blieb, die ihn in dieser Position noch weitere 15 Jahre überdauerte. Die Kirche war offiziell 1930 als Missionsgemeinde gegründet worden, nachdem Tokuzawa Kiyoko im Vorjahr einen Vortragssaal für Frauen der reformiert-presbyterianischen Kirche Christi in Japan (Nihon kirisuto kyōkai) eröffnet hatte, aus dem die Gemeinde dann hervorging. Im Jahr 1931 heirateten beide. Ein eigenes Kirchengebäude wurde erst 1939 errichtet.[3]

Im April 1941 trat die Kirche Christi in Japan der Vereinigten Kirche Christi in Japan bei.[3] Der fehlende Zusammenhalt dieser Zwangsunionskirche führte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem teilweisen Auseinanderbrechen, welches auch die reformierten Gemeinden betraf. Während ein Teil in der Kirche verblieb und innerhalb der Vereinigten Kirche Christi in Japan eine Vereinigung (連合長老会, Rengō Chōrōkai, etwa: Vereinigung der Kirchenältesten) bildete, spalteten sich andere ab.[4] Sowohl die Gemeinde[3] als auch Kumano verblieben in der Vereinigten Kirche Christi.[5]

Akademische Tätigkeit

Seit 1934 lehrte er selbst,[1] so am Japan Theological Seminary, Japan Union Theological Seminary sowie schließlich am Tokyo Union Theological Seminary.[2] Um 1968 wurde er emeritiert.[6]

Er studierte eingehend Karl Barth[2] und zusammen mit Kuwada Hidenobu (1895–1975) gilt er als Einführer der dialektischen Theologie in Japan.[7][2] (Andere sehen diese Vorreiterrolle bereits unter anderem bei Takakura Tokutarō (1885–1934)).[4] Im Jahr 1932 veröffentlichte er seine Einführung in die dialektische Theologie. Es folgte eine Reihe weiterer theologischer Bücher sowie die Gründung und Publikation des Journals Protestant Studies. Sein umfassendstes und bedeutendstes Werk war eine dreibändige Dogmatik aus den Jahren 1954, 1959 und 1965, „auf dem höchsten akademischen Niveau, das je [1982] in Japan verfasst wurde.“[8]

Insgesamt basiert seine Theologie zwar stark auf der reformatorischen Tradition, speziell Johannes Calvins sowie auf dem Denken Karl Barths, doch geht Kumano darüber hinaus, baut auch auf seinen japanischen Vorgängern wie Takakura auf,[5] und bezieht das japanische Leben und seine Kultur in sie hinein.[1]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Gesamtwerk (熊野義孝全集, Kumano Yoshitake zenshū). 12 Bände sowie zwei Ergänzungsbände. Shinkyō shubbansha, 1977–1984. (japanisch)[9]

Literatur

  • J. Nelson Jennings: Who Did They Say That He Is? Four Hopeful and Suffering Generations of Japanese-Reformed Christologies. In: Global Missiology. 8 2011, S. 1–50.
  • Kumano, Yoshitaka (1899–1981). In: Robert Benedetto und Donald McKim (Hrsg.): Historical Dictionary of the Reformed Churches. Zweite Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2010, S. 251–252, ISBN 978-0-8108-5807-7.
  • Satō Shirō: 日本神学校におけるバルト受容-桑田秀延と熊野義孝の場合. In: 日本におけるカール・バルト-戦争までの受容史の初段面. Shinkyō, Tokyo 2009, S. 113–161, ISBN 978-4400213109.[10]

Einzelnachweise

  1. a b c d Kumano, Yoshitaka (1899–1981). In: Robert Benedetto und Donald McKim (Hrsg.): Historical Dictionary of the Reformed Churches. Zweite Auflage. Scarecrow Press, Lanham 2010, S. 251–252, ISBN 978-0-8108-5807-7.
  2. a b c d Toshio Sato: Eight Elders of Christian Studies. In: Nihon no shingaku. 1982, S. 39–49ff, hier S. 47–49.
  3. a b c 教会の歴史|日本キリスト教団 武蔵野教会. 5. November 2021, abgerufen am 7. Januar 2026 (japanisch).
  4. a b Sung Bihn Yim, Yasuhiro Sekikawa, Alexander Chow und Geoff Thompson: Reformed theology in Asia and Oceania. In: Paul T. Nimmo und David A. S. Fergusson (Hrsg.): The Cambridge Companion to Reformed Theology. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 9781107027220, S. 296–318, hier S. 309.
  5. a b Sung Bihn Yim, Yasuhiro Sekikawa, Alexander Chow und Geoff Thompson: Reformed theology in Asia and Oceania. In: Paul T. Nimmo und David A. S. Fergusson (Hrsg.): The Cambridge Companion to Reformed Theology. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 9781107027220, S. 296–318, hier S. 310.
  6. „After retirement, he wrote History of Christian Theological Thought in Japan (1968) [...].“ Toshio Sato: Eight Elders of Christian Studies. In: Nihon no shingaku. 1982, S. 39–49ff, hier S. 47–49.
  7. J. Nelson Jennings: Theology in Japan. In: Mark R. Mullins (Hrsg.): Handbook of Christianity in Japan. Handbook of Oriental Studies. Section 5 Japan, 10. Brill, Leiden (u. a.) 2003, ISBN 978-90-04-13156-9, S. 181–204, hier S. 194.
  8. „[...] on the highest academic level ever written in Japan.“ Toshio Sato: Eight Elders of Christian Studies. In: Nihon no shingaku. 1982, S. 39–49ff, hier S. 48.
  9. Yoshi Sonohara: 熊野義孝全集. In: 神学文献大調査. Abgerufen am 7. Januar 2026.
  10. English Translations of Christian Scholarship. In: Princeton Theological Seminary. Abgerufen am 7. Januar 2026 (Befindet sich aktuell in Übersetzung).