Krzysztof Gawkowski
Krzysztof Kamil Gawkowski (* 11. April 1980 in Warschau) ist ein polnischer Politiker der Partei Nowa Lewica. Seit Dezember 2023 ist er stellvertretender Ministerpräsident sowie Minister für Digitalisierung im dritten Kabinett von Donald Tusk.[1]
Leben
Gawkowski studierte Geisteswissenschaften und promovierte zum Doktor der Humanwissenschaften. Zudem absolvierte er ein postgraduales Studium im Arbeitsrecht an der Universität Warschau. Von 2002 bis 2010 war er Mitglied des Stadtrats von Wołomin, anschließend bis 2014 Abgeordneter der Woiwodschaftsversammlung Masowien. Seit 2019 gehört er für den Wahlkreis Bydgoszcz dem Sejm an.[1]
Politische Laufbahn
Zwischen 2019 und 2023 war Gawkowski Vorsitzender des Parlamentsklubs der Linken. Seit 2021 ist er stellvertretender Vorsitzender der Partei Nowa Lewika.[1] Im Dezember 2023 wurde er zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister für Digitalisierung im Kabinett Tusk berufen.[1]
Standpunkte und Ansichten
Gawkowski ist Befürworter einer umfassenden Digitalisierung staatlicher Dienstleistungen. Er verweist auf polenweite behördenübergreifende App mObywatel („mBürger“), die Bürgern den Zugang zu Verwaltungsleistungen wie digitaler Ausweis, Steuererklärungen, Arztterminen oder Fahrzeuganmeldungen ermöglicht.[2] Ende 2025 nutzten rund elf Millionen Polen diese Anwendung.
Er spricht sich für die Einführung einer Digitalsteuer auf große US‑Technologiekonzerne aus und forderte Sanktionen gegen Plattformen, die Desinformation nicht schnell genug löschen. Im November 2025 erklärte Gawkowski in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Polen befinde sich „in einem digitalen Krieg mit Russland“. Nach seinen Angaben sei Polen das am stärksten angegriffene Land der Europäischen Union; täglich würden mehrere Tausend Cyberattacken registriert, darunter auch Angriffe auf kritische Energieinfrastrukturen sowie auf Gas‑, Wasser‑ und Abwassersysteme. Hinzu kämen gezielte Desinformationskampagnen, die die Gesellschaft spalten sollten.[3][4] Laut Gawkowski gelinge es den Behörden, mehr als 99,5 Prozent dieser Angriffe abzuwehren. Bereits zuvor hatte er wiederholt auf die Bedrohung durch russische und belarussische Hackergruppen hingewiesen.[5][6]
Gawkowski verwies im selben Interview auf das im Sommer 2025 gegründete „digitale Weimarer Dreieck“ zwischen Polen, Deutschland und Frankreich.[7] Dieses solle seiner Ansicht nach eine Führungsrolle in der europäischen Digitalisierung übernehmen. Er betonte, dass eine starke europäische Führung notwendig sei, um den USA und China auf Augenhöhe begegnen zu können.[8] Als Digitalminister pflegt Gawkowski enge Kontakte zu deutschen Behörden. Im Oktober 2024 besuchte er das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn, um sich mit Vizepräsident Gerhard Schabhüser über internationale Cyberbedrohungen auszutauschen.[9]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Autor ungenannt: Krzysztof Gawkowski Wiceprezes Rady Ministrów, Minister Cyfryzacji. In: gov.pl. Kancelaria Prezesa Rady Ministrów, 2024, abgerufen am 30. November 2025 (polnisch).
- ↑ David Dlugosz: Apostazja w aplikacji mObywatel? Minister cyfryzacji odpowiada. In: geekweek.interia.p. Interia GeekWeek, 17. November 2025, abgerufen am 30. November 2025 (polnisch).
- ↑ Andreas Mihm (Interviewführer): „Polen ist im digitalen Krieg mit Russland“ / Die polnische Regierung kommt zu Konsultationen nach Berlin. Vizeregierungschef Krzysztof Gawkowski warnt vor der Bedrohungslage durch Russland. Er spricht an, warum viele Polen schlecht über Deutschland denken und was Deutschland vom Nachbarn lernen könnte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Dezember 2025, Seite 17
- ↑ Charles Szumski: Saboteure aufgedeckt: Polnische Behörden zerschlagen Cyberspionage-Gruppe Der polnische Minister für Digitalisierung, Krzysztof Gawkowski, berichtete am Montag (9. September), dass es den polnischen Behörden gelungen sei, eine mit belarussischen und russischen Geheimdiensten verbundene Cyberspionagegruppe zu zerschlagen. In: euractiv.de. Euractiv, 9. September 2024, abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ Katarzyna Kucharczyk: „Chcą ukraść Polakom wybory”. Rząd wskazał sprawców ataku na PO. In: cyfrowa.rp.pl. Rzeczpospolita, 3. April 2025, abgerufen am 30. November 2025 (polnisch).
- ↑ Gawkowski: Nie możemy powiedzieć, że jest super bezpiecznie. In: dorzeczy.pl. Do Rzeczy S.A., 4. November 2025, abgerufen am 30. November 2025 (polnisch).
- ↑ Deutschland soll Technologiepartnerschaft mit Polen verstärken / Deutschland soll Technologiepartnerschaft mit Polen verstärken / Polen rückt als Technologiepartner der deutschen Wirtschaft mehr und mehr ins Blickfeld. Im Rahmen der Konferenz „Deutsch-Polnische Zukunftsmärkte“ am 27. November 2025 in Berlin betonten Digitalminister Karsten Wildberger und sein polnischer Amtskollege Krzysztof Gawkowski die Absicht, ein Memorandum für die Zusammenarbeit der Digitalwirtschaft zu unterzeichnen. In: ahk.pl. Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer Polen, 27. November 2025, abgerufen am 30. November 2025.
- ↑ Monika Stefanek: Forum w Berlinie: Polska radzi sobie lepiej niż Niemcy / Zmieniona sytuacja geopolityczna sprawia, że Europa stara się uniezależnić technologicznie od dostawców z państw trzecich. To szansa dla polskich firm. In: dw.com/pl. Deutsche Welle, 27. November 2025, abgerufen am 30. November 2025 (polnisch).
- ↑ Polnischer Vizepremier Krzysztof Gawkowski besuchte das BSI. In: bsi.bund.de. Bundesamt für Sicherheit in der InformationstechnikBundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, 31. Oktober 2024, abgerufen am 30. November 2025.