Krupp/Daimler K.D. 1

Krupp/Daimler K.D. 1
Krupp/Daimler K.D. 1
mit speziellen Geländerädern
Basisinformation
Hersteller Krupp
Daimler
Modell Krupp/Daimler K.D. 1
Produktionszeit 1916–1918
Technische Daten
Eigengewicht 8,00 t
Nutzlast 1,50 t
Länge 6,26 m
Breite 2,17 m
Höhe 2,86 m
Radstand 3,75 m
Wendekreis 6,50 m
Bodenfreiheit 0,40 m
Steigfähigkeit 25 %
10 % mit Anhänger
Motor Vierzylinder-Ottomotor
Leistung 100 PS (74 kW)
Geschwindigkeit 36 km/h
Verbrauch 3 l/km
Kraftstoffvorrat 200 l
Reichweite 80 km
Antriebsformel 4×4

Der Krupp/Daimler K.D. 1, auch genannt Zugmaschine I (kurz Z. I) ist eine Artilleriezugmaschine aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches und wurde noch im Ersten Weltkrieg eingesetzt.

Entwicklung

Während des Ersten Weltkrieges beschäftigte sich die Friedrich Krupp AG, neben der Fertigung und Entwicklung von Geschützen, auch mit Fahrzeugen. Die Entwicklung für Fahrzeuge der eigenen schweren Geschütze unternahm man selber, den Bau überließ man ab 1916 vertraglich der Daimler-Motoren-Gesellschaft. Krupp lieferte für den Bau der Fahrzeuge das Material und behielt sich den kaufmännischen Teil vor. So entstand im Jahr 1916 der erste Prototyp des Zugwagen I 1916, kurz Z. I.[1] Dieser erhielt dann offiziell die Bezeichnung Krupp/Daimler I, kurz K.D. I. Volkstümlich nannte man das Fahrzeug auf Kraftzugprotze, Motorpferd oder Motormaulesel. Der Name Krupp/Daimler K.D. 1 setzte sich daraus zusammen, da das Fahrzeug von Daimler immer mit dem Geschütz von Krupp ausgeliefert wurde.[2]

Ausschlaggebender Punkt für die Leistung und Grundlage dieser Fahrzeugkonstruktionen waren die Gewichte der 15-cm-Kanone 16 von Krupp, welche extra für den Transport von Zugmaschinen konstruiert wurde. Dabei wurden, sowohl das Geschütz, als auf der Zugkraftwagen, zusammen entwickelt. Die höchsten Achsdrücke dieses Geschützes betrugen 5,5 t bis 6 t. Nachdem der Professor Fritz Rausenberger 1915 die Grundsätze für den Bau von Kraftzugmaschinen aufstellte, wurde das 1 1/4-fache Gewicht des Achsdruckes für den Schlepper festgelegt. Man entwickelt daraus ein Fahrzeug, mit einem Gesamtgewicht von 8 t.[3]

Während für die angehängte Last kein großer Unterschied zwischen der Belastung der Vorder- und Hinterachse notwendig war, wurde für die Zugmaschine in schwerem Gelände eine andere Herangehensweise genutzt. Aufgrund von praktischen Versuchen und der geforderten guten Lenkbarkeit, wurde die Belastung der Vorder- zur Hinterachse im Verhältnis von 1 zu 2 gewählt. Auch war eine hohe Bodenfreiheit von mindestens 40 cm wichtig. Auch der Straße sollte das Fahrzeug mit angehängter Last mindestens 30 km/h erreichen.[3] Weiterhin sollte das Fahrzeug eine Seilwinde besitzen, da sich diese bei Test und vorherigen Fahrzeugen und Versuchen als notwendig erwiesen hatte. Aus all diesen Vorgaben entstand die Artilleriezugmaschine Krupp/Daimler K.D. 1.[4]

Am 5. und 6. Oktober 1916 konnte die Erprobung des ersten Prototypen auf dem Truppenübungsplatz Münsingen durchgeführt werden[1]. Dieser bewährte sich so gut, dass er in den Bestand der kaiserlichen Armee aufgenommen und eine große Bestellung aufgegeben wurde.[5]

Produktion

Den Ersten Auftrag gab es von der Technischen Abteilung der Inspektion des Kraftfahrwesens (Takraft) mit der Nummer 63017 vom 17. August 1918. Darin wurden 1070 Artillerie-Kraftzugmaschinen für die 15-cm-Kanone 16 bestellt. In der gleichen Auftragsnummer wurden weitere 380 Zugmaschinen für die Flugabwehr bestellt. Ein weiterer Auftrag wurde vom Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt (WuMBa) gestellt. Im Auftrag Nummer 512.6.18.A.III/6 vom 19. November 1918 wurden 360 Artillerie-Kraftzugmaschinen für die Flak bestellt.[6] Insgesamt gab es somit eine Bestellung von 1810 Zugmaschinen.[7] Der Stückpreis einer Artillerie-Kraftzugmaschine ohne Aufbau lag bei 59.000 Mark.[6]

Bereits im Mai 1917 konnten die ersten Zugmaschinen ausgeliefert werden. Die Produktion und Auslieferung wurde zusammen mit den Geschützen durchgeführt. Noch im Krieg und bis 1918 konnten 981 Zugmaschinen ausgeliefert werden.[2][7] Damit war dieses Fahrzeug die erste in Großserie produzierte Artilleriezugmaschine im Deutschen Kaiserreich.[5] Für die Herstellung eines Fahrzeuges wurden 1971 Arbeitsstunden aufgewendet.[7]

Nach dem Krieg wurde die Produktion wieder aufgenommen und der K.D. 1 als DZ 1 in einer zivilen Ausführung verkauft. Da die militärischen Fahrzeuge den Markt jedoch überschwemmten, waren die Verkaufszahlen sehr gering. So wurden einige Zugmaschinen an die Sowjetunion oder nach Mexico exportiert. Mitte der 1920er Jahr wurde die Produktion der zivilen Version nach der Herstellung von 1159 DZ1 in Untertürkheim beendet.[5]

Technische Daten

Artilleriezugmaschine

Der Krupp/Daimler K.D. 1 war mit einem Vierzylinder-Ottomotor M 1574 mit 100 PS (73,5 kW) und 12 l Hubraum ausgestattet. Für eine optimale Kraftübertragung auf die Räder verfügte die Zugmaschine über einen Allradantrieb.[5] Damit war es ihm möglich, eine Nutzlast von bis zu 1,5 t oder einen 9 t Anhänger zu ziehen. Das Fahrzeug selber hatte ein Eigengewicht von 8,00 t. Da sich die Achslasten im Verhältnis von 1 zu 2 bewegten, lag diese auf der Vorderachse bei 2,50 t und auf der Hinterachse bei 5,50 t. Die maximale Höchstgeschwindigkeit auf der Straße lag bei 36 km/h.[4] Für die Vorwärtsfahrt verfügte die Zugmaschine über ein Getriebe mit acht Gängen und zwei für die Rückwärtsfahrt. Bei der Rückwärtsfahrt erreichte die Zugmaschine eine maximale Geschwindigkeit von 8,5 km/h. Der Kraftstoffvorrat lag bei 200 Litern. Damit war möglich, bis zu 80 km weit fahren zu können. Der Verbrauch lag bei 3 l/km.

Die Zugmaschine war 6,26 m, hatte eine Breite von 2,17 m und eine Höhe von 2,86 m. Der Radstand bei 3,75 m. Die Vorderräder waren etwas kleiner als die Hinterräder. Vorn wurden Räder mit einem Durchmesser von 1,2 m verbaut, während hinten Räder mit einem 1,4 m Durchmesser verwendet wurden. Die Bodenfreiheit lag bei 40 cm. Musste das Fahrzeug Wenden, konnte dies mit einem Wendekreis von 6,5 m durchgeführt werden.[4] An allen Achsen befanden sich Stahlspeichenräder mit profilierten eisernen Radreifen. Der Leiterrahmen der Zugmaschine bestand aus Press-Stahlteilen, welcher über den Achsen gekröpft war.[5]

Um das Fahrzeug in schwerem Gelände, sei es Matsch, tiefer Schnee oder Eis, ohne große Probleme vorwärts bewegen zu können, erhielten die Räder der Zugmaschine Greifer. Dieser bohrten sich in den Boden hinein und ermöglichten ein Vorwärtsfahren wo andere Fahrzeug oder Fuhrwerke stecken blieben. Zusätzlich konnten die Vorderräder mit einer Gummimanschette verbreitert werden, um die Geländeeigenschaften noch weiter zu verbessern. Weiterhin wurde eine Seilwinde verbaut, welche eine Zuglast von bis zu 5,00 t aushalten konnte. Das Seil der Seilwinde war 160 m lang.[4][5]

Flak-Kraftzugmaschine

Die Flak-Kraftzugmaschine war zum Ziehen für die schweren Flugabwehrgeschütze vom Kaliber 7,7 cm und 8,8 cm vorgesehen.[6]

Ballon-Kraftzugmaschine

Die dritte Version war die Ballon-Kraftzugmaschine, welche mit einer Spezialseilwinde für Fesselballone ausgerüstet war. Von dieser Version wurden, mit dem Schreiben Nummer 40506 vom 17. Dezember 1917 der königlich Bayerischen Inspektion des Militär-Luftfahrwesens in München, zwölf Fahrzeuge direkt bei Daimler in Untertürkheim bestellt. Der erste Versuchswagen wurde im Oktober 1917 fertiggestellt. Zwei weitere Versuchsfahrzeuge folgten und wurden mit einer vom Hüttenwerk Sonthofen DOFA-Winde ausgerüstet. Die restlichen bestellten und gelieferten Fahrzeuge erhielten eine verbesserte Fahrzeugseilwinde mit einem 2 km langen Ballonseil.[6]

Geschützkraftwagen 19

Aufgrund des Erfolges der Artillerie-Kraftzugmaschine Krupp/Daimler K.D. 1 an der Front, war das Fahrzeug von allen Truppenteilen begehrt.[2] Da auch die Gefahr durch Flugzeuge immer weiter anstieg, begann man die Überlegung, auf der Artillerie-Kraftzugmaschine ein Flugabwehrgeschütz zu montieren und diese dann als mobiles Flakgeschütz zu nutzen. Hier erhielt Krupp/Daimler am 19. November 1918, mit dem Auftrag Nummer 512.6.18.A.III/6 des Waffen- und Munitionsbeschaffungsamtes (WuMBa), 240 Stück dieser Flak-Selbstträger herzustellen. Ende 1918 war ein erster Versuchswagen vorführbereit. Bis zum Kriegsende konnten noch weitere 63 Fahrzeuge hergestellt und ausgeliefert werden.[8]

Das Fahrzeug erhielt eine Plattform auf der Flak montiert werden sollte. Verbaut wurde hauptsächlich die 7,7-cm-leichte Kraftwagenflak L/27 von Krupp. Versuchsweise wurde auch die 7,62-cm-Kraftwagenflak L31,5 M. 1918 von Henschel verbaut.[8] Da das Fahrzeug die 7,7-cm-leichte Kraftwagenflak L/27, welche später auch als 7,7-cm-Flak 19 bezeichnet wurde, tragen sollte, erhielt es die Bezeichnung Geschützkraftwagen 19 oder Krupp/Daimler K.D. 19.[2]

Im Jahr 1920 wurden Überlegungen angestellt, die 8,8-cm-Flak L/45 zu verbauen, welches durch das hohe Gewicht und den Versailler-Vertrag aber wieder verworfen wurde. Aufgrund des Vertrages wurden im gleichen Jahr noch mehrere Fahrzeuge zerstört.[8]

Für die Belange der Reichswehr wurden im Jahr 1919 und vor allem zwischen 1924 und 1930 weitere 49 Geschützkraftwagen 19 hergestellt. Hierbei wurde, anstelle der Eisenbereifung, eine Bereifung aus Vollgummi genutzt. Das zulässige Gesamtgewicht betrug 11,25 t und die Besatzung bestand aus neun Soldaten. Die Höchstgeschwindigkeit und die Leistung des Motors blieben identische zur Artillerie-Kraftzugmaschine.[9] Von 1930 bis 1932 wurden 120 der 7,7-cm-Flak L/27 umgeseelt und erhielten das Kaliber 7,5 cm. Insgesamt 80 Stück davon waren für die vorhandenen Geschützkraftwagen vorgesehen, obwohl die Reichswehr offiziell nur 28 Fahrzeuge haben durfte.[2]

In der Dienstvorschrift D. 600 der Wehrmacht vom 9. November 1935 wurde das Fahrzeug noch als Kraftwagen 19, Geschützkraftwagen (Sd. Kfz. 1) ausgewiesen.[9]

Einsatz

1917 – 1918

Bei den ersten Fahrversuchen mit der 15-cm-Kanone 16 in Winterberg im Hochsauerlandkreis bewährte sich der Krupp/Daimler K.D. 1 hervorragend. Bei Steigungen auf rutschiger Straße, bei schneebedecktem Boden oder bei vereistem Gelände kam das Fahrzeug mit der angehängten Kanone gut voran. Das Fahrzeug war so gut konstruiert und getestet worden, dass selbst nach der Erprobung an der Front größere Anpassungen nicht mehr notwendig waren.[4] Zum erste Mal tauchte die Zugmaschine am 1. November 1917 an der Front auf.[6] 155 Batterien mit der 15-cm-Kanone 16 wurden mit dem Krupp/Daimler K.D. 1 ausgerüstet. Darunter auch 25 geschlossene Bataillone mit insgesamt 310 Geschützen. Zwölf dieser Bataillone mit insgesamt 72 Geschützen kamen jedoch nicht mehr an der Front zum Einsatz.[4]

Versuchsweise wurde die Artillerie-Kraftzugmaschine auf für den Transport der 19 t schweren 17-cm-Schnelladekanone L/40 der Kaiserlichen Marine eingesetzt. Diese war für den Transport jedoch zu schwer.[7]

1919 – 1930

Nach dem Krieg und der Demilitarisierung gelangten viele Fahrzeuge in die Hände privater Transportunternehmen. Diese wussten die Qualität, Zuverlässigkeit und Robustheit der Zugmaschinen schnell zu schätzen. Daimler reagierte darauf und bot ab 1919 die Zugmaschinen in einer zivilen Version an, welche nun auch eine Vollgummibereifung bekommen konnten. Hierbei erhielt das Fahrzeug die Bezeichnung DZ 1.[5]

1930 – 1939

Auch in der Reichswehr und der Wehrmacht wurde die Artilleriezugmaschine weiter eingesetzt. Bei der Reichswehr nutzte man das Fahrzeug hauptsächlich zum Transport von Munition. Bei der Wehrmacht erhielt das Fahrzeug die Bezeichnung Zugmaschine Krupp/Daimler (Sonderkraftfahrzeug 2). Dort hieß es auch in dem H.V.Bl. 1931, Nr. 27 vom 14. September 1931 mit der Nr. 484, das nach dem Aufbrauch der alten Bereifung, diese durch Elastikreifen ausgetauscht werden sollten.

Die Geschützkraftwagen wurden ebenfalls in der Reichswehr genutzt. Diese war von den Fahrzeugen begeistert, da diese sowohl für die mobile Luftabwehr, als auch für die mobile Panzerabwehr eingesetzt werden konnten. Die Wehrmacht bezeichnete das Fahrzeug als Geschützkraftwagen Kw. 19 Krupp/Daimler (Sonderkraftfahrzeug 1) und nutzte das Fahrzeug weiter. Im H.V.Bl. 1931, Nr. 27 vom 14. September 1931 hieß es, dass die alte Bereifung durch Vollgummireifen ausgetauscht werden sollten.

Literatur

  • Axel Oskar Mathieu: Zur Geschichte der Nutzfahrzeuge, Krupp. Archiv Axel Oskar Mathieu.
  • Hermann Schirmer: Das Gerät der schwere Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg. Bernard & Graefe, Berlin 1937.
  • Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870–1945. In: Militärfahrzeuge. Band 10. Motorbuch, Stuttgart 1978, ISBN 3-87943-528-6.
Commons: Krupp/Daimler K.D. 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870 - 1945. 1978, S. 28.
  2. a b c d e Hermann Schirmer: Das Gerät der schwere Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg. 1937, S. 354.
  3. a b Hermann Schirmer: Das Gerät der schwere Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg. 1937, S. 352.
  4. a b c d e f Hermann Schirmer: Das Gerät der schwere Artillerie vor, in und nach dem Weltkrieg. 1937, S. 353.
  5. a b c d e f g Mercedes-Benz: Mercedes-Benz: Nutzfahrzeuge bis 1945, Daimler bis 1926.
  6. a b c d e Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870 - 1945. 1978, S. 30.
  7. a b c d Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870 - 1945. 1978, S. 31.
  8. a b c Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870 - 1945. 1978, S. 104.
  9. a b Walter J. Spielberger, Hilary L. Doyle: Die Rad- und Vollketten-Zugmaschinen des deutschen Heeres 1870 - 1945. 1978, S. 110.