Kronprinztunnel

Der Kronprinztunnel ist ein ehemaliger deutscher Militärtunnel, der während des Ersten Weltkriegs erstellt wurde. In Deutschland ist der Tunnel auch als „Rabentunnel“ und in Frankreich als „Tunnel du Kronprinz“ bekannt. Er liegt gegenüber der Höhe Toter Mann, nordwestlich der Stadt Verdun in Frankreich. Während der Schlacht um Verdun war das Gebiet heftig umkämpft.[1]

Ausgangslage & Bau

Der Tunnel liegt in der Senke von Caurettes, einige hundert Meter nordwestlich der Höhe Toter Mann auf dem Gemeindegebiet Cumières-le-Mort-Homme. Bei den Kämpfen um die Höhe Toter Mann waren die Soldaten des Deutschen Heeres auf ihren Anmarschwegen zu den vordersten Schützengräben andauerndem und heftigen Artilleriebeschuss ausgesetzt, was zu erheblichen Verlusten führte. Besonders nachteilig war dabei, dass sich die westlich gelegene „Höhe 304“ in französischem Besitz befand und von dort die deutschen Stellungen und Anmarschwege eingesehen und beschossen werden konnten. In diesem Bereich konnten daher auch keine Reserven beschusssicher untergebracht werden. Durch den Bau eines Tunnels sollten die Soldaten, geschützt vor feindlichem Beschuss an die vordersten Stellungen gelangen. Weiter sollte der Tunnel den Reservetruppen Schutz und Unterkunft bieten. Kurz vor der Einnahme der Südkuppe der Doppelhöhe Toter Mann wurde im Sommer 1916 mit dem Bau des Kronprinztunnels begonnen. Neben dem Kronprinztunnel wurden im selben Gebiet auch der „Gallwitztunnel“ und der „Runkeltunnel“ (Bismarcktunnel) gebaut.[1]

Der Tunnelbau erfolgte durch den Korpsbautrupp des VII Armeekorps mit Hilfe von Soldaten aus dem Infanterieregiment 56. Insgesamt sollen rund 120 Männer, davon etwa 50 Bergmänner am Bau beteiligt gewesen sein. Die Bauleitung hatte ein Leutnant Lenze inne. Das Ausbruchsmaterial wurde mittels Loren zu den Tunneleingängen befördert und dort zur Tarnung z. T. unter großen Tarnnetzen aufgeschüttet. Dennoch blieb der Tunnelbau den französischen Truppen nicht verborgen, welche die Baustellen sporadisch mit Artillerie beschossen. Der Tunnel wurde am 3. Mai 1917 von General Hermann von François eingeweiht. Während dieser den Tunnel als Meisterwerk der Tunnelbaukunst pries, beanstandeten der Kommandant des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 35 wie auch der Kommandant der Maasgruppe West schwerwiegende konstruktive Mängel.[1][2]

Ausbau & Infrastruktur

Der Kronprinztunnel entstand in ungünstigen geologischen Bedingungen, im Kalkstein. Im mittleren Bereich befindet sich der Tunnel lediglich unter einer dünnen Schicht Kalkstein mit einer Auflage von mehreren Metern Mergel. Die Tunneldecke musste über weite Strecken im Abstand von 50 cm mit Stahlträgern oder auch Bohlen abgestützt werden. Auch hatte der Tunnel streckenweise eine Überdeckung von nur 6–8 m. Diese geringe Überdeckung bot keinen Schutz vor dem Beschuss mit großkalibrigen Artilleriegeschützen.[1]

Der Kronprinztunnel hatte eine Länge von rund 1,1 km und eine Breite von 3–4 m. Er besaß verschiedene Lüftungsschächte sowie vier Tunneleingänge. Bei den Eingängen führten 35–84 Treppenstufen zum Tunnel in die Tiefe. Die Eingänge konnten zum Schutz vor Chemischen Waffe mit Türen verschlossen werden. Einzelne Eingänge wurden mit Stahlbeton verstärkt. An den Hauptgang waren verschiedene Seitenstollen angeschlossen. In diesen war der Stab eines Regiments, die Stäbe von zwei Bataillonen, ein Verbandsplatz, eine Bataillonsküche sowie Unterkünfte für zwei Kompanien untergebracht. Weiter gab es einen Maschinenraum mit einem elektrischen Generator.[1]

Während der Kämpfe

Zur Vorbereitung der französischen Offensive begann am 12. August 1917 die die französische Artillerie mit dem Beschuss der deutschen Linien. Die Eingänge vom Kronprinztunnel konnten vorgängig mit Fesselballons und Aufklärungsflugzeuge präzise ausgemacht werden. Für den Beschuss der Tunnels und der Bunker wurden 49 schwere Geschütze herangezogen u. a. sieben Mortier de 270 modèle 1889 (Kaliber 270 mm), zwei Obusier de 370 modèle 1915 (370 mm) sowie zwei Obusier de 400 mm modèle 1915/1916 (400 mm). Während dem heftigen Artilleriebeschuss wurde der Kronprinztunnel von vielen Verwundeten und Versprengten aufgesucht sowie von anderen Truppenteilen als Schutzraum benutzt. Durch den Beschuss der Tunneleingänge mit chemischen Kampfstoffen mussten im Tunnel Gasmasken getragen werden. Während dem Beschuss bot der Kronprinztunnel die einzige Möglichkeit, für die Soldaten des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 35 Trinkwasser, Essen und Munition in die vorderen Schützengräben zu bringen. Am 13. und 14. August beschossen die beiden Obusier de 400 mm modèle 1915/1916 32-mal und vom 17. bis zum 20. August 266-mal, davon allein 112-mal am 19. August die nördlichen Tunneleingänge. Am 14. August wurde die Decke des Tunnels erstmals durchschlagen. Dabei führten die Explosionsgase (Kohlenstoffdioxid) zu Verlusten. Am 17. wurde einer der Eingänge getroffen, aber in der Nacht wieder notdürftig repariert. Am 18. August wurde der nördliche Tunnelabschnitt mehrfach getroffen. Dabei brach die Tunneldecke großflächig ein und der Strom viel aus. Von Pionieren wurden Durchgänge geöffnet, so dass der Haupttunnel weiterhin genutzt werden konnten. Am Abend vom 19. August schlug ein 400-mm-Geschoss im Nordteil des Tunnels ein. Der Treffer zerstörte den nahegelegenen Tunneleingang komplett und tötete viele der dort liegenden Verwundeten. Der darauffolgende Tunneleinsturz zerstörte die Bataillonsküche und begrub mehr als hundert Soldaten. Einige wenige konnten durch einen Lüftungsschacht an die Oberfläche gelangen. Als am 20. August das 96. Infanterieregiment den Tunnel angriff, ergaben sich etwa 600 Deutsche. Nachdem der Kronprinztunnel in französische Hände gefallen war, wurden die noch brauchbaren Tunnelabschnitte von vom Französischen Heer genutzt. Der Tunnel hatte aber nur noch einen geringen Wert, da dem Deutschen Heer der genaue Standort bekannt war.[1][2][3][4]

Heutiger Zustand

Heute sind neben einzelnen Lüftungsschächten lediglich noch ein Tunneleingang im Wald des Mort Homme sichtbar. Aufgrund der Einsturzgefahr sowie zum Schutz der dort lebenden Fledermäuse darf der Tunnel nicht betreten werden. Auf den französischen Landkarten des IGN ist der Kronprinztunnel fälschlicherweise am Standort des „Gallwitztunnel“ eingetragen.[1][5][6]

Literatur

  • Markus Klauer: Die Höhe Toter Mann während der Kämpfe um Verdun in den Jahren 1916/1917. Verlag Markus Klauer, Deutschland, 2001 ISBN, 978-3980764803

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Markus Klauer: Die Höhe Toter Mann während der Kämpfe um Verdun in den Jahren 1916/1917. 2001, S. 223–233.
  2. a b Chtimiste.com: VERDUN, Les opérations devant Verdun, le dégagement de Verdun, Juin à octobre1917
  3. Guy Francois: Le rôle de l’artillerie lourde à grande puissance dans la bataille du 20 août 1917 à Verdun
  4. Chtimiste.com: Le Mort Homme, cote 304, tunnel du Kronprinz en 1917.
  5. Archivaria: Lageplan der Tunnels auf der Höhe Mort Homme
  6. Archivaria: Tunnelplan des Tunnel du Kronprinz

Koordinaten: 49° 14′ 13″ N, 5° 14′ 37,9″ O