Kristen Bording
Kristen Mortensen Bording (Taufname: Christen Mortensen Bording; * 11. April 1876 in Kragelund, Øster-Snede, Vejle Amt; † 26. September 1967 in Kopenhagen) war ein dänischer Politiker der Socialdemokraterne, der unter anderem mehrmals Landwirtschaftsminister beziehungsweise Minister für Landwirtschaft und Fischerei war. Mit insgesamt 7852 Tagen (21 Jahre 187 Tage) als Minister hielt Bording viele Jahre lang den Rekord als Minister mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der dänischen Regierung seit dem 22. März 1848 – bis der Rekord 2016 von Bertel Haarder von der Liberalen Partei mit 7853 gebrochen wurde.
Leben
Kristen Mortensen Bording, Sohn des Landwirts Laust Peter Christensen Bording (1848–1936) und Maren Jespersen (1851–1926), besuchte die Stadtschule in Haurum, eine von seinen Eltern gegründete Privatschule, später eine weiterführende Schule in Odder, verschiedene Abendschulen und zuletzt von 1896 bsi 1897 das Frederiksborg Gymnasium. Er nahm 1899 eine Arbeitstätigkeit als Lastkraftwagenfahrer in Kopenhagen aud und engagierte sich in der Gewerkschafts- sowie in der politischen Arbeiterbewegung. 1901 kehrte er an seinen Geburtsort zurück und übernahm 1903 einen kleinen Bauernhof in Bøgballe. Er gehörte zu den Mitgründern des Ortsvereins der Sozialdemokratischen Pertei (Socialdemokraterne). Bei den ersten Gemeinderatswahlen nach dem neuen Kommunalgesetz (kommunallov) von 1908 wurde er als deren Spitzenkandidat zum Mitglied des Gemeinderates von Øster Snede gewählt, dem er von 1909 bis 1921 angehörte.
Bei der Folketingswahl am 20. Mai 1913 kandidierte Bording für die Socialdemokraterne im Wahlbezirk „Givekredsen“ sowie bei der Folketingswahl am 22. April 1918 im Wahlkreis „Herningkredsen“ jeweils ohne Erfolg für ein Mandat im Folketing. Bei der darauf folgenden Folketingswahl am 26. April 1920 wurde er im Wahlkreis „Herningkredsen“ erstmals zum Mitglied des Folketing gewählt und vertrat in diesem bis zur Folketingswahl am 28. Oktober 1947 die Sozialdemokratische Partei. Innerhalb seiner Partei war er zwar schon früh sehr aktiv an der Gestaltung der Landwirtschaftspolitik beteiligt, wurde aber gleichwohl überraschenderweise am 23. April 1924 als Landwirtschaftsminister (Landbrugsminister) in die erste sozialdemokratische Regierung Stauning I berufen und gehörte dieser bis zum 14. Dezember 1926 an.[1] Als Minister setzte er Gesetze über Betriebskredite für Kleinbauern, über die Parzellierung und Zusammenlegung von Land, über die Kontrolle von Butter und Fleisch und mehrere andere Gesetze um. Nach dem Rücktritt der Regierung am 14. Dezember 1926 war er Sprecher seiner Partei bei zahlreichen Hilfsmaßnahmen für die krisengeschüttelte Landwirtschaft.
Am 30. April 1929 wurde Kristen Bording in der Regierung Stauning II erneut Landwirtschaftsminister und bekleidete dieses Ministeramt auch in der Regierung Stauning III (4. November 1935 bis 15. September 1939), der Regierung Stauning IV (15. September 1939 bis 10. April 1940), der Regierung Stauning V (10. April bis 8. Juli 1940), der Regierung Stauning VI (8. Juli 1940 bis zum 4. Mai 1942), der Regierung Buhl I (4. Mai bis 9. November 1942) sowie der Regierung Scavenius (9. November 1942 bis 5. Mai 1945), wobei er ab dem 9. November 1935 die Amtsbezeichnung Minister für Landwirtschaft und Fischerei (Minister for Landbrug og Fiskeri) führte.[2][3][4][5][6] Während seiner neuerlichen Amtszeit kam es unter anderem zur Verabschiedung eines Parzellierungsgesetzes für Südjütland, eines neuen Jagdgesetzes sowie von Gesetzen über Viehzucht, Fleischinspektion und Vergünstigungen für Mergelunternehmen.
Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er machte Bording zu einer zentralen Figur in der Regierung. Auf seine Initiative hin wurde am 12. Dezember 1931 eine Große Landwirtschaftskommission (Den Store Landbokommission) eingerichtet, die sich mit der Besteuerung, Verschuldung und den Produktionsbedingungen der Landwirtschaft sowie mit Fragen der Selbstversorgung des Landes befasste. Darin wurde die Krisenpolitik in Bezug auf die Landwirtschaft vorbereitet, die nach dem Kanslergade-Abkommen (Kanslergadeforliget) am 30. Januar 1933, bei der er einer der Hauptverhandlungsführer war, von den Regierungsparteien in Zusammenarbeit teils mit den Konservativen, teils mit den Linken umgesetzt wurde.[7][8] Diese Politik umfasste weitreichende Gesetze zur Reduzierung der Schuldenlast der Landwirtschaft durch Vergleiche und „Einfrieren“, Subventionen für Zins- und Steuerzahlungen, eine konjunkturabhängige Umstrukturierung der Grundsteuern und der Zinszahlungen staatlicher Bauernhöfe, Gesetze zu Meliorationsarbeiten, zur Gründung von Gartenbaubetrieben, Obstbaukolonien sowie zur Beschäftigung Arbeitsloser. Durch diese Politik verbesserten sich letztlich ab Ende der 1930er Jahre die Beziehungen zu den landwirtschaftlichen Organisationen. In enger Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Landwirtschaftsrates (Landbrugsraadet), Henrik Hauch,[9][10] wurden während der deutschen Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 die notwendigen Versorgungsgesetze (forsyningslove) umgesetzt.
Nach der Befreiung am 5. Mai 1945 hatte sich Ministerpräsident Vilhelm Buhl[11] versucht, Kristen Bording als Landwirtschaftsminister auch in dessen zweite Regierung, die sogenannte „Befreiungsregierung“ (befrielsesregeringen) zu berufen. Dies scheiterte jedoch an der grundsätzlichen Ablehnung des Freiheitsrates (Danmarks Frihedsråd), Minister aus der Regierung Scavenius aufzunehmen.[12][13] Daraufhin zog er sich jedoch nicht aus der Politik zurück, obwohl er im folgenden Jahr aus Altersgründen aus dem Parlament zurücktrat.
Als Hans Hedtoft[14] am 13. November 1947 seine erste Regierung bildete wurde er erneut Landwirtschaftsminister und bekleidete das Amt bis zum 16. September 1950, woraufhin Carl Petersen[15] seine Nachfolge antrat.[16] Wieder einmal gelang es ihm dabei, trotz der scharfen Fronten, die die Kriegsjahre zwischen Arbeitern und Landwirtschaft geschaffen hatten, seine Agrar- und Versorgungspolitik durchzusetzen. In Fortsetzung seiner Politik aus der Zwischenkriegszeit wurde das staatliche Vorkaufsrecht auf Land gesetzlich verankert, um die Zahl der Kleinbauern zu erhöhen. Als nach der Folketingswahl vom 5. September 1950 die Regierung wechselte, trat Bording zurück. Mit insgesamt 7852 Tagen (21 Jahre 187 Tage) als Minister hielt Bording viele Jahre lang den Rekord als Minister mit der längsten Amtszeit in der Geschichte der dänischen Regierung seit dem 22. März 1848 – bis der Rekord 2016 von Bertel Haarder[17] von der Liberalen Partei (Venstre) mit 7853 Tagen gebrochen wurde.
Kristen Mortensen Bording war seit dem 14. Oktober 1905 mit Helga Nanna Marie Elkjær (1886–1966), Tochter des Lehrers Søren Peder Andersen (1848–1938) und Kirstine „Kirsten“ Sørensen (1851–1924), verheiratet.
Veröffentlichung
- Dagbog over Danmarks første socialdemokratiske ministerium 1924–26, Hrsg. Karen Marie Olsen und Hans Sode-Madsen, 1976
Literatur
- Sigurd Elkjær: Kristen Boring, 1951
- Svend Thorsen: De danske ministerier 1901-29, 1972
- Tage Kaarsted: De danske ministerier 1929-53, 1977.
Weblinks
- Lorenz Rerup: Kristen Bording. In: Den Store Danske Encyklopædi. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (dänisch).
- Oluf Bertolt, Vagn Dybdahl: Kristen Bording. In: Dansk Biografisk Leksikon. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (dänisch).
- Kristen Mogens Bording. In: gravsted.dk. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (dänisch).
Einzelnachweise
- ↑ Ministeriet Stauning ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Ministeriet Stauning 2 ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Ministeriet Stauning 3 ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Ministeriet Stauning 4 ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Regeringen Buhl ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Regeringen Scavenius ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Das Kanslergade-Abkommen war ein politisches Abkommen zwischen den Regierungsparteien Socialdemokraterne und Radikale Venstre sowie der Venstre, das in der Nacht des 30. Januar 1933 in der Privatresidenz von Ministerpräsident Thorvald Stauning in der Kanslergade 10 in Kopenhagen geschlossen wurde. Es war das weitreichendste einer Reihe von Abkommen zwischen der Regierung und den bürgerlichen Parteien, die die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre abmildern sollten.
- ↑ Charlie Krautwald, Niels Finn Christiansen: Kanslergadeforliget. In: Den Store Danske Encyklopædi. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Erik Helmer Pedersen: H. Hauch. In: Den Store Danske Encyklopædi. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Flemming Just, Erik Helmer Pedersen: Landbrugsraadet. In: Den Store Danske Encyklopædi. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ A. Falk-Jensen, Helge Larsen: Vilhelm Buhl. In: Dansk Biografisk Leksikon. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Aage Trommer, Kirsten Benn Lykkebo: befrielsesregeringen. In: Den Store Danske Encyklopædi. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Aage Trommer, Tage Kaarsted: Ny regering. In: Gyldendal og Politikens Danmarkshistorie. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Hans Hedtoft (S). In: Folketing. Abgerufen am 23. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Carl Petersen (S). In: Folketing. Abgerufen am 22. Oktober 2025 (dänisch).
- ↑ Regeringen Hedtoft ( vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Bertel Haarder (V). In: Folketing. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (dänisch).