Kreuzkirche (Unteröwisheim)
| Basisdaten | |
|---|---|
| Konfession | evangelisch |
| Ort | Kraichtal, Ortsteil Unteröwisheim, Deutschland |
| Landeskirche | Evangelische Landeskirche in Baden |
| Widmung | Heiliges Kreuz |
| Baugeschichte | |
| Architekt | Karl August Schwarz |
| Baubeschreibung | |
| Einweihung | 30. März 1828 |
| Baustil | Weinbrenner-Stil, Klassizismus |
| Bautyp | Saalkirche |
| 49° 18′ 20,2″ N, 8° 40′ 3,8″ O | |
Die denkmalgeschützte Kreuzkirche ist das Kirchengebäude der evangelischen Kirchengemeinde Kraichtal in deren Stadtteil Unteröwisheim im Landkreis Karlsruhe, im Norden Baden-Württembergs. Die Kirche ist nach dem Heiligen Kreuz benannt. Bis 2025 war die Evangelische Kirchengemeinde Unteröwisheim selbständig. Sie schloss sich zum 1. Januar 2026 mit den sechs anderen evangelischen Kirchengemeinden Kraichtals zur neuen Evangelischen Kirchengemeinde Kraichtal zusammen, die zur Evangelischen Landeskirche in Baden gehört. Das Pfarramt der neuen Evangelischen Kirchengemeinde Kraichtal befindet sich im Stadtteil Münzesheim.[1]
Lage
Die Kirche liegt im Zentrum von Unteröwisheim bei einer Straßenecke, an der die Bruchsaler Straße in die Friedrichstraße übergeht. Hinter der Kirche liegen ein zur Gemeinde gehörender Kindergarten sowie ein Gemeindehaus.
Beschreibung
Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um eine verputzte Saalkirche mit einseitig abgewalmtem Satteldach im von Friedrich Weinbrenner begründeten Weinbrenner-Stil, einem Subtyp des Klassizismus. Der Kirchturm ist 41 m hoch; die Zuständigkeit für die Turmuhr liegt bei der politischen Gemeinde. Die Kirche bietet Platz für ca. 650 Personen.
Geschichte
Die Gemeinde in Unteröwisheim führte als eine der ersten Gemeinden im Kraichgau die Reformation ein. Im Jahr 1534 trat der Gemeindepfarrer Georg von Kuppenheim zum Luthertum über. Die zu dieser Zeit vorhandene Vorgängerkirche „Zum heiligen Kreuz“ wurde durch kriegerische Auseinandersetzungen im 17. und 18. Jahrhundert derart beschädigt, dass sie abgebrochen werden musste.
Im frühen 19. Jahrhundert wurde das heutige Kirchengebäude nach Plänen des großherzoglich-badischen Baubeamten Karl August Schwarz, eines Schülers von Friedrich Weinbrenner, errichtet. Die Kirchweihe erfolgte am 30. März 1828 nach ca. dreijähriger Bauzeit. Der Kirchturm wurde von der politischen Gemeinde errichtet und ging erst 1977 in den Besitz der Kirchengemeinde über. Eine Neugestaltung des Innenraums wurde 1984 vorgenommen und hierbei eine moderne Bestuhlung eingebracht.
Orgel
Die Orgel steht unter Denkmalschutz; sie wurde 1828 von Wilhelm Friedrich Overmann (Heidelberg) für 2.400 fl. gebaut. In den 1840er Jahren besorgte Johann Baptist Allfermann zwei Reparaturen.[2.1] H. Voit & Söhne (Durlach) restaurierten sie 1870 und ersetzten dabei die Vox Humana durch eine Fugara 4′. Die gleiche Werkstatt nahm 1888 und 1889 einen umfassenden Umbau der Orgel mit neuen Kastenbälgen, Klaviaturen, Prospektpfeifen und sechs neuen Registern vor.[2.1] Im Jahr 1919 ersetzte C. G. Weigle alle Prospektpfeifen in Zink, da diese zuvor für den Kriegsbedarf abgeliefert werden mussten. 1925 nahm Ph. Ziegler eine Reparatur vor.[2.1] Die Gebrüder Mann bauten das Instrument 1962 und 1963 nochmals, teilweise unsachgemäß,[3] um und ersetzten dabei eine Windlade. Im Jahr 1987 unternahm Orgelbau Vier (Friesenheim, Schwarzwald) unter Peter Vier eine Teilrestaurierung.[4][5]
In den Jahren 2016 und 2017 führte die gleiche Werkstatt unter Martin Vier eine umfangreiche Restaurierung des Instruments für fast 200.000 Euro durch. Die fachliche Leitung hatte der Musikwissenschaftler Martin Kares inne. Infolge eines Wasserschadens von 2001 war die Orgel stark beschädigt. Die Stiftung Orgelklang kürte sie vor dem Hintergrund der Restaurierung zur Orgel des Monats November 2016.[3] Am 16. Juli 2017 wurde sie bei einem Festgottesdienst eingeweiht.
Overmann baute von 1829 bis 1831 in der Evangelischen Kirche von Zuzenhausen ein Instrument desselben Typus. Bis heute hat sich dort das „Zwillingsgehäuse“ erhalten.[2.2]
Heute sind das originale Gehäuse der Orgel, viele Manualladen und originale Register erhalten. Das Instrument verfügt über 23 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Disposition lautet:[5]
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Anmerkungen
- Temperierung: Janke 2
Glocken
Die Hauptglocke des Geläuts ist die über 550 Jahre alte Türkenglocke. Sie ist eine der ältesten Glocken Badens und wurde 1446 in Nürnberg gegossen. In der Zeit der Türkenkriege sollte ihr Läuten zum Gebet aufrufen, das zum Schutz vor Kriegsnöten dienen sollte. Die Glocke musste in beiden Weltkriegen nicht abgeliefert werden, da sie zu schwer war, um sie aus dem Turm auszubauen.
Das Geläut der Kirche besteht aus folgenden vier Glocken:
| Nr. | Name | Gussjahr | Gießer, Gussort | Durchmesser (mm, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Türkenglocke | 1446 | Nürnberg | 1.260 | fis1 |
| 2 | 1952 | Glockengießerei Bachert, Karlsruhe | 998 | gis1 | |
| 3 | 885 | ais1 | |||
| 4 | 740 | cis2 |
Weblinks
- Informationen über die Kirche. In: Webauftritt der Evangelischen Kirchengemeinde Unteröwisheim.
- Geläutepräsentation auf YouTube, 27. Oktober 2024.
Einzelnachweise
- ↑ Gemeinde. In: Webauftritt der Evangelischen Kirchengemeinde Unteröwisheim. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Bernd Sulzmann: Historische Orgeln in Baden. 1690–1890. (= 73. Veröffentlichung der Gesellschaft der Orgelfreunde). Schnell & Steiner, München / Zürich 1980, ISBN 3-7954-0421-5.
- ↑ a b Orgel des Monats November 2016 in Unteröwisheim. In: Webauftritt der Stiftung Orgelklang. 15. November 2016, abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Eintrag zur Orgel (Beschreibung Nr. 2024254). In: Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ a b Informationen über die Orgelrestaurierung 2016/2017. In: Webauftritt von Orgelbau Vier. Abgerufen am 19. Dezember 2025.