Kreuzbergkaserne Zweibrücken

Deutschland Kreuzbergkaserne Zweibrücken

Gebäude H des Studienorts Zweibrücken der Hochschule Kaiserslautern im früheren Kasernengelände

Land Deutschland Deutschland
Name während der deutschen Wehrmacht und zu Zeiten der US Army Kreuzberg-Kaserne
Gemeinde Zweibrücken
Koordinaten: 49° 15′ 44″ N, 7° 21′ 42″ O
Eröffnet 1937–1938
Geschlossen 1993 (USA) und 2000 (NL-NATO)
Alte Kasernennamen
1945–1953 Caserne Turenne
Ehemals stationierte Truppenteile
Wehrmacht
Forces françaises en Allemagne
United States Army
Koninklijke Luchtmacht

Lage der Kreuzbergkaserne Zweibrücken in Rheinland-Pfalz

Die Kreuzbergkaserne Zweibrücken war eine Kaserne in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz. Das Gelände liegt im Nordwesten der Stadt und erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 48,5 Hektar. Der gleichnamige Kreuzberg ist ein Bergrücken mit einer Höhe von 339 m ü. NHN.

Die Etymologie des Namens "Kreuzberg" lässt sich auf die Zusammensetzung der beiden Elemente "Kreuz" und "Berg" zurückführen. Im Mittelalter wurde ein Kreuz auf dem Weg, der in Richtung Landstuhl führt, errichtet. Die Bevölkerung bezeichnete den Berg daraufhin als "Berg mit dem Kreuz".

Die Topographie des Berges, ermöglichte es den feindlichen Streitkräften, den Berg während der gesamten Geschichte der Stadt als strategischen Vorteil im Kontext von Angriffen auf Zweibrücken zu nutzen. Erst mit dem Bau des "Westwalls" durch Hitler während des Zweiten Weltkriegs wurde auf dem Kreuzberg ein permanentes Militärlager eingerichtet.

Ursprünglich wurde die Anlage zwischen 1937 und 1938 mit vier Gebäuden errichtet und diente von 1939 bis 1945 der Wehrmacht unter dem Namen Artillerie-Kaserne oder Kreuzberg-Kaserne. Anschließend wurde sie von 1945 bis 1953 von französischen Truppen genutzt. Mitte der 1950er Jahre übernahm die US-Armee die Anlage, die sie bis 1993 als Personalersatzzentrum sowie für weitere militärische Zwecke nutzte.[1]

Nach dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte ging ein Teil des Geländes in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über. Ein weiterer Teil wurde von 1993 bis 2000 durch die niederländische Luftwaffe im Rahmen des NATO-Truppenstatuts (SOFA) genutzt. Heute wird die Kaserne einer zivilen Nutzung zugeführt, einschließlich Wohnsiedlungen, eines Hochschulstandorts und Gewerbegebieten.

Geschichte

Die ersten Gebäude der Kaserne wurden 1937/38 errichtet. Zwischen 1939 und 1945 wurde die Anlage von der Wehrmacht genutzt. Zweibrücken wurde kurz vor Kriegsende durch einen Luftangriff weitgehend zerstört. Am 14. März 1945 zerstörte ein kanadischer Luftangriff in zwölf Minuten fast die gesamte Altstadt; rund 800 Tonnen Bomben markierten faktisch das lokale Kriegsende.[2]

Am 18. März 1945 besetzten US-Truppen die Stadt, zogen jedoch auf französischen Druck am 10. Juli 1945 wieder ab, da die Pfalz der französischen Besatzungszone zugeordnet wurde.

Französische Garnison und Umbenennung der Kreuzberg-Kaserne

Ende Juni 1945 übernahm die französische Armee die Kreuzberg-Kaserne und benannte sie in „Caserne Turenne“ um, benannt nach dem französischen Heerführer Turenne, der 1674 an der Eroberung und Verwüstung der Pfalz beteiligt gewesen war.[3]

Mit Beginn der französischen Verwaltung gestalteten sich die Verhältnisse für Zweibrücken schwieriger als unter der vorangegangenen amerikanischen Besatzung. Als die US-Streitkräfte 1951 in die Pfalz zurückkehrten, waren erneute Verhandlungen mit Frankreich über die Nutzung militärischer Anlagen erforderlich. 1953 gab die französische Garnison die Kreuzberg-Kaserne auf, die anschließend von den US-Truppen übernommen wurde. Die französischen Truppen zogen z. T. in die Niederauerbach-Kaserne um, während die US-Amerikaner die Kreuzbergkaserne restaurierten und ausbauten. In den 1960er Jahren erhielt die Kaserne ihren heutigen Namen.

Nutzung der Kreuzbergkaserne als „Military Network Hub der US-Streitkräfte“

1960 erfolgte die vollständige Übergabe der Kreuzbergkaserne in Zweibrücken von der französischen Garnison an die US-Streitkräfte. Mit dem 1967 beschlossenen Abzug der in Frankreich stationierten US-Truppen zog die "Supply and Maintenance Agency" in die Kreuzbergkaserne ein. Diese Einrichtung war die erste logistische Einrichtung der USAREUR, die ein international vernetztes Computersystem namens "MOBIDIC" einsetzte. In der NATO wurde für dieses System der Begriff "Moby Dick" geprägt. Die Nachschubeinheit wurde nach und nach zu einem Versorgungszentrum für die in Europa stationierten NATO- und US-Truppen ausgebaut.

In der Kreuzbergkaserne befand sich das Information Systems Engineering Command (ISEC-EUR), früher bekannt als Computer System Command. Es war für die Bereitstellung technischer Computerdienste in Europa zuständig und übernahm die technische Betreuung für die Versorgung der US-amerikanischen Einrichtungen in Zweibrücken und der Region mit englischsprachigem Fernsehen und Radioprogrammen. Dies erfolgte zentral aus der Kreuzbergkaserne. Über terrestrische Sender und ein eigenes Kabelnetz wurden Fernsehprogramme des American Forces Network (AFN) verbreitet, das Nachrichten, Sport und Unterhaltung speziell für US-Militärangehörige im Ausland mit der TKS Cable bereitstellte. Das Logistics Systems Office (LSO) war in der gesamten USAREUR für die Unterstützung der Nutzer von automatisierten, Versorgungs-, Instandhaltungs-, Munitions- und Materialbuchungs-Computersystemen zuständig. Es entwickelte Spezifikationen für USAREUR-Systeme für Betreiber von Großrechnern und Mikrocomputern.

Bis in die 1980er Jahre diente sie als Standort für militärische Einheiten sowie als Versorgungs- und Freizeitzentrum für die amerikanischen Soldaten und ihre Familien.

Vor Ort gab es eine amerikanische Schule, in der die Kinder der Militärangehörigen in englischer Muttersprache unterrichtet wurden und einen amerikanischen Schulabschluss machen konnten. Es gab auch amerikanische Einkaufszentren, die Post Exchange (PX) genannt wurden. Diese Einrichtungen boten ähnlich wie ein Einkaufszentrum eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen an und waren in erster Linie für Militärangehörige und deren Familien zugänglich. Hier wurden vor allem amerikanische Waren, die in Deutschland nicht erhältlich waren, zu vergünstigten Preisen angeboten, da sie vom US-Militär importiert und subventioniert wurden. Der Zutritt war nur mit einem US-Militärausweis möglich. Die Berechtigung wurde direkt am Eingang zum Kasernengelände kontrolliert.

Im Jahr 1993 übernahm die Bundesrepublik Deutschland große Teile des Geländes. Ein Teil der Kaserne wurde von der niederländischen Luftwaffe genutzt, die bis zum Jahr 2000 dort stationiert war. Die niederländischen Kampfpiloten flogen ihre Einsätze für die NATO (AIRCOM) von der nahegelegenen Air Base in Ramstein. Noch während der sukzessiven Übergabe durch die Niederländischen Streitkräfte (Royal Netherlands Air Force "KLu - Koninklijke Luchtmacht") begann eine umfassende Umnutzung des Geländes.[4]

2nd Signal Brigade und 73rd Signal Battalion (1960er–1993)

Die Kreuzbergkaserne in Zweibrücken war während des Kalten Krieges ein bedeutender Standort innerhalb des Kommunikationsnetzes der United States Army Europe (USAREUR). Sie war der 2nd Signal Brigade zugeordnet und arbeitete operativ eng mit dem 73rd Signal Battalion zusammen.[5]

In den 1960er bis 1980er Jahren wurde der Standort im Zuge des Ausbaus der weltweiten Militärnetze AUTOVON und AUTODIN erheblich modernisiert. Dadurch wurde Zweibrücken in die internationalen Kommunikationsstrukturen der US-Streitkräfte und der NATO eingebunden.

Unterirdische Kabeltrassen verbanden die Kreuzbergkaserne mit Pirmasens und Kaiserslautern und führten weiter in die europäischen und transatlantischen militärischen Backbone-Netze. Ergänzend betrieben die Signal-Einheiten redundante Richtfunkstrecken zur Sicherstellung der Betriebskontinuität.

Über die Kreuzbergkaserne Zweibrücken bestanden Zugänge zu:

  • AUTOVON – dem weltweiten militärischen Telefonnetz mit Prioritäts- und Übersteuerungsstufen,
  • AUTODIN – dem globalen, verschlüsselten Datennetz zwischen europäischen US-Standorten, dem Pentagon und weiteren Kommandobehörden.

Bis zur Schließung 1993 gehörte die Kreuzbergkaserne damit zu den strategisch relevanten Signalstützpunkten und war ein Teil des internationalen Kommunikationsrückgrats der NATO.

Die 327th Signal Company

Nach ihrer Reaktivierung 1974 war die 327th Signal Company mit Headquarters auf der Kreuzbergkaserne in Zweibrücken stationiert. Sie war das kommunikative Nervensystem militärischer Infrastruktur der Anlage: Sie fungierte als militärisches Pendant zu Ma Bell / AT&T, betrieb Telefon- und Kabelnetze, stellte Mikrowellenverbindungen bereit und übernahm das Nachrichtenhandling; zuvor hatte sie im Vietnamkrieg (1967–1968 und 1968–1972) zwei Einsätze absolviert und Auszeichnungen als Meritorious Unit erhalten, bevor sie 1972 deaktiviert und nach dem Vietnamkrieg wieder aktiviert wurde - ein typisches Beispiel für die Rolle von Signal Units als unverzichtbare Infrastruktur zur Sicherstellung von Kommunikation und Kontrolle im Kalten Krieg.

9th DPU Data Processing Unit

Die 9th DPU war während des Kalten Krieges auf der Kreuzberg Kaserne in Zweibrücken stationiert und bildete einen zentralen Bestandteil der US ‑ Army ‑ Kommunikationsinfrastruktur. Ihr Auftrag bestand in der elektronischen Datenverarbeitung, der Speicherung und Weiterleitung militärischer Informationen sowie der Unterstützung anderer Signal Units wie der 327th Signal Company. Durch die Nutzung von Kabelnetzen, Telefonleitungen und integrierten Datenverarbeitungsnetzwerken fungierte die 9th DPU als technisches Rückgrat der Kaserne und stellte sicher, dass Befehle, Nachrichten und logistische Daten zuverlässig in das größere NATO‑Kommunikationsnetz eingebunden waren – ein entscheidender Nervenknoten innerhalb der militärischen Informationssysteme.

Rolle der TKS Cable (Telepost Kabel-Service)

Ab Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre nutzte TKS Cable die bereits vorhandenen militärischen Kabeltrassen und Leitungswege der US Army - darunter auch solche, die über die Kreuzbergkaserne führten – indirekt für die Bereitstellung ziviler Telekommunikationsdienste. TKS versorgte US - Soldaten in Wohnbereichen und Kasernen mit englischsprachigem Fernsehen, Telefonie und später Internet.

Die militärische Kommunikation über AUTOVON, AUTODIN, verschlüsselte Richtfunkstrecken und die Knoten der Signal Brigades blieb vollständig unter Kontrolle der US Army. TKS setzte auf parallele Nutzung der physischen Infrastruktur auf und betrieb ein ziviles Netz innerhalb der Kasernen mit internationalen Anbindung.

TKS betrieb ein hybrides Netz, das militärische Leitungswege (Trassen, Kabelschächte, Richtfunkstrecken) mit zivilen Telekommunikationslizenzen kombinierte. Die internationalen Anbindungen umfassten:

  • direkte Kabel- und Satellitenverbindungen in die Vereinigten Staaten zur Bereitstellung US-basierter Telefon-, TV- und Datendienste,
  • Nutzung von transatlantischen Unterseekabeln und INTELSAT-Verbindungen, später Glasfaser,
  • eigene Gateways in Deutschland, die technisch mit US - Militärnetzen verbunden waren, jedoch regulatorisch im deutschen Telekommunikationsrecht verankert blieben,
  • Versorgung weiterer US-Standorte in Italien, dem Vereinigten Königreich, Griechenland und der Türkei.

Damit entwickelte sich TKS in den 1990er Jahren zu einem der zentralen Dienstleister für Telekommunikationsangebote der US-Streitkräfte weltweit.

Entstehungsgeschichte von TKS Cable

1988

Ein gemeinsamer Arbeitskreis von USEUCOM, USAREUR und USAFE entwickelte ein Versorgungskonzept für US-Soldaten in Deutschland, das Fernsehen und Telekommunikation im US-Standard ermöglichen sollte.

1990–1991

Durchgeführt wurden erste Tests zur Nutzung bestehender US - Army - Kabeltrassen sowie Übergänge in die zivilen Netze des Gastlandes. Technischer Hauptpartner war der DeTeKabel-Service Bonn, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundespost.

1992

Zwischen den US-Streitkräften und dem Bundespost-/Telekommunikationsministerium wurde ein offizielles Kooperationsabkommen geschlossen. TKS Cable wurde als Betriebseinheit innerhalb von DeTeKabel-Service formal gegründet.

Mitte der 1990er

Der Ausbau zu einem flächendeckenden Anbieter für US-Standorte folgte in Kaiserslautern, Ramstein, Zweibrücken, Heidelberg usw. Parallel entwickelte sich TKS zu einem internationalen Telekommunikationsanbieter für mehrere US- und NATO-Standorte weltweit.

1998

wurde der Gestattungsvertrag für TKS in der Kreuzbergkaserne integraler Bestandteil des Kaufvertrages Urkundenrolle 1400/98 vom 6. Oktober 1998 (§ 2, Absatz 5, Nr. 1 – Gestattungsvertrag TKS Telepost Kabel-Service von 1995).[6]

Konversion und zivile Nutzung

Die Konversion der Kreuzbergkaserne gliederte sich in mehrere Teilbereiche:

Der südliche Teil des ehemaligen Kasernengeländes umfasst eine 10,37 Hektar große Wohnsiedlung mit 26 Wohngebäuden mit insgesamt 337 Wohneinheiten und einem Fernheizwerk, davon 71 Wohnungen, die während zur Zeit der Nutzung durch die NATO von niederländischen Kampfpiloten bewohnt wurden. Die Erschließung des Wohngebiets wurde während der militärischen Nutzung als geschlossene Infrastruktur gestaltet und erst nach einem Teil der Konversion an das öffentliche Netz der Bundesrepublik Deutschland angeschlossen. Dies erfolgte mit dem Verkauf der Wohnsiedlung an private Investoren im Jahr 1998 mit Zustimmung der NATO und des Königreichs der Niederlande. Bis 2000 räumten die niederländischen Streitkräfte die verbliebenen exterritorialen Bereiche. Die Käufergemeinschaft bestand dabei aus der TASC – BAU Handels- und Generalübernehmer für Wohn- und Industriebauten AG und einer Einzelperson. Die Wohnblöcke wurden saniert und werden als Mehrfamilienhäuser genutzt. Zwei Gebäude in der Nähe der Fachhochschule wurden zu Studentenwohnheimen umgebaut.

Konflikte und Streitigkeiten

Nach dem Kauf vom 6. Oktober 1998 kam es zu finanziellen Problemen und Streitigkeiten. Die Stadtwerke Zweibrücken stellten fragwürdige Nebenkostenabrechnungen in Millionenhöhe in Rechnung, was zur Eskalation führte. Unter anderem wurde den Mietern der Strom, das Warmwasser und die Heizung abgestellt. Am 9. August 2001 wurde zunächst der Strom und am 24. August 2001 die Fernwärme- und Warmwasserversorgung durch die Stadtwerke Zweibrücken unterbrochen. Die Presse titelte: „Herr R.G. zahlt den Strom nicht, also muss seinen Mietern der Strom abgeschaltet werden!“[7]

Königreich Kreuzberg

Eine bemerkenswerte Episode war, dass R.G. im Jahr 2002 das „Königreich Kreuzberg“ ausrief. Dies führte zu einer Reihe von rechtlichen Auseinandersetzungen, einschließlich einstweiliger Verfügungen, Nötigung, Hausfriedensbruch und sogar Morddrohungen gegen die Staatsanwaltschaft. Die Zwangsversteigerung erfolgte am 23. September 2003.[8][9][10]

Der nordwestliche Teil des Geländes wurde vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Hier entstand der Campus der Fachhochschule Kaiserslautern (heute Hochschule Kaiserslautern). Seit dem Wintersemester 1994/95 beherbergt dieser die Fachbereiche Betriebswirtschaft, Informatik und Mikrosystemtechnik. Der Campus verfügt über moderne Forschungsräume, Labore und Reinräume und bietet Platz für rund 2600 Studierende. Auf dem Gebiet des Hochschulcampus wurde 2002 die sogenannte Volkssternwarte Zweibrücken errichtet.[8][9][10]

Der nördliche Geländeteil wurde 1997 von der Stadt Zweibrücken erworben. Die westlich der Amerikastraße gelegenen 18,7 Hektar wurden zu Gewerbeflächen entwickelt, wobei vier der ursprünglichen Kasernengebäuden aus den 1930er Jahren erhalten geblieben sind. Diese Gebäude dienen modernen Zwecken, darunter als Universitätsverwaltung oder Gewerberäume. Östlich der Amerikastraße entstand ein Mischgebiet mit Wohnbaugrundstücken.[8][9][10][11]

Bedeutung für Zweibrücken

Bis 1993 beherbergte Zweibrücken mit der Kreuzbergkaserne, der innenstadtnahen French-Housing-Wohnsiedlung und der flughafennahen Canadasiedlung (ehemals 420 Wohnungen) sowie den Gebäuden des US-Airports Zweibrücken (heute: Outlet Center) zusammen ca. 9.000 ständig wechselnde US-Militärangehörige, die auf dem angeschlossenen Truppenübungsplatz außerhalb der Stadt in der Nähe des Kreuzbergs regelmäßig Einsätze trainierten. Auch die Weiße Kaserne und das Gelände der Roten Kaserne wurden zwischenzeitlich von der US-Armee genutzt.[12] Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall der UdSSR zogen sich die US-Streitkräfte in Rheinland-Pfalz zunächst aus Zweibrücken zurück. Durch den Abzug der Amerikaner in den frühen 1990er Jahren erlebte die Stadt eine große Veränderung. Mit dem Abzug der Amerikaner wurden große Militärflächen frei, die insgesamt ein Drittel des gesamten Stadtgebietes ausmachten. Die Arbeitslosigkeit stieg daraufhin auf ca. 21 %, was zu einem Nachfragerückgang im Einzelhandel von ca. 25 % führte. Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) wurde Zweibrücken zum weltweit größten Konversionsfall.[13]

Die Umnutzung der ehemaligen Kreuzbergkaserne gilt als Vorzeigeprojekt für die Konversion militärischer Liegenschaften. Sie hat zur Stärkung der Infrastruktur, zur Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie zur Förderung von Bildung und Forschung beigetragen. Die gelungene Integration von Wohn-, Gewerbe- und Hochschulnutzung hat das Stadtbild von Zweibrücken nachhaltig verändert und verbessert. So konnte der Erfolg der Konversion zeigen, dass ehemalige Militärstandorte durch strategische Planung und gezielte Investitionen langfristig zu Wirtschaftswachstum, Wohnraumgewinnung und Bildungsausbau beitragen können. Die Turenne-Kaserne bleibt ein markantes Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung in Zweibrücken.

Integration in die zivile Infrastruktur

Die Umwandlung der Kreuzbergkaserne in ziviles Eigentum war mit umfangreichen Maßnahmen zur Integration in die Infrastruktur verbunden. Straßen, Leitungen und Kommunikationssysteme wurden an die örtlichen Netze angeschlossen, um eine Nutzung durch private Haushalte, Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu gewährleisten. Eine Heizzentrale in einem früheren Kasernengebäude versorgt über ein Fernwärmenetz die gesamte Kreuzbergkaserne. Das Heizwerk war an das Netz der Saar Ferngas AG angeschlossen, das ab den 1960er‑Jahren Erdgas aus den Niederlanden und ab den 1970er‑Jahren zusätzlich aus der Sowjetunion (später Russland) importierte, wobei die jährlichen deutschen Einfuhren im späten 20. Jahrhundert über 4.000 Terajoule lagen. Die Dienstbarkeit (Gasfernleitungsrecht) für der Saar Ferngas AG Saarbrücken wurde 1998 gemäß Bewilligung vom 5. April 1963 Bestandteil des Kaufvertrages der Kreuzbergkaserne. Dies ist in der Urkundenrolle 1400/98 vom 6. Oktober 1998 dokumentiert (§ 1, Absatz II).[6]

Die Amerikastraße bildete die zentrale Erschließungsachse des ehemaligen Kasernengeländes und teilt das Gebiet in die Wohn-, Hochschul- und Gewerbebereiche.

Eine Hinterlassenschaft der Besetzung durch die alliierten Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg, die bei der Konversion zu Problemen führte, war die Tatsache, dass das gesamte Kreuzberg-Areal eine in sich geschlossene Insel bildete, die nach amerikanischen Regeln und nicht nach deutschem Recht erschlossen war. Zum Zeitpunkt des Abschlusses des Privatisierungsvertrages im Jahr 1998 war der obere Teil der Turenne-Kaserne bereits von den US-Streitkräften an die Bundesrepublik Deutschland übergeben und anschließend an das öffentliche Netz der Stadt Zweibrücken angeschlossen worden. Das ehemalige interne Stromnetz, das zuvor eine abgeschlossene Versorgungsinsel bildete, wurde an das europäische Stromnetz angeschlossen. Der obere Teil der Kaserne mit der Fachhochschule und dem Gewerbepark wurde Mitte der 1990er Jahre nach deutschem Recht erschlossen. Der untere Teil, der teilweise noch von den Niederländischen Streitkräften genutzt wurde, galt nach dem NATO-Truppenstatut als exterritoriales Gebiet und musste damals nicht nach deutschem Recht erschlossen werden. Der niederländische Teil der Kaserne war während der NATO-Nutzung Bestandteil des Kaufvertrages 1400/98 aus dem Jahr 1998 und wurde erst im Jahr 2000 vertragskonform von den NATO-Niederländern vollständig übergeben.

Der neue Campus der Hochschule Kaiserslautern in Zweibrücken ist ein Impulsgeber für die Region. Neben dem Studienangebot werden durch die Gründerräume regelmäßig Start-ups gefördert.

Auf dem Kreuzberg in Zweibrücken bestehen rund 900 Arbeitsplätze, darunter etwa 340 an der Hochschule.[14]

Die Zahl der Studierenden am Hochschul-Standort liegt bei fast 2700.[15]

Architektonische Merkmale

Die noch erhaltenen historischen Bauwerke wurden in einem sachlichen Stil errichtet, der für militärische Bauten der 1930er Jahre charakteristisch ist. Während die äußere Fassade weitgehend erhalten blieb, wurden die Innenräume modernisiert, um den aktuellen Anforderungen zu entsprechen.

Presseberichte zum „Königreich Kreuzberg“

Deutsche Quellen

Weitere Kontexte: Mikronationen und Kreuzberg-Siedlung

Spanische Publikationen

Englische Publikationen

Einzelnachweise

  1. Ein Wiedersehen: Sie haben früher „bei de Amis“ geschafft – Zweibrücken. 24. September 2023, abgerufen am 24. Dezember 2024.
  2. Bombardierung vom 14. März 1945 in SR Kultur
  3. Zweibrücken und die Franzosen: Oft war die Beziehung schwierig. In: rheinpfalz.de. 28. September 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  4. Zweibrücken. In: Bundeswehr.de. Abgerufen am 24. Dezember 2024.
  5. 73rd Signal Battalion, auf usarmygermany.com
  6. a b Turenne Kaserne Vertrag Urkunde Nr. 1400/98 - 06.10.1998 - NATO - BRD - NL - UN - ITU - HNS - SOFA, auf archive.org
  7. Herr R. G. zahlt den Strom nicht... In: Pirmasenser Zeitung / Pfälzischer Merkur (Archiv). 25. August 2001, archiviert vom Original am 26. August 2004; abgerufen am 24. August 2025.
  8. a b c Presseartikel der Pirmasenser Zeitung (PZ) zum Thema Königreich Kreuzberg. In: Pirmasenser Zeitung. Archiviert vom Original am 24. Juli 2004; abgerufen am 24. August 2025.
  9. a b c Presseartikel des Pfälzischen Merkur zum Thema Königreich Kreuzberg. In: Pfälzischer Merkur. Archiviert vom Original am 24. Juli 2004; abgerufen am 24. August 2025.
  10. a b c Sammlung von ca. 450 Presseartikeln zu Kreuzbergkaserne Zweibrücken, Versorgungsunterbrechung, Königreich Kreuzberg und Zwangsversteigerung. In: Archivseite Königreich Kreuzberg. Archiviert vom Original am 26. August 2004; abgerufen am 24. August 2025.
  11. Konversion Kreuzbergkaserne Zweibrücken, Gebäuderückbau ehemaliges THW-MOB-Gelände. Abgerufen am 24. Dezember 2024.
  12. Weiße Kaserne in Zweibrücken – Westpfalz Wiki. Abgerufen am 31. Januar 2025.
  13. Alt - Zweibrücken - Stadtentwicklung. Abgerufen am 31. Januar 2025.
  14. Arbeitsplatzentwicklung | Rekordzahlen auf Kreuzberg und Flugplatz. In: saarbruecker-zeitung.de, abgerufen am 15. Dezember 2025. 11. März 2019, abgerufen am 15. Dezember 2025.
  15. Zweibrücken: Gewerbeflächen werden knapp. In: rheinpfalz.de. 7. Februar 2019, abgerufen am 15. Dezember 2025.