Kreuzabnahme (Rogier van der Weyden)
| Kreuzabnahme |
|---|
| Rogier van der Weyden, 1430 bis 1440 |
| Öl auf Holz |
| 220 × 262 cm |
| Madrid, Museo del Prado |
Das Tafelbild mit der Darstellung der Kreuzabnahme wurde etwa 1430–1440 für einen Altar in der Kirche Onze-Lieve-Vrouw-van-Ginderbuiten in Löwen geschaffen und wird von der Forschung überwiegend dem Maler Rogier van der Weyden zugeschrieben. Bei dem Gemälde handelt es sich um den Mittelteil eines Triptychons; die Flügel sind nicht erhalten. Es wird seit 1939 im Museo del Prado in Madrid aufbewahrt.
Bildbeschreibung
Das querformatige, oben mit einem Auszug versehene Gemälde zeigt in seinem Zentrum die Abnahme des toten Christus vom Kreuz. Josef von Arimathäa hält ihn umfangen; ein weißes Tuch schützt den Leichnam vor der direkten Berührung. Am rechten Bildrand ist Maria Magdalena zu sehen, die den Tod Christi mit gefalteten Händen und nach vorne gebeugter Gestalt betrauert. Ihre Körperhaltung ist in einer rotgekleideten Figur am linken Bildrand wiederholt, bei der es sich um den Jünger Johannes handelt. Er beugt sich nach vorne, um die zu Boden sinkende Maria aufzufangen. Marias Armhaltung wiederholt sich in der Armhaltung des toten Christus. In der Armhaltung Christi und Marias sind die Grundrichtungen der Tafel unmittelbar anschaulich.
Funktion und Besitzgeschichte
Das Triptychon wurde im Auftrag der Großen Armbrustschützengilde zu Löwen für die Kirche Onze-Lieve-Vrouw-van-Ginderbuiten geschaffen. Es muss sofort nach der Vollendung berühmt geworden sein, denn die Löwener Familie Edelheere ließ sich durch einen nicht identifizierten Maler eine verkleinerte Kopie des Mittelteils anfertigen und zu einem eigenen Triptychon erweitern, das bereits 1443 in ihrer Kapelle in der Sint-Pieters-Kirche aufgestellt wurde.[1] Diese Kopie ist heute im M – Museum Leuven ausgestellt. Eine weitere Kopie fertigte zwischen 1440 und 1448 der Maler Michiel Coxcie an; das Bild wird heute im Bode-Museum in Berlin aufbewahrt.
In der Löwener Kirche Onze-Lieve-Vrouw-van-Ginderbuiten blieb die Kreuzabnahme etwas mehr als 100 Jahre. Maria von Ungarn tauschte es gegen eine Orgel im Wert von 1.500 Florinen und die vom Hofmaler Michiel Coxcie geschaffene Kopie ein. Wie durch schriftliche Zeugnisse von Vicente Álvarez aus dem Jahre 1551 belegt ist, wurde es in der Kapelle des neu errichteten Schlosses Binche aufgestellt, wo Maria von Ungarn ihre Residenz hatte. Während einer Rundreise durch die Niederlande sah es dort der spanische Kronprinz Philipp, der spätere Philipp II., der es von seiner Tante erwarb und im Jahr 1555 nach Spanien mitnahm. Aus späteren Anweisungen an die spanischen Hofmaler anlässlich einer Restaurierung des Gemäldes weiß man, dass Philipp II. offenbar besonders von dem schmerzvollen Gesichtsausdruck der Figuren berührt war. Er ordnete damals an, dass sie nur die Gewänder und den Hintergrund restaurieren dürften.
Belegt ist, dass sich das Gemälde 1566 bereits seit einiger Zeit in der Kapelle des königlichen Jagdschlosses El Pardo in der Nähe von Madrid befand. 1567 beauftragte Philipp II. Coxcie mit der Anfertigung einer weiteren Kopie. Diese sollte im Pardo bleiben, während das Original für die kurz zuvor fertiggestellte Klosterkirche El Escorial vorgesehen war. Während der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) befand sich das Gemälde in Genf. Als es 1939 nach Spanien zurückkehrte, wurde es in die Sammlung des Prado aufgenommen. Die letzte Restaurierung wurde in den Jahren 1992 und 1993 durchgeführt.
Zuschreibung
Während die meisten Kunsthistoriker, unter ihnen mit Dirk de Vos ein Rogier-Spezialist,[2] die Kreuzabnahme Rogiers van der Weyden zuschreiben, vertritt der Konstanzer Kunsthistoriker Felix Thürlemann in Bezugnahme auf eine ältere These von Mojmír Frinta (1966) die Meinung, dass es sich um ein Spätwerk von Robert Campin handelt.[1][3] Thürlemann führt zwei Argumente an: Zum einen, dass nach der besonders gelungenen Komposition der Kreuzabnahme Rogiers Fähigkeit, Personengruppen zu arrangieren, nachgelassen habe, wie u. a. sein Das Jüngste Gericht zeige. Zum anderen habe Rogier nie eine parallele Anordnung von Figuren – in der Kreuzabnahme weisen Jesus und Maria eine ähnliche Körperhaltung auf – benutzt.
Literatur
- Johann David Passavant: Die Maler Roger van der Weyden und einige Notizen über Goswin und Peter van der Weyden In: Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst Band 2, 1858, S. 120, 125 (Digitalisat).
- Felix Thürlemann: Die Madrider Kreuzabnahme und die Pariser Grablegung. Das malerische und das zeichnerische Hauptwerk Robert Campins. In: Pantheon 51, 1993, S. 18–45, (Digitalisat).
- Felix Thürlemann: Rogier van der Weyden. Leben und Werk. C. H. Beck, München 2006, ISBN 3-406-53592-5.
- Dirk de Vos: Rogier van der Weyden. Das Gesamtwerk. Hirmer Verlag, München 1999, ISBN 3-7774-8330-3 (Originalausgabe: Het volledige Oeuvre, Mercatorfonds Antwerpen 1999, ISBN 90-6153-427-5).
- Dirk de Vos: Flämische Meister; Jan van Eyck, Rogier van der Weyden, Hans Memling. Du Mont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, ISBN 3-8321-7201-7.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Felix Thürlemann: Die Madrider Kreuzabnahme und die Pariser Grablegung: das malerische und das zeichnerische Hauptwerk Robert Campins. In: Pantheon 51, 1993, S. 18–45.
- ↑ Dirk de Vos: Rogier van der Weyden: das Gesamtwerk. Hirmer, München 1999, ISBN 3-7774-8330-3.
- ↑ Felix Thürlemann: Rogier van der Weyden Leben und Werk. C. H. Beck, München 2006, S. 16–19.