Kracht-Brunnen
Die zwei Kracht-Brunnen auf dem Neustädter Markt in Dresden wurden 1979 von den Malern und Grafikern Friedrich Kracht und Karl-Heinz Adler geschaffen, wobei der Entwurf maßgeblich auf Kracht zurückgeht.[1] Die aus Betonformsteinen in Modulbauweise gefertigten Anlagen stehen als Teil der Sachgesamtheit Neustädter Markt und Hauptstraße sowie als Einzeldenkmale unter Denkmalschutz.
Geschichte
Im Zuge der Neu- und Umgestaltung der Straße der Befreiung (heute: Hauptstraße) und des Neustädter Marktes anlässlich des 30. Jahrestages der DDR 1979 wurden auch zwei große Brunnen an der Ost- und der Westseite installiert. Im Juni 1978 wurden die Voruntersuchungen zum Brunnenbau abgeschlossen. Infolgedessen übernahmen Adler und Kracht in Zusammenarbeit mit der PGH „Aufbau“ die Bearbeitung der beiden Brunneneinbauten. Der Auftraggeber, das Verkehrs- und Tiefbaukombinat Dresden, forderte die Vorlage der bildkünstlerischen Konzeption bis zum 30. September und setzte die Fertigstellung des gesamten Projekts bis zum Ende des Jahres fest. Am 11. Oktober 1978 wurden die Modelle der beiden Brunnen sowie deren Integration in das Umfeld des „Goldenen Reiters“ durch den Stadtarchitekten genehmigt. Damit „die Maßstäbe der Platzgestaltung nicht negativ beeinträchtigt werden“ sollten die Brunnenaufbauten eine Höhe von 3,50 Metern nicht überschreiten.[1]
Der formale Aufbau der in Kunststein gegossenen Brunnen war für die Bevölkerung zu jener Zeit ungewohnt, ja abstrakt. Trotz der ungewohnten Formsprache fand die Anlage in der Bevölkerung positiven Anklang.[2] Die Ausführung lag in den Händen der Genossenschaft „Kunst am Bau“. Elektrotechnik und Schaltschränke stammten von der Firma Wolfgang Preuß aus Eichwalde. Für die Wassertechnik war Werner Sauter verantwortlich.[1] Die Übergabe beider Brunnen erfolgte am 4. Oktober 1979 aus Anlass des 30. Jahrestages der DDR, mit der Eröffnung der neugestalteten Hauptstraße.
Im Jahre 1995 wurde der westliche Brunnen saniert, es wurden dabei auch Veränderungen vorgenommen. Eine neue elektronische Wasserumwälzanlage und das Anheben der Beckensohle sorgen seitdem dafür, dass der Wasserverbrauch reduziert wurde.[2] Sechs Pumpen setzen 255 Düsen in Betrieb. Wenn alle Düsen laufen, werden 570 Kubikmeter Wasser in der Stunde umgewälzt. Über 500 Meter Kabel und etwa ein Kilometer Rohre wurden verbaut. 87 Scheinwerfer bringen den Brunnen bei Dunkelheit zur Wirkung.[1] Eine weitere Komplettsanierung erfolgte nach der Augustflut 2002.[3]
Der östliche Brunnen war bereits vor der Augustflut 2002 außer Betrieb. Nach dem Hochwasser konnte aus Fluthilfemitteln der unterirdische, flutgeschädigte Teil repariert worden, aber nicht die anderen Segmente, die bereits zuvor defekt waren.[4] Im Frühjahr 2024 konnte die denkmalgerechte Wiederherstellung starten. Nach der Sanierung sorgen rund 160 Düsen für sieben verschiedene, aufeinanderfolgende Wasserbilder. Der Gesamtdurchlauf aller Wasserbilder dauert etwa 45 Minuten. Die Unterwasserleuchten funktionieren jetzt mit LED-Technik. Die Brunnentechnik bekam einen neuen Platz im Untergrund. Die Sanierung des Brunnens kostete rund 2,1 Millionen Euro. Die Landeshauptstadt Dresden finanzierte aus Eigenmitteln 1,52 Millionen Euro. Der Freistaat Sachsen förderte das Projekt mit 570.000 Euro aus dem Sonderprogramm „Denkmalpflege 2021 – Zuschüsse für Kulturdenkmale mit überörtlicher Bedeutung“. Hinzu kommen Spenden in Höhe von rund 9.282 Euro. Für die umfassende Sanierung des Brunnenumfeldes einschließlich der Bepflanzung der Hochbeete wurde mit der Planung begonnen. Wegen fehlender finanzieller Mittel ist derzeit nicht absehbar, wann die Arbeiten ausgeführt werden können.[5]
Seit 13. März 2019 stehen die Brunnen als Einzeldenkmale unter Schutz.[6] Im Juni 2021 wurden die Hauptstraße und der Neustädter Markt einschließlich der Kracht-Brunnen unter Denkmalschutz gestellt.[7] Laut Landesamt für Denkmalpflege Sachsen sind die Brunnen Beispiele der späteren Phase der DDR-Kunst. Sie verbinden mit ihrer abstrakten Formensprache moderne und historische Architektur am Neustädter Markt, sind kunsthistorisch, künstlerisch und städtebaulich von Bedeutung.[8]
Form
Die beiden östlich und westlich auf dem Neustädter Markt stehenden Brunnen ergänzen die barocken Nymphenbrunnen auf dem Neustädter Markt. Die Brunnen sind optisch korrespondierend gestaltet, weisen jedoch im Detail Unterschiede in der Ausrichtung der Elemente auf.
Die Brunnenanlagen sind aus sechs verschiedenen Bauelementen unterschiedlicher Anzahl zwischen drei und 36 Stück aufgebaut.[1] Jeweils aus einem zwölf Meter im Durchmesser großen Ringbecken aus hellem Kunststein mit geschliffener Sichtfläche und einem Fassungsvermögen von 30 Kubikmetern Wasser erhebt sich in der Mitte der Aufbau. Eine waagerechte kreisrunde Platte ist Träger von Architekturelementen, die am östlichen Brunnen konvex und am westlichen konkav geformt sind. Im Zentrum dominieren bei beiden Brunnen drei aufragende, von einem Sockel getragene Formen, halbrund in der äußeren Kontur mit halbrund ausgesparten Segmenten zur Mitte hin. Allerdings hat der östliche Brunnen den optischen Schwerpunkt unten, umgekehrt der westliche. Die Gesamthöhe der Brunnen beträgt 4,87 Meter. Damit wich man beim Bau von der durch den Auftraggeber vorgegebenen Höhe von 3,50 Meter ab. Die Gründe für diese Abweichung sind heute nicht mehr bekannt.[1] Jeweils zwischen den halbrunden aufrecht stehenden Elementen befindet sich auf einem Rohr eine Kugel von einem halben Meter Durchmesser aus Chrom-Nickel-Stahl.[1] Sie funktioniert, wie die im Becken installierten Düsen, als Wasserspeier. In Intervallen erzeugen sie unterschiedliche Wasserbilder. Bei Dunkelheit erhellen Unterwasserscheinwerfer die Wasserspiele.[2]
Galerie
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Westlicher Kracht-Brunnen (2011)
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Düsen im Westlichen Kracht-Brunnen (2024)
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Östlicher Kracht-Brunnen vor der Sanierung (2023)
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Östlicher Kracht-Brunnen während der Sanierung (2024)
Literatur
- Antje Kirsch, Stefanie Krihning, Erika Schmidt (Hrsg.): Der Neustädter Markt in Dresden. Ein urbanes Ensemble aus den 1970er Jahren – schutzbedürftig und erhaltenswert. Thelem Universitätsverlag, Dresden 2024, ISBN 978-3-95908-730-8.
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Jochen Hänsch: Brunnenkunst feierte 30-jähriges Jubiläum. In: Sächsische Zeitung. 24. Oktober 2009 (kostenpflichtig online [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ a b c Werner Pinkert: Leuchtbrunnen am Neustädter Mark. In: Sächsische Zeitung. 11. Mai 2006 (kostenpflichtig online [abgerufen am 13. Dezember 2025]).
- ↑ Sandro Rahrisch: So marode ist Dresdens neues Denkmal. In: Sächsische Zeitung. 24. Oktober 2009 (kostenpflichtig online [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ Heiko Weckbrodt: Fluthilfe löste nur unterirdische Schäden, für Gesamtreparatur fehlt eine halbe Million Euro. In: Dresdner Neueste Nachrichten. 24. März 2010 (kostenpflichtig online [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ Kracht-Brunnen auf dem Neustädter Markt ist fertig saniert. Etwa 2,1 Millionen Euro wurden investiert. Landeshauptstadt Dresden, 10. Dezember 2025, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Brunnen unter Denkmalschutz. In: Sächsische Zeitung. 30. August 2019 (kostenpflichtig online [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ Neustädter Markt steht jetzt unter Denkmalschutz. In: Sächsische Zeitung. 15. Juni 2021 (kostenpflichtig online [abgerufen am 14. Dezember 2025]).
- ↑ Zwei Brunnenanlagen. (PDF) Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen – Denkmaldokument. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, 15. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025 (659 kB).
Koordinaten: 51° 3′ 28,2″ N, 13° 44′ 33,2″ O