Kost- und Logierhaus Stahlhausen
Das Kost- und Logierhaus Stahlhausen war ein ab 1872 geplantes und 1873/1874 realisiertes Logierhaus für 1200 Arbeiter des Bochumer Vereins in Stahlhausen, Bochum. Es befand sich an der Schnittstelle zwischen dem Griesenbruch und Stahlhausen. Der Neubau ersetzte das 1858 auf Veranlassung von Louis Baare errichtete „Arbeiterkosthaus“ aus dem Jahre 1858. Zu seiner Zeit war es eine der größten Anlagen dieser Art im Ruhrgebiet.[1][2] Im Volksmund wurde es „Bullenkloster“ genannt.
Das vierstöckige Haus verfügte über 150 Stuben für jeweils vier bis zwanzig Männer. Aufgrund der Wechselschichten waren die Betten nicht gleichzeitig belegt. Im Notfall hätte man hier bis zu 1500 Arbeiter unterbringen können. Baulich getrennt gab es in der Mitte des hufeisenförmig gebauten Hauptgebäudes einen Speisesaal, der für 1000 Personen ausreichte.[1] Westlich am Haus vorbei verlief die Zahnradbahn, welche die „Gussstahlfabrik“ mit dem Lager im Griesenbruch verband. Vor dem Haus entstand eine Parkanlage, in der am 30. Juli 1899 ein Denkmal von Louis Baare eingeweiht wurde.[3] Hier wurde auch 1935 das Ehrenmal des Bochumer Vereins für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet, im Stil der nationalsozialistischen Ideologie mit einem gigantischen Schwert.
Das Haus wurde, wie große Teile des Griesenbruch und Stahlhausen, im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört. Auf dem Grundstück Ecke Bessemerstraße/Baarestraße befand sich bis in die 1990er Jahre eine Wiese, dann wurde hier 1999 eine Feuerwehrwache errichtet.[2][4]
Einzelnachweise
- ↑ a b Marco Rudzinski: Ein Unternehmen und "seine" Stadt: Der Bochumer Verein und Bochum vor dem Ersten Weltkrieg (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen Schriftenreihe A, Darstellungen. Nr. 51). 1. Auflage. Klartext-Verl, Essen, Ruhr 2012, ISBN 978-3-8375-0770-6, S. 140.
- ↑ a b Marco Rudzinski: Die Kolonie Stahlhausen und ihre Töchter. (= Kortum-Gesellschaft Bochum [Hrsg.]: Bochumer Zeitpunkte. Heft 28). Bochum 28. Juli 2012, S. 3–15 (online [PDF]).
- ↑ Marco Rudzinski: Die Baares und ihre Denkmäler. Memorialkultur einer Managerdynastie. (= Kortum-Gesellschaft Bochum [Hrsg.]: Bochumer Zeitpunkte. Heft 41). Bochum Juni 2020, S. 43–47 (online [PDF]).
- ↑ SPD Bochum-West: Eine Wanderung durch Griesenbruch, Stahlhausen, Goldhamme und Engelsburg.
Koordinaten: 51° 28′ 35,1″ N, 7° 12′ 14,1″ O