Konrad von Winkelmann

Konrad Michael von Winkelmann (* 1. September 1749 in Mainz; † 31. Dezember 1823 in Worms – auch in den variierenden Schreibweisen „Conrad“ und „Winckelmann“[1]) war 1792/93 Bürgermeister („Maire“) von Worms und der erste, der sein Amt aufgrund einer allgemeinen Wahl antrat[Anm. 1].

Herkunft und Anfänge

Konrad von Winkelmann stammte aus Mainz. Der Vater, Georg Friedrich von Winkelmann, war Oberst in der niederländischen Armee, seine Mutter, Susanne, geborene von Lasser, stammte ebenfalls aus einer Mainzer Familie. Er studierte an der Universität Heidelberg, trat dann aber in die kaiserliche Armee ein, in der er als Unteroffizier („Korporal“) diente.[2]

Ancien Régime

Da die Familie diese Stellung als nicht standesgemäß erachtete, schied er aus der Armee aus und erhielt Stiftsherren-Stellen. Für 1775 ist er als Stiftsherr an der Stiftskirche Beatae Mariae Virginis ad Gradus in Mainz nachgewiesen[3], 1785 erhielt er die Stelle eines Stiftsherren am St. Martinsstift in Worms. Ein Jahr später wurde er geistlicher Rat und vertrat das bischöfliche Vikariat in außerkirchlichen Angelegenheiten. Hier war vor allem der ständige Konflikt zwischen der in städtischen Gremien von Worms nicht repräsentierten römisch-katholischen Minderheit und der lutherischen Mehrheit, die einzig Zugang zu diesen Entscheidungsgremien hatte, von Bedeutung.[4]

Persönlich neigte Konrad von Winkelmann zu einer aufklärerischen Einstellung, war seit 1789 Mitglied der Wormser Lesegesellschaft[5] und nahm auch – ausgelöst durch einen persönlichen Konflikt – publizistisch gegen den Magistrat von Worms Stellung.[6]

Französische Zeit

Am 4. Oktober 1792 besetzten französische Revolutionstruppen unter General Adam-Philippe de Custine Worms. Damit stürzte das Ancien Régime in der Reichsstadt. Im Namen der Wormser Stifte[Anm. 2] wandte Winkelmann sich an Custine, um die Säkularisation des kirchlichen Besitzes zu verhindern.[7] Am 12. November 1792 gründete sich die „Konstitutionsgesellschaft“ nach dem Vorbild der Mainzer Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit, ein Jakobinerklub, der Konrad von Winkelmann sofort beitrat. Am 19. November 1792 setzte General Custine provisorisch eine „Munzipalität“ (Stadtverwaltung) nach französischem Vorbild ein. Wohl auf Vorschlag von Johann Georg Wilhelm Böhmer, damals Sekretär von General Custine, wurde Konrad von Winkelmann zum „Maire“ (Bürgermeister) ernannt. Eine seiner ersten Maßnahmen war, im Einvernehmen mit der vorgesetzten Behörde in Mainz den Judenleibzoll – eine nur Juden auferlegte Sondersteuer – abzuschaffen.[8] Die Einführung des neuen, an den Prinzipien der Französischen Revolution orientierten politischen Systems stieß auf erhebliche Bedenken in der Bevölkerung, vor allem der Zünfte und der bisher maßgebenden, lutherischen Kreise. Bürgermeister Winkelmann aber genoss persönliches Vertrauen in großem Umfang.[9]

Das zeigte sich auch bei der Wahl zum Amt des Bürgermeisters: Beim ersten Versuch, eine solche Wahl durchzuführen, beteiligten sich von etwa 1500 Wahlberechtigten nur 20. Im zweiten Versuch erschien immerhin ein knappes Drittel der Wahlberechtigten und Konrad von Winkelmann wurde mit 377 von 427 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.[10] Schon wenige Tage später, am 31. März 1793, mussten die französischen Revolutionstruppen Worms vor der anrückenden preußischen Armee räumen. Winkelmann gelang es dabei zu verhindern, dass die abrückenden Truppen die Magazine anzündeten, was einen Stadtbrand bedeutet hätte. Anschließend floh Winkelmann vor den Preußen nach Kirchheimbolanden, stellte sich aber am 8. April 1793 in Guntersblum den Preußen.[11] Auf Intervention von Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal von Mainz wurde er auf der Burg Königstein unter sehr primitiven Bedingungen für fast zwei Jahre inhaftiert.[12] 1795 kehrte er nach Worms zurück und war dann und auch weiterhin, als die Stadt 1816 an das Großherzogtum Hessen fiel, als Notar tätig.[13]

Literatur

Werke von Winkelmann

  • Beitrag zur Empörungs-Geschichte unserer Zeit. Aus der Reichsstadt Worms. Mainz 1792. Digitalisat

Sekundärliteratur

  • Volker Gallé: Winkelmann, Konrad Michael von. In: Stephan Laux (Hg.): Lebenswege zur Demokratie in Rheinland-Pfalz, Band 1: Aufklärung und Frühliberalismus 1750–1850 (= Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Band 34). Verlag regionalkultur, Uberstadt-Weiher u. a. 2025. ISBN 978-3-95505-566-0, S. 469–480.

Anmerkungen

  1. Wahlberechtigt waren alle männlichen Einwohner von Worms, die älter als 21 Jahre waren (Gallé, S. 475.).
  2. Domstift, Stift St. Martin, Stift St. Paulus, Andreasstift und Liebfrauenstif.

Einzelnachweise

  1. Gallé, S. 469.
  2. Gallé, S. 469.
  3. Nachweis in Arcinsys.
  4. Gallé, S. 469.
  5. Gallé, S. 470.
  6. Winkelmann: Beitrag zur Empörungs-Geschichte unserer Zeit (siehe Abschnitt „Literatur“).
  7. Gallé, S. 472.
  8. Gallé, S. 473.
  9. Gallé, S. 474f.
  10. Gallé, S. 474f.
  11. Gallé, S. 475.
  12. Gallé, S. 475f.
  13. Gallé, S. 477.
VorgängerAmtNachfolger
DreizehnerratBürgermeister von Worms
1792–1793
Dreizehnerrat