Konrad Wenger

Konrad Wenger, auch Conrad Wenger (* um 1425 in Immenstadt im Allgäu; † 10. Juni 1501 in Brixen[1]), war ein spätmittelalterlicher Jurist, Geistlicher und Domherr in Chur und Brixen. Er wirkte als Kanoniker, Generalvikar, Kurienanwalt und Gesandter und trat wiederholt als streitbarer Akteur in kirchlich-politischen Konflikten im Bodenseeraum, in Tirol und Graubünden hervor.

Leben

Konrad Wenger stammte aus Immenstadt im Allgäu in Bayerisch-Schwaben; sein Vater war von 1429 und 1438 Stadtmann von Immenstadt. Er studierte ab 1439 an der Universität Leipzig, wo er 1442 exkludiert wurde. Anschließend setzte er sein Studium an der Universität Bologna fort. Er erlangte den akademischen Grad eines licentiatus iuris utriusque (Lizentiat des weltlichen und kirchlichen Rechts).[2] Er war Doktor des kaiserlichen Rechts.[3]

1452 wurde Wenger Pfarrer von Akams bei Sonthofen. Am 14. Juni 1459 erhielt er die Pfarrei Wasserburg am Bodensee, deren Besitz jedoch umstritten war. In den folgenden Jahrzehnten erhielt er wiederholt Dispensationen und kirchliche Bestätigungen zur Wahrung seiner Pfründen.[2]

Zwischen 1459 und 1461 ist er als Prokurator, zwischen 1459 und 1463 als Kurienadvokat in Konstanz nachweisbar. Am 22. Mai 1460 erhielt er von Papst Pius II. ein Kanonikat in Chur, wobei er zeitweise als Kaplan auf der Insel Reichenau erscheint.[2]

Wengers Laufbahn war von zahlreichen Konflikten geprägt. 1463 wurde er in Konstanz gefangen genommen und musste Urfehde schwören. 1464 verlor er die Pfarrei Wasserburg. 1465 wurde er in Kreuzlingen verwundet; in dieser Zeit ist er als Kanoniker von Chur bezeugt. Zwischen dem 8. März und dem 18. Dezember 1467 amtierte Wenger als Generalvikar. Am 5. Mai 1469 trat er als Vertreter des Bischofs Ortlieb von Brandis im Prozess um das Bergwerk Bernina auf. Von Juni 1469 bis September 1470 ist er als scolasticus belegt. Nach der Verwundung eines Conradin von Marmels wurde Wenger 1470 erneut gefangen genommen und wiederum zur Urfehde verpflichtet.[2]

In der Folge trat Wenger in den Dienst Herzog Sigismunds von Tirol. 1472 erscheint er als herzoglicher Kaplan, von 1473 bis 1474 als herzoglicher Rat und Gesandter.[2]

Von 1477 bis 1501 war Konrad Wenger Kanoniker des Domkapitels am Brixner Dom. In den Jahren 1477/1478 amtierte er als Generalvikar in Brixen, 1495 als Dekan des Domkapitels.[2]

1495 stiftete Wenger gemeinsam mit den Grafen von Montfort-Rothenfels ein Spital in Immenstadt. 1496/1497 gründete er als Domprobst zusammen mit dem Bischof von Augsburg, Friedrich II. von Zollern, die Zollern'sche Distriktspitalstiftung Sonthofen.[2][4]

Literarisch ist er als Verfasser einer Geschichte des venezianischen Krieges von 1487 sowie eines Lehrbuchs für die Domschule von Brixen überliefert.[2]

Die Forschungslage zu Konrad Wenger gilt als unzureichend. Mehrere biographische Darstellungen werden als lückenhaft kritisiert, da sie relevante frühere Studien nicht berücksichtigen. Bereits 1972 legte Otto P. Clavadetscher in Helvetia Sacra ein quellenbasiertes Biogramm vor, das lange Zeit unbeachtet blieb.[2]

Literatur

  • Santifaller, Leo: Das Brixner Domkapitel in seiner persönlichen Zusammensetzung im Mittelalter. Innsbruck 1924–1925.
  • Enzinger, Max: Die deutsche Tiroler Literatur bis 1900. Innsbruck 1929.
  • Kaiser, Wilhelm: „Domherr Konrad Wenger“. In: Markt Sonthofen. Ein Allgäuer Heimatbuch. Sonthofen 1929.
  • Riedmann, Josef: „Mittelalter“. In: Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1. Bozen 1985.
  • Vogel, Rolf (Hrsg.): Immenstadt im Allgäu. Immenstadt 1996.
  • Clavadetscher, Otto P.: Biogramm in Helvetia Sacra, Abt. I, Bd. 1.

Einzelnachweise

  1. Franz Anton Sinnacher: Beyträge zur Geschichte der bischöflichen Kirche Säben und Brixen in Tyrol, 1830, Seite 520
  2. a b c d e f g h i Klaus Graf: Dr. Konrad Wenger (ca. 1425-1501), Domherr zu Chur und Brixen. In: archivalia.hypotheses.org. 3. Oktober 2013, abgerufen am 11. Januar 2026.
  3. Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben, 1998 Band 90, Seite 442
  4. Domprobst Wenger und Bischof Friedrich II. Graf von Zollern'sche Distriktspitalstiftung Sonthofen. In: stiftungen.bayern.de. 27. Februar 2014, abgerufen am 11. Januar 2026.