Konrad Osterwalder
Konrad Osterwalder (* 3. Juni 1942 in Frauenfeld; † 19. Dezember 2025 in der Schweiz[1]) war ein Schweizer Physiker und Mathematiker. Er war von 1995 bis 2007 Rektor der ETH Zürich und von 2007 bis 2013 Rektor der United Nations University in Tokio.
Leben und Werk
Konrad Osterwalder besuchte in Frauenfeld das Gymnasium und studierte von 1961 bis 1965 Physik (und daneben Philosophie) an der ETH Zürich. Nach dem Militärdienst war er dort 1966 bis 1970 Assistent und wurde 1970 bei Klaus Hepp und Res Jost promoviert.[2] Danach arbeitete er 1970/71 als Postdoc am Courant Institute of Mathematical Sciences an der New York University. 1973 war er Assistant Professor und ab 1973 Associate Professor an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). 1977 wurde er als ordentlicher Professor für mathematische Physik an die ETH Zürich berufen.
Von 1995 bis 2007 war Osterwalder Rektor der ETH Zürich. Er war für mehrere Monate auch Präsident ad interim der ETH Zürich, um den Zeitraum zwischen dem Rücktritt des ETH-Präsidenten Ernst Hafen (2. November 2006) und dem Amtsantritt des neuen ETH-Präsidenten Ralph Eichler (1. September 2007) zu überbrücken. Bis Ende 2006 war Osterwalder zudem Vorsitzender der Bologna-Projektleitung der Schweizerischen Rektorenkonferenz (CRUS). Von 2007 bis 2013 war er Rektor der United Nations University in Tokio.[3]
Osterwalder war u. a. Gastprofessor an der University of Texas in Austin, in Harvard, am IHES bei Paris, am Max-Planck-Institut für Physik in München, der Universität La Sapienza in Rom, den Universitäten von Neapel und Tokio und am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel. 1970 erhielt er die ETH-Medaille. Von 1974 bis 1978 war er Sloan Research Fellow. Er war Ehrendoktor der Universität Helsinki und Mitglied der Schweizer Akademie für Technische Wissenschaften. Er war Fellow der American Mathematical Society.
Osterwalder war ausserdem Mitglied der Führungsgremien der École polytechnique, École des Mines in Paris, des Politecnico di Milano, der Universität der italienischen Schweiz, der Technischen Universität Darmstadt (Vorsitz) und war Mitglied des Club of Rome.
Osterwalder beschäftigte sich mit konstruktiver Quantenfeldtheorie. Er war vor allem für die Osterwalder-Schrader Axiome bekannt, die er 1973 in Harvard mit Robert Schrader formulierte.[4] Sie liefern eine mathematische Untermauerung der euklidischen Formulierung der Quantenfeldtheorie.
Osterwalder starb am 19. Dezember 2025 im Alter von 83 Jahren in der Schweiz.[1]
Literatur
- Ulrich Gäbler, Konrad Osterwalder: Ein neues Gesicht für die europäische Hochschullandschaft. Der Bologna-Prozess und die Studienreform in der Schweiz, in: Neue Zürcher Zeitung, 16. November 2001, 85 (online).
- Martin Helg: Gedanken denken, die noch keiner hatte. Interview mit Konrad Osterwalder. In: NZZ. 3. Oktober 2004.
Weblinks
- Konrad Osterwalder. In: Emeritierte Professoren. ETH Zürich, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) (mit Bild und Lebenslauf).
- Konrad Osterwalder: Quantentheorie und stochastische Prozesse. Einführungsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 22. Mai 1978 (Audio).
- Konrad Osterwalder: Unvollendete. Abschiedsvorlesung. Videoportal der ETH Zürich, 24. September 2007.
- Ehemaliger Rektor und Interims-Präsident Konrad Osterwalder verstorben. In: ETH Zürich, 23. Dezember 2025.
Fussnoten
- ↑ a b In Memoriam: Prof. Dr. Konrad Osterwalder, Former United Nations University Rector. In: United Nations University, 22. Dezember 2025 (engl.).
- ↑ Konrad Osterwalder im Mathematics Genealogy Project (englisch) abgerufen am 23. Dezember 2025
- ↑ Prof. Dr. Konrad Osterwalder: Fifth Rector (2007–2013). In: UNU: History and Background. un.edu, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 12. Oktober 2018 (englisch).
- ↑ Osterwalder, Schrader „Axioms for Euclidean Greens Functions“, Communications in Mathematical Physics, Teil 1, Bd. 31, 1973, S. 83–112, Teil 2, Bd. 42, 1975, S. 281–305.