Konklave 1352

Das Konklave von 1352 (16.–18. Dezember) wurde nach dem Tod von Papst Clemens VI. einberufen; es wählte zu seinem Nachfolger Étienne Aubert, der unter den Namen Innozenz VI. der fünfte Papst mit Sitz in Avignon war (vgl. Avignonesisches Papsttum). Dieses Konklave ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Kardinäle zum ersten Mal in der Geschichte eine Wahlkapitulation verfassten, die die Macht des neuen Amtsinhabers beschränken sollte.[1][2]

Erste Wahlkapitulation bei einer Papstwahl

Am 16. Dezember trafen fünfundzwanzig Kardinäle im Palais des Papes in Avignon ein.[2] Zu Beginn des Konklaves verfassten sie eine Wahlkapitulation;[1] ein Teil der Kardinäle, darunter auch Étienne Aubert, unterzeichneten nur mit dem Vorbehalt, dass den Artikeln nur zustimmten, soweit diese nicht gegen das Kirchenrecht verstießen.[1][3] Die einzelnen Forderungen der Wahlkapitulation waren:

  • Das Kardinalskollegium wird auf 20 Mitglieder begrenzt; neue Kardinäle werden erst ernannt, wenn ihre Zahl auf 16 gesunken ist.[3]
  • Die Ernennung, Exkommunikation, Entziehung des Wahlrechts, Beschlagnahme von Vermögen oder Einnahmen von Kardinälen müssen vom Kollegium mit Zweidrittelmehrheit genehmigt werden, ebenso die Beantragung von Subsidien von Souveränen oder nationalen Geistlichen.[3]
  • Das Kollegium hat ein Vetorecht bei päpstlichen Entscheidungen und Richtlinien.
  • Alle päpstlichen Einkünfte werden mit dem Kollegium geteilt.[3]

Die Wahlkapitulation wird als Teil der allgemeinen Strategie des Kardinalskollegiums angesehen, die päpstliche Macht zu begrenzen und die Regierung der Kirche in eine Oligarchie anstelle einer Monarchie zu verwandeln.[1]

Wahl von Papst Innozenz VI.

Nach der Unterzeichnung der Wahlkapitulation begann die Papstwahl. Bereits am 18. Dezember wurde Étienne Aubert, Kardinalbischof von Ostiaeinmütig zum Papst gewählt. Er nahm die Wahl an und nannte sich Innozenz VI. Am 30. Dezember wurde er feierlich in der Kathedrale Notre-Dame-des-Doms in Avignon durch den Kardinalprotodiakon Gaillard de la Mothe gekrönt.[4]

Am 6. Juli 1353 erklärte Papst Innozenz VI. die vom Konklave beschlossene Wahlkapitulation für ungültig, weil sie die Regel verletze, dass (juristische) Geschäfte während eines Konklaves zur Wahl eines neuen Papstes beschränkt seien, sowie die die Machtfülle des päpstlichen Amtes verletze. Dennoch wurden in den meisten Konklaven, die in den nächsten 300 Jahren abgehalten wurden, Wahlkapitulationen unterzeichnet.[4]

Wahlberechtigte

Papst Clemens VI. starb am 6. Dezember 1352 in Avignon. Während seines Pontifikats weigerte er sich beständig, nach Rom zurückzukehren und kaufte stattdessen die Souveränität über Avignon (wo der päpstlicher Hof residierte) von der Königin Johanna I. von Neapel. Bei seinem Tod gab es 26 lebende Kardinäle. 25 von ihnen nahmen am Konklave teil:[5]

Kardinal Kardinaltitel Ernannt am durch Anmerkungen
Pierre des Prés Bischof von Palestrina 20. Dezember 1320 Johannes XXII. Kardinaldekan;
Hélie de Talleyrand-Périgord, Bischof von Auxerre Bischof von Albano 25. Mai 1331 Johannes XXII. Kardinalprotektor des Franziskanerordens
Bertrand de Déaulx Bischof von Sabina 18. Dezember 1338 Benedikt XII.
Guillaume Court, O.Cist. Bischof von Frascati 18. Dezember 1338 Benedikt XII. (Kardinalnepot) Kämmerer des Heiligen Kardinalskollegiums
Etienne Aubert (Papst Innozenz VI.) Bischof von Ostia und Velletri 20. September 1342 Clemens VI. Großpönitentiar
Guillaume d’Aure, O.S.B. Kardinalpriester von Santo Stefano al Monte Celio 18. Dezember 1338 Benedikt XII. Generalinquisitor
Hugues Roger, O.S.B. Kardinalpriester von San Clemente 20. September 1342 Clemens VI. (Bruder von Papst Clemens VI.)
Pierre Bertrand de Colombier Kardinalpriester von Santa Susanna 27. Februar 1344 Clemens VI.
Gil Álvarez Carillo de Albornoz Kardinalpriester von San Clemente 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Pasteur de Sarrats, O.F.M. Kardinalpriester von Santi Marcellino e Pietro 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Raymond de Canillac, C.R.S.A. Kardinalpriester von Santa Croce in Gerusalemme 17. Dezember 1350 Clemens VI. (Neffe von Clemens VI.)
Guillaume d’Aigrefeuille, O.S.B. Kardinalpriester von Santa Maria in Traspontina 17. Dezember 1350 Clemens VI. (Neffe von Clemens VI.)
Nicola Capocci Kardinalpriester von San Vitale 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Pectin de Montesquiou Kardinalpriester von Santi XII Apostoli 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Arnaud de Villemur, C.R.S.A. Kardinalpriester von San Sisto Vecchio 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Pierre de Cros Kardinalpriester von Santi Silvestro e Martino ai Monti 17. Dezember 1350 Clemens VI. (Kardinalnepot)
Gilles Rigaud, O.S.B. Kardinalpriester von Santa Prassede 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Jean de Moulins, O.P. Kardinalpriester von Santa Sabina 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Gaillard de la Mothe Kardinaldiakon von Santa Lucia in Selci 17. Dezember 1360 Johannes XXII. Kardinalprotodiakon
Bernard de La Tour Kardinaldiakon von Sant’Eustachio 20. September 1342 Clemens VI. (Kardinalnepot)
Guillaume de La Jugie Kardinaldiakon von Santa Maria in Cosmedin 20. September 1342 Clemens VI. (Kardinalnepot)
Nicolas de Besse Kardinaldiakon von Santa Maria in Via Lata 27. Februar 1344 Clemens VI. (Kardinalnepot)
Pierre Roger de Beaufort Kardinaldiakon von Santa Maria Nuova 28. Mai 1348 Clemens VI. (Kardinalnepot)
Rinaldo Orsini Kardinaldiakon von Sant’Adriano al Foro 17. Dezember 1350 Clemens VI.
Jean de Caraman Kardinaldiakon von San Giorgio in Velabro 17. Dezember 1350 Clemens VI.

19 Kardinäle wurden von Clemens VI. ernannt, acht von ihnen gehörten zu seiner Familie. Von den verbleibenden sechs waren drei von Johannes XXII. und drei von Benedikt XII. ernannt worden.[4][2]

Das Amt des Camerlengo, das wichtigste während der Sedisvakanz, wurden von Stefano Aldebrandi Cambaruti, Erzbischof von Toulouse, versehen, der kein Kardinal war.[4][2]

Nur ein Kardinal (von Clemens VI. ernannt) nahm nicht am Konklave teil, da er als Legat in Frankreich war, wo er erfolglos versuchte, während des Hundertjährigen Kriegs Frieden zwischen Frankreich und England zu stiften.[2]

Kardinal Kardinaltitel Ernannt am durch Anmerkungen
Guy de Boulogne Bischof von Porto-Santa Rufina 20. September 1342 Clemens VI. Päpstlicher Legat in Frankreich

Einzelnachweise

  1. a b c d Krüger, Thomas M.: Überlieferung und Relevanz der päpstlichen Wahlkapitulationen (1352–1522). Zur Verfassungsgeschichte von Papsttum und Kardinalat. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken. Band 81, 2001, S. 228–255 (perspectivia.net [PDF]).
  2. a b c d e Martin Marker: Konklave vom 16.-18.12.1352 zur Wahl von Papst Innozenz VI. In: Kirchengeschichte bei Vatican History. Abgerufen am 12. Januar 2026.
  3. a b c d Walsh, Michael J.: A Dictionary of Popes. 3. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-179545-9, S. Artikel „Innocent VI“, doi:10.1093/acref/9780191795459.001.0001 (englisch).
  4. a b c d Mollat, Guillaume: The Popes at Avignon, 1305–1378. T. Nelson, London; New York 1963, S. 44–45 (englisch, "https://archive.org/details/popesatavignon130000moll/page/44/mode/2up").
  5. Salvador Miranda: Conclave of December 16 - 18, 1352. In: The Cardinals of the Holy Roman Church. Abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).

Literatur