Kongresshalle Gießen

Die Kongresshalle Gießen ist ein Veranstaltungszentrum am Berliner Platz in der Innenstadt von Gießen. Der Gebäudekomplex wurde von 1962 bis 1966 nach Plänen des schwedischen Architekten Sven Markelius errichtet und steht seit 2016 unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

Die Stadt Gießen plante in den 1950er Jahren ein repräsentatives Bürgerhaus, das dem steigenden Bedarf an Tagungs- und Veranstaltungsräumen entsprechen sollte. Die Wahl fiel auf den international renommierten Architekten Sven Markelius, der in Schweden durch funktionalistische Bauten und Beiträge zur städtebaulichen Moderne hervorgetreten war.[1] Der Bau der Kongresshalle begann 1962; die feierliche Eröffnung erfolgte im März 1966.[2] Als Bauplatz wurde die Stelle gewählt, an der sich die während der Novemberpogrome 1938 zerstörte Liberale Synagoge befand.[3] 2023 wurde im Zuge der Vorbereitungen zur Erweiterung des Foyers ein Teil der Fundamente der ehemaligen Synagoge entdeckt und freigelegt.

Architektur

Der Entwurf von Markelius folgt dem skandinavischen Funktionalismus der 1950er und 1960er Jahre, der durch klare Proportionen, zurückhaltende Materialwahl und eine konsequente Orientierung an der Nutzungslogik gekennzeichnet ist. Der Gebäudekomplex besteht aus mehreren kubischen Baukörpern mit Flachdächern, die um einen Innenhof gruppiert sind. Charakteristisch sind die horizontalen Fensterbänder, Sichtbetonelemente und die reduzierte Fassadengliederung.[1] Markelius entwarf nicht nur den Baukörper, sondern auch zahlreiche Teile der Innenausstattung – darunter Beleuchtung, Möblierung und Materialkonzeption. Diese Gesamtkonzeption entspricht dem holistischen Gestaltungsansatz der skandinavischen Moderne, der Architektur, Innenraum und Ausstattung als zusammengehörige Einheit verstand.[4] Der Kongresshalle ist im Ensemble von Stadttheater und Rathaus Teil eines modernen „Forums“ am Berliner Platz.[5] Eine technische Modernisierung erfolgte 2015, bei der unter anderem eine Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik vorgenommen wurde.[4] Seit der Unterschutzstellung 2016 erfolgen schrittweise denkmalgerechte Sanierungen. Dazu gehören der Rückbau später hinzugefügter Anbauten sowie die Wiederherstellung wichtiger Gestaltungselemente aus dem Originalentwurf.[6][7]

Nutzung

Die Kongresshalle verfügt über einen großen Saal mit rund 2000 Plätzen sowie weitere Säle und insgesamt fünf Konferenzräume.[2] Sie wird für Tagungen, kulturelle Veranstaltungen, Empfänge, Ausstellungen und universitäre Veranstaltungen genutzt.

Commons: Kongresshalle Gießen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Die Kongresshalle Gießen. In: moderneREGIONAL. Abgerufen am 29. November 2025.
  2. a b Kongresshalle Gießen. In: Gießen entdecken. Abgerufen am 29. November 2025.
  3. Stadt Gießen: Überraschungsfund: Reste der zerstörten ehemaligen Synagoge freigelegt. 17. Februar 2023, abgerufen am 29. November 2025.
  4. a b Kongresshalle – Informationsfolder. In: Städtische Haus- und Grundstücksverwaltung Gießen. 2015, abgerufen am 29. November 2025.
  5. Kongresshalle Gießen. In: Giessen.wiki. Abgerufen am 29. November 2025.
  6. Kongresshalle Gießen – Denkmalgerechte Sanierung. Abgerufen am 29. November 2025.
  7. Projekt: Kongresshalle Gießen. Abgerufen am 29. November 2025.

Koordinaten: 50° 35′ 0,5″ N, 8° 40′ 42,5″ O