Konfigurationsfrequenzanalyse
Die Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA) (engl. configuration frequency analysis bzw. CFA) ist ein multivariates Verfahren zur Analyse mehrdimensionaler Kontingenztafeln. Sie dient der Auffindung von Typen oder Syndromen auf Basis von Antwortmustern. Dabei wird nach häufig vorkommenden Merkmalskombinationen gesucht. Können solche Muster vorgefunden werden, schließt man auf das Vorhandensein eines bestimmten Typs.[1] Im Gegensatz zu der mit gleichem Ziel arbeitenden Q-Technik der Faktorenanalyse (Auswertung von Korrelationen zwischen Personen) oder der Clusteranalyse werden bei der Konfigurationsfrequenzanalyse keine Voraussetzung an die Verteilung der Messwerte gestellt und es müssen auch nicht so viele Variablen erhoben werden.
Als Varianten wurden von Gustav A. Lienert noch die agglutinierende und die hierarchische KFA vorgeschlagen, wobei bei der agglutinierenden KFA untersucht wird, ob durch eine Variablenweglassung bzw. -zusammenfassung prägnantere Ergebnisse erzielt werden, und bei der hierarchischen KFA wird die Typensuche auf verschiedene Stichproben ausgeweitet. Durch Alexander von Eye wurde die KFA in das Allgemeine lineare Modell eingebaut und somit für intervallskalierte Daten berechenbar gemacht.
Anwendungsbeispiel
Die KFA wurde von Helmut Lukesch zur Identifikation von Familientypen angewandt.[2] Dabei wurde an einer Stichprobe von N = 423 Kindern der von ihnen perzipierte Erziehungsstil von Müttern und Vätern mit Hilfe der Marburger Skalen durch die Aspekte elterliche Unterstützung und Strenge (auch Marburger Zweikomponenten-Modell genannt) erfasst. Die beiden Skalenwerte wurden für Mütter und Väter mittels eines Mediansplits von der Intervalldatenebene auf Nominalskalenniveau reduziert, sodass sich für jedes Elternpaar vier Werte ergaben. Dabei ergeben sich insgesamt Kombinationsmöglichkeiten (z. B. mütterliche Unterstützung hoch [MU +], mütterliche Strenge niedrig [MS –], väterliche Unterstützung hoch [VU +], väterliche Strenge niedrig [VU –] usw.). Mittels KFA lässt sich nun abschätzen, welche dieser Merkmalskombinationen überzufällig häufig oder überzufällig seltener vorkommen. Dabei weist der Gesamt-Chi-Quadrat-Test (-Test) auf signifikante Verteilungsunterschiede hin. Betrachtet man die einzelnen Merkmalskombinationen, so zeigt sich, dass die Kombinationen (+ – + –), (– + – +), (+ + + +) und (– – – –) überfällig häufig vorkommen; man kann hier also von Familientypen sprechen. Hingegen treten die Kombinationen (– + + –), (+ – – +), (+ + – –), (– – + +) sowie (+ – – –) signifikant seltener auf, diese Familien können also als Antitypen bezeichnet werden. Die gefundenen Familientypen sind durch die ähnliche Wahrnehmung korrespondierender Elternmerkmale gekennzeichnet; wenn also eine Mutter als wenig streng und stark unterstützend wahrgenommen wird, so beschreiben die Kinder auch ein gleiches Vaterbild. Familienantitypen sind hingegen (mit einer Ausnahme) durch gegenläufige Wahrnehmungen gekennzeichnet, etwa die Wahrnehmung einer Mutter als stark unterstützend und wenig streng und eines Vaters als wenig unterstützend und sehr streng. Mittels agglutinierender KFAs wurde auch noch überprüft, ob durch das systematische Weglassen eines Merkmals die gleiche Trennung erreicht werden kann, was aber nicht der Fall war. Auch eine hierarchischer KFA (Aufteilung der Kinderstichprobe in Mädchen und Buben) erbrachte keine auffallenden Ergebnisse. Die Ergebnisse sprechen gegen die Hypothese einer Rollendifferenzierung in Familien, etwa nach der These, dass Mütter in der Familie eher eine emotionale und die Väter eine instrumentelle Rolle einnehmen.
Literatur
- Alexander von Eye; Wolfgang Wiedermann: Configural Frequency Analysis. Foundations, Models, and Applications. Springer, Berlin 2023, ISBN 978-3-662-64010-4.
- Alexander von Eye; Wolfgang Wiedermann; Stefan von Weber: Base Models for Configural Frequency Analysis – Data Generation. In: Integrative psychological and behavioral science. 2022, S. 1–21.
- Alexander von Eye; Wolfgang Wiedermann: A Simple Configural Approach for Testing Person-Oriented Mediation Hypotheses. In: Integrative psychological and behavioral science. 2021, S. 1–28.
- Alexander von Eye; Wolfgang Wiedermann: KFA – Die Konfigurationsfrequenzanalyse. Springer, Berlin 2021, ISBN 978-3-662-63674-9.
- Alexander von Eye: The General Linear Model as a Framework for Models in Configural Frequency Analysis. In: Biometrical Journal. Band 30, Nr. 1, 2007, S. 59–67.
- Alexander von Eye; Erwin Lautsch: Preface: A brief history of Configural Frequency Analysis. In: Psychologische Beiträge. Band 42, Nr. 3, 2000, S. 241ff.
- Joachim Krauth: Einführung in die Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA) . Psychologie-Verlags-Union, Weinheim 1993, ISBN 3-621-27182-1.
- Erwin Lautsch; Stefan von Weber: Methoden und Anwendungen der Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA) . Beltz/PsychologieVerlagsUnion, Weinheim 1995, ISBN 3-621-27260-7.
- Gustav A. Lienert; Joachim Krauth: Die Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA) und ihre Anwendung in Psychologie und Medizin: ein multivariates nichtparametrisches Verfahren zur Aufdeckung von Typen und Syndromen. Alber, Freiburg im Breisgau 1973, ISBN 3-495-47288-6.
- Gustav A. Lienert: Die Konfigurationsfrequenzanalyse I. Ein neuer Weg Zu Typen und Syndromen. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Band 19, 1971, S. 99–115.
- Gustav A. Lienert: Die Konfigurationsfrequenzanalyse II. Hierarchische und agglutinierende KFA in der Klinischen Psychologie. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Band 19, 1971, S. 207–220.
- Gustav A. Lienert: Die Konfigurationsfrequenzanalyse III. Zwei- und Mehrstichproben KFA. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Band 19, 1971, S. 291–300.
- Gustav A. Lienert; Joachim Krauth: Die Konfigurationsfrequenzanalyse IV. Profilveränderungen und Symptomverschiebungen. In: Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie. Band 21, 1973, S. 100–109.
- W. Lehmacher: Die Konfigurationsfrequenzanalyse Qualitativer Daten als Explorative Methode. In: N. Victor; W. Lehmacher; W. van Eimeren (Hrsg.): Explorative Datenanalyse. Medizinische Informatik und Statistik. vol. 26. Springer, Berlin 1980, ISBN 3-540-10281-7. doi:10.1007/978-3-642-81515-7_11
Einzelnachweise
- ↑ Stichwort Konfigurationsfrequenzanalyse (KFA) auf Dorsch – Lexikon der Psychologie, abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ Helmut Lukesch: Identifikation von Familientypen. In: Helmut Lukesch (Hrsg.): Auswirkungen elterlicher Erziehungsstile. Hogrefe, Göttingen 1975, ISBN 3-8017-0105-0, S. 50–60.