Kondiktionssperre

Kondiktionssperre (von Condictio, lat. für Rückforderung) wird im Zivilrecht ein Grund genannt, der die Durchsetzung eines bereits entstandenen, bereicherungsrechtlichen Rückforderungsanspruchs ausschließt.

Deutschland

Das deutsche Recht (Bereicherungsrecht (Deutschland)#Ausschluss der Kondiktion) kennt im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) folgende Ausschlusstatbestände:[1]

  • § 813 Abs. 1 S. 2 BGB (Rückforderung einer nach Verjährungseintritt erbrachten Leistung)[2]
  • § 813 Abs. 2 BGB (Rückforderung einer vor Fälligkeit erbrachten Leistung)[3]
  • § 814 Alt. 1 BGB (Leistung trotz Kenntnis der Nichtschuld)[4]
  • § 814 Alt. 2 BGB (Leistung entspricht sittlicher Pflicht)[5]
  • § 815 Alt. 1 BGB (Ausbleiben eines mit der Leistung bezweckten Erfolgs bei Kenntnis des Leistenden von der Unmöglichkeit)[6]
  • § 815 Alt. 2 BGB (Ausbleiben eines mit der Leistung bezweckten Erfolgs bei treuwidriger Verhinderung durch den Leistenden)[7]
  • § 817 S. 2 BGB (Verstoß des Leistenden gegen Gesetz oder gute Sitten)[8][9]

Die Vorschrift des § 241a BGB (keine Ansprüche bei Erbringung unbestellter Leistungen gegenüber einem Verbraucher) wird in der juristischen Literatur teilweise ebenfalls als Kondiktionssperre bezeichnet,[10] unterscheidet sich von den übrigen Fällen jedoch dadurch, dass ein bereicherungsrechtlicher Anspruch von vorneherein nicht entsteht.[11]

Literatur

  • Claudia Sykora: Die Kondiktionssperre des § 817 Satz 2 BGB. Eine Untersuchung zur Rückabwicklung gesetzes- und sittenwidriger Geschäfte im Lichte der jüngeren Rechtsprechung. Tectum Wissenschaftsverlag 2011. ISBN 978-3-8288-2790-5.

Einzelnachweise

  1. vgl. Florian Bien: Außervertragliches Schuldrecht: Ungerechtfertigte Bereicherung, unerlaubte Handlungen (einschließlich §§ 249ff. BGB), Geschäftsführung ohne Auftrag (Memento des Originals vom 29. November 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jura.uni-wuerzburg.de Universität Würzburg, 2013, S. 10 f.
  2. Karl August Prinz von Sachsen-Gessaphe: § 813. Rn. 6. In: Barbara Dauner-Lieb, Werner Langen, Gerhard Ring (Hrsg.): Nomos Kommentar BGB: Schuldrecht. 3. Auflage. Nomos Verlag, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-1102-4.
  3. BGH, Urteil vom 6. Juni 2012, VIII ZR 198/11 = Neue Juristische Wochenschrift 2012, S. 2659.
  4. Prütting/Wegen/Weinreich, BGB Kommentar, BGB § 814 BGB – Kenntnis der Nichtschuld haufe.de
  5. Manfred Wandt: Gesetzliche Schuldverhältnisse: Deliktsrecht, Schadensrecht, Bereicherungsrecht, GoA. 8. Auflage. Verlag Franz Vahlen, München 2017, ISBN 978-3-8006-5428-4, § 10, Rn. 32.
  6. Anne Röthel: Die Kondiktion wegen Zweckverfehlung. Juristische Ausbildung (Jura) 2013, S. 1246–1252 (1251).
  7. Karl August Prinz von Sachsen-Gessaphe: § 815. Rn. 1. In: Barbara Dauner-Lieb, Werner Langen, Gerhard Ring (Hrsg.): Nomos Kommentar BGB: Schuldrecht. 3. Auflage. Nomos Verlag, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-1102-4.
  8. BGH: Kondiktionssperre in Bezug auf Zuwendungen im Rahmen von „Schenkkreisen“ BGH, Urteil vom 13. März 2008 - III ZR 282/07.
  9. Lars Klöhn: Die Kondiktionssperre gem. § 817 S.2 BGB beim beidseitigen Gesetzes- und Sittenverstoß: Ein Beitrag zur Steuerungsfunktion des Privatrechts. AcP 2010, S. 804–856.
  10. Stefan Lorenz: § 241a BGB und das Bereicherungsrecht – zum Begriff der „Bestellung“ im Schuldrecht Festschrift für Werner Lorenz, 2001, S. 193–214.
  11. Sutschet: BeckOK BGB. Hrsg.: Wolfgang Hau, Roman Poseck. 75. Edition. C.H.BECK, 1. August 2025, BGB § 241a Rn. 9.