Kommunität von Bose

Die Kommunität von Bose ist eine religiöse Gemeinschaft in Bose, einem Ortsteil der Gemeinde Magnano in der italienischen Provinz Biella, in der Männer und Frauen aus unterschiedlichen christlichen Kirchen ein monastisches Leben nach den evangelischen Räten führen: Zölibat, geschwisterliche Gütergemeinschaft und Gehorsam gegenüber dem Evangelium und den Bedürfnissen der Gemeinschaft. Gründer der Kommunität ist der Laie Enzo Bianchi, der sie bis 2017 als Prior leitete. Prior ist heute Luciano Manicardi.

Geschichte

Die Kommunität wurde 1968 von Enzo Bianchi gegründet, der damals 25 Jahre alt war. Er hatte 1965 beschlossen, allein in einem für Gäste offenen Haus in der Nähe der Bauernhäuser von Bose zu leben. Unter den ersten Mitgliedern der Bewegung waren eine Frau und ein protestantischer Pastor.[1][2]

Nach anfänglichen Konflikten mit dem Ortsbischof bewilligte Kardinal Pellegrino, Erzbischof von Turin, die Klosterregel von Bose am 22. April 1973 anlässlich der Gelübden der ersten sechs Brüder. Der Bischof von Biella Gabriele Mana anerkannte am 29. Juni 2010 den Erwerb der juristischen Persönlichkeit nach kanonischem Recht und bewilligte einige Änderungen an der Satzung und der Klosterregel.[1]

Außer am ursprünglichen Hauptsitz gründete die Gemeinschaft auch Niederlassungen in Jerusalem, Ostuni, Assisi, San Gimignano und Civitella San Paolo.[3]

Im Dezember 2019 und Januar 2020 kam es zu einer vatikanischen Visitation, bei der die Kommunität zu innergemeinschaftlichen Problemen befragt wurde. Infolge daraus entstehender Unstimmigkeiten wurden vier Mitglieder, darunter auch Enzo Bianchi, der Gründer der Gemeinschaft, durch vatikanische Anweisung aufgefordert, das Kloster und die Gemeinschaft zu verlassen. Dieser ist wiederholten Aufforderungen, das Kloster zu verlassen, nicht nachgekommen.[4][5] Zur Kontrolle der weiteren Entwicklung wurde Amedeo Cencini vom Papst zum Delegaten der Gemeinschaft ernannt.[6] Bianchi gab am 7. Juni 2021 bekannt, dass er die Gemeinschaft verlassen werde.[7][8]

Leben der Gemeinschaft

Die Brüder und Schwestern folgen in Bose dem zönobitische Leben nach den Lehren der hl. Pachomios, Basilius und Benedikt, das aus Gebet und Arbeit besteht. Die einzige Mission der Gemeinschaft ist es, nach den Lehren Jesu Christi zu leben. Alle Mitglieder der Gemeinschaft sollen arbeiten. Aktivitäten der Gemeinschaft sind, unter anderem, eine Gärtnerei, Herstellung von Keramikgegenständen und eine Verlagstätigkeit. Einige Mönche arbeiten außerhalb der Gemeinschaft. Das Leben der Gemeinschaft ist mit Gebets-, Arbeits- und Erholungszeiten geregelt. Es werden Pilger und Gäste aufgenommen.[1]

Literatur

  • Daniel Attinger, Vivre l’évangile: une communauté oecuménique au service des églises et des hommes (Magnano: edizioni Comunità di Bose 1969).
  • Comunità di Bose, “Bose: ieri e oggi…,” Studi francescani 1 (1971): 1–23.
  • Bianchi, “La Comunità di Bose,” Servitium 3 (1969): 679–86.
  • Art. Bose, in Dizionario degli istituti di perfezione, Roma 1974, vol. I, coll. 1533–37.
  • Stefania Palmisano, Exploring New Monastic Communities: the (re)invention of Tradition (Farnham-Burlington: Ashgate, 2015).
  • Alexis Jenni und Nathalie Sarthou-Lajus, Une vie simple: rencontre avec la communauté monastique d’Enzo Bianchi (Paris: Albin Michel, 2017).

Einzelnachweise

  1. a b c Adalberto Mainardi: Monasticism and Ecumenism: the Monastic Community of Bose. In: Review of Ecumenical Studies Sibiu. Band 12, Nr. 2, 1. August 2020, ISSN 2359-8107, S. 243–265, doi:10.2478/ress-2020-0017 (sciendo.com [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  2. Ines Angeli Murzaku: Troubles at Bose highlight need for authentic ecumenism, monasticism. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. Le fraternità. Abgerufen am 26. Dezember 2025 (italienisch).
  4. Enzo Bianchi non lascia Bose/ Comunità “profonda amarezza”, salta esilio ex priore. Abgerufen am 20. Februar 2021 (italienisch).
  5. Cindy Wooden: Vatican orders Italian founder of ecumenical community to leave. In: America Magazine. 28. Mai 2020, abgerufen am 27. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Klostergründer Bianchi muss eigene Gemeinschaft verlassen. In: Domradio.de. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  7. Klostergründer Bianchi verlässt Gemeinschaft Bose. In: katholisch.de. 8. Juni 2021, abgerufen am 8. Juni 2021.
  8. Roberto Rusconi: Après moi, le déluge? In: Marco Rainini, Andrea Riedl (Hrsg.): Die zweite Generation: Transformationsprozesse in den Anfängen von Orden und religiösen Gemeinschaften in der Geschichte des Christentums. 1. Auflage. Aschendorff Verlag, Münster 2025, ISBN 978-3-402-25038-9, S. 43.

Koordinaten: 45° 27′ 40,9″ N, 8° 0′ 45,9″ O