Kommission für Provenienzforschung
Die Kommission für Provenienzforschung ist eine Einrichtung der Republik Österreich für die Provenienzforschung zu Kunstwerken und deren Eigentümern in den Sammlungen und Museen der Republik Österreich. Sie hat ihren Sitz in Wien. Sie wurde im Februar 1998 beim für Kultur zuständigen Bundesministerium eingerichtet – das ist 2025 das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Ihre Mitglieder sind als Provenienzforscher/‑innen direkt in den Bundesmuseen und ‑sammlungen tätig.
Durch das österreichische Kunstrückgabegesetz von 1998[1] hat die Republik Österreich den Auftrag, bewegliche Kunst- und Kulturgüter, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihren Eigentümerinnen und Eigentümern entzogen wurden (z. B. in Form eines Kunstraubs, von Raubgold oder der vom NS-Staat durchgeführten Arisierung), proaktiv in den bundeseigenen Sammlungsbeständen auszuforschen und an die früheren Eigentümer/‑innen respektive deren Rechtsnachfolger/‑innen zu übereignen. Die Kommission für Provenienzforschung ist für die systematische Beforschung der Sammlungsbestände zuständig. Die Ergebnisse werden dem Kunstrückgabebeirat übermittelt, dieser richtet darauf basierend Empfehlungen an den/die Kunstminister/‑in hinsichtlich der Nicht-Rückgaben bzw. Rückgaben (Restitution).[2]
Kommt es zu einer positiven Rückgabeentscheidung des Ministeriums, werden eventuell durch die Kommission die jetzigen Eigentümer/‑innen bzw. Rechtsnachfolger/‑innen gesucht und kontaktiert.
Die Internetseite der Kommission enthält umfassende Informationen zu bereits vorliegenden Untersuchungen, zu Nachforschungsmöglichkeiten und zur Schriftenreihe der Kommission seit dem Jahr 2008.[3]
Unter verschiedenen Tarnbezeichnungen hatten die heutigen österreichischen Sammlungen Kunstgegenstände erhalten:
- Sonderauftrag Linz (Führermuseum und Gemäldegalerie Linz; Führervorbehalt vom 18. Juni 1938)
- Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien:[4][5][6] Hier wurden Fragen der Staatsbürgerschaft, des Ausländerrechts, der Devisen, der Arisierung und Vermögensbesteuerung aus Sicht der NSDAP „koordiniert“. Sie war als einzige Behörde ermächtigt, Ausreisegenehmigungen für Juden aus Österreich (1938–1941) zu erteilen.
- Aktion 3: Anweisungen des Reichsfinanzministeriums von Anfang November 1941
- M-Aktion: Beschlagnahmungen von (insbesondere wertvollen) Einrichtungsgegenständen durch das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete sowie in Frankreich und den besetzten Benelux-Ländern durch den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg.
Veröffentlichungen
- Gabriele Anderl, Christoph Bazil, Eva Blimlinger, Oliver Kühschelm, Monika Mayer, Anita Stelzl-Gallian und Leonhard Weidinger (Hrsg.): ... wesentlich mehr Fälle als angenommen – 10 Jahre Kommission für Provenienzforschung (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung. Band 1). Böhlau Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-205-78183-7.
Weblinks
- Website der Kommission für Provenienzforschung
- Lexikon der österreichischen Provenienzforschung. Kommission für Provenienzforschung, Wien
Einzelnachweise
- ↑ Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen und sonstigem beweglichem Kulturgut aus den österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen und aus dem sonstigen Bundeseigentum (Text des Gesetzes – KRG; BGBl. I Nr. 181/1998 in der novellierten Fassung vom 16. November 2010).
- ↑ Der Auftrag und die Zuständigkeit der Kommission werden hier nach den Angaben auf der Website der Kommission für Provenienzforschung mit Stand vom 24. Juni 2023 wiedergegeben (Datum der Einsichtnahme).
- ↑ Dort stehen auch die Texte aus dem Sammelband von Eva Blimlinger und Heinz Schödl (Hrsg.): … (k)ein Ende in Sicht. 20 Jahre Kunstrückgabegesetz in Österreich. Wien/Köln/Weimar 2018 (Band 8 der Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung).
- ↑ Theodor Venus, Alexandra-Eileen Wenck: Die Entziehung jüdischen Vermögens im Rahmen der Aktion Gildemeester. Eine empirische Studie über Organisation, Form und Wandel von „Arisierung“ und jüdische Auswanderung in Österreich 1938–1941. Oldenbourg, Wien u. a. 2004, ISBN 3-7029-0496-4 (Band 20,2 der Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission, Nationalsozialistische Institutionen des Vermögensentzuges.)
- ↑ Die Historikerkommission der Republik Österreich zwischen 1998 und 2003 sollte im Auftrag der österreichischen Regierung den „Vermögensentzug“ während der Zeit des Nationalsozialismus sowie die seither erfolgten Rückgaben bzw. Entschädigungsmaßnahmen erforschen. Innerhalb von vier Jahren wurde dieser Auftrag unter Beteiligung von 160 Forschern und in Form von 47 Projekten abgewickelt. Die umfassenden Ergebnisse wurden in 49 Bänden veröffentlicht. Mit der Übergabe des Schlussberichtes an die Auftraggeber am 24. Jänner 2003 beendete diese Historikerkommission ihre Tätigkeit.
- ↑ Georg Graf, Lorenz Mikoletzky u. a. (Hrsg.): Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich. (Reihentitel inkl. des Schlussberichts). Böhlau Verlag, Wien bis 2003.