Kolumbienvireo

Kolumbienvireo

Kolumbienvireo in Ecuador

Systematik
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Vireos (Vireonidae)
Gattung: Eigentliche Vireos (Vireo)
Art: Kolumbienvireo
Wissenschaftlicher Name
Vireo masteri
P.G. Salaman & F.G. Stiles, 1996

Der Kolumbienvireo, auch Chocovireo genannt, (Vireo masteri) ist eine Vogelart aus der Familie der Vireos (Vireonidae).[1][2]

Der Vogel kommt in der biogeographischen Region Tumbes-Chocó-Magdalena im Nordwesten Südamerikas in Westkolumbien (Risaralda und Nariño) und Nordwestecuador (Provinz Esmeraldas und Provinz Pichincha) vor. Es handelt sich damit um den südlichsten Vertreter der Gattung Vireo.

Die Art wurde erstmals am 25. August 1991 von Paul Salaman beobachtet und zusammen mit F. G. Stiles im Jahre 1996 wissenschaftlich beschrieben.[3]

Der Lebensraum umfasst tropischen oder subtropischen primären Regenwald von 800 bis 2100 m Höhe mit einem unterbrochenen Blätterdach und 20 bis 30 m hohen Bäumen.[4][5]

Der Artzusatz bezieht sich auf den US-amerikanischen Arzt und Ornithologen Dr. Bernard F. Master (* 1941), der das Recht zur wissenschaftlichen Namensvergabe in einer Versteigerung erworben hatte.[6][7]

Merkmale

Die Art ist 12–13 cm groß und wiegt 11–12 g, als typischer mittelgroßer Vireo überwiegend oliv und matt gelb gefärbt. Charakteristische Merkmale sind helle Flügelbinden, blasse Beine und ein langer gelblicher Überaugenstreif, eine Kombination, die sonst kaum in dieser Gattung vorkommt.[8]

Die Oberseite ist olivfarben vom Scheitel über Rücken, Bürzel bis Oberschwanzdecken etwas heller werdend. Ein breiter grauer Augenstreif geht in die Zügel über und hebt den gelblichen Überaugenstreif hervor. Hinzu kommt ein unterbrochener schmaler, weißer Augenring. Die Ohrdecken sind gelblich braun, mitunter etwas oliv überhaucht. Die Flügeldecken sind grau mit breiten weißen Spitzen und bilden zwei Flügelbinden. Die Hand- und Armschwingen sind dunkelbraun mit schmalen gelbgrünen oder weißen Rändern. Der Schwanz ist ziemlich kurz. Die mittleren Steuerfedern sind olivfarben, die übrigen dunkelbraun, die äußeren drei Federpaare tragen blasse weißliche bis bräunliche Ränder. Die Kehle ist weißlich und gelb überhaucht, die Brust ist bräunlich gelb. Die Unterseite ist blass, die Flanken olivfarben, die Unterschwanzdecken sind strohgelb.

Der Oberschnabel ist schwärzlich, an der Spitze mitunter hornfarben, der Unterschnabel ist grau und an der Basis blasser. Die Iris ist dunkel braun, die Füße sind matt bläulich-grau. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Bei Jungvögeln kann die Iris grau sein und die Füße heller und bläulicher. Jungvögel sind blasser und mehr cremefarben an der Unterseite, die Flügelbinden sind breiter und gelblicher, der Überaugenstreif ist heller, was zu einem kontrastreicheren Erscheinungsbild führt.

Dem Kolumbienvireo ähnlich ist der Gelbbindenvireo (Vireo carmioli), der aber einen kürzeren und dickeren Überaugenstreif besitzt, einen breiten weißen Bogen unter dem Auge, einen kürzeren, durchgehend schwarzen Schnabel. Außerdem endet der schwarze Zügel am Auge. Auch der Streifenwaldsänger (Setophaga striata), der im Verbreitungsgebiet überwintert, kann je nach Blickrichtung erstaunlich ähnlich aussehen, hat aber einen kürzeren und schmaleren Schnabel, der Überaugenstreif ist schmaler, der Augensteif weniger deutlich. Dessen Zehen sind gelblich, die Unterschwanzdecken weiß und die Brust hat eine matte Strichelung.[4]

Geografische Variation

Die Art ist monotypisch.[1][4][9][10]

Stimme

Die Lautäußerungen werden als wirrer Triller über 2 bis 3 Sekunden beschrieben.[8] Die Art kann ausgiebig singen, nicht selten 20 bis 20 Minuten am Stück. Jeder Gesang ist nur wenige Sekunden kurz und besteht aus drei Teilen. Gegenüber anderen Vireos ist die Tonlage höher.[4]

Lebensweise

Die Art ist ein Standvogel. Gesehen wird sie einzeln oder paarweise, gelegentlich zusammen mit einem Jungvogel, meist auf epiphytenfreien Ästen, oft zusammen mit Gemischten Jagdgemeinschaften, in der Regel in 15 bis 25 m Höhe in den Bäumen, aber auch gelegentlich an Waldrändern.[5] Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, die von den Blättern in den Wipfeln, gern an den Unterseiten abgelesen werden. Die Brutzeit soll in der Trockenzeit liegen von Juni bis Oktober.[4][8]

Gefährdungssituation

Der Bestand gilt als potentiell gefährdet (Near Threatened) durch Habitatverlust.[11]

Commons: Kolumbienvireo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Kolumbienvireo, in Avibase – Die Weltvogel-Datenbank. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
  2. P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF
  3. P. G. W. Salaman und F. G. Stiles: Vireo masteri. In: Ibis, Band 138, S. 612–615, Ibis
  4. a b c d e S. G. Mlodinow: Choco Vireo (Vireo masteri), version 2.0. In: B. K. Keeney (Herausgeber): Birds of the World. 2023, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Vireo masteri
  5. a b O. Jahn,B. Palacios und P. Mena Valenzuela: Ecology, population and conservation status of the Chocó Vireo Vireo masteri, a species new to Ecuador. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club Band 127, S. 161–166, 2007, Biodiversity Library
  6. J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. S.&nbps;243, 1991, ISBN 0-19-854634-3.
  7. David McKay Wilson: Bird by Bird, 2017, PCOM
  8. a b c M. McMullan: Field Guide to the Birds of Colombia Rey Naranjo Editores, 2018, ISBN 978-958-8969-77-0
  9. IOC World Bird List Shrikes, vireos, shrike-babblers
  10. AviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025
  11. Vireo masteri in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2019. Eingestellt von: BirdLife International, 2019. Abgerufen am 05. Oktober 2025.