Kokuta Suda
Suda Kokuta (japanisch 須田 剋太 Kokuta Suda; * 1. Mai 1906 in Fukiage, Präfektur Saitama; † 14. Juli 1990 in Kōbe, Präfektur Hyōgo) war ein japanischer Maler, Kalligraf und Vertreter der abstrakten Nachkriegskunst Japans. In seinem Werk verband er westliche Maltechniken mit der Philosophie des Zen-Buddhismus und der japanischen Kalligrafie.[1][2]
Leben
Bereits in seiner Kindheit zeigte Suda Kokuta großes Interesse an der Kunst, stieß damit jedoch auf den Widerstand seines Vaters. Während einer längeren Nierenkrankheit, die ihn in seiner Jugend über Monate ans Bett fesselte, widmete er sich intensiv der Malerei. Nach seiner Genesung bewarb er sich mehrfach an der Tōkyō Bijutsu Gakkō (heute Tokyo University of the Arts), scheiterte jedoch jedes Mal an der Aufnahmeprüfung. In den 1930er Jahren begann Suda, Fleischstücke zu malen – ein Motiv, das er wiederholt aufgriff, um die „Essenz der Materie“ darzustellen. Dabei orientierte er sich an Künstlern wie Vincent van Gogh, Pablo Picasso und Amedeo Modigliani, ohne sie zu imitieren. Mitte der 1930er Jahre zog die Modernisierung Japans seine Aufmerksamkeit auf neue Materialien wie Asphalt, dessen zähe Struktur ihn künstlerisch inspirierte. 1933 lernte er den westlich orientierten Maler Manjirō Terauchi (1890–1964) kennen, der ihn ermutigte, neue Themen zu bearbeiten. 1935 erzielte Suda erste Ausstellungserfolge. Der Suizid seines befreundeten Kollegen Sadakatsu Nagafuchi im selben Jahr belastete ihn stark und führte zu einer seelischen Krise. In dieser Zeit begegnete er dem Zen-Mönch Sōetsu Mineo (1860–1954), dem Abt des Heirin-ji-Tempels. Mit ihm sprach er regelmäßig über Spiritualität. Der Zen-Buddhismus wurde fortan zu einem zentralen Einfluss auf sein Denken und Schaffen.[1]
In den späten 1930er Jahren gewann Suda mehrere Kunstpreise und erhielt Unterstützung durch private Mäzene, die ihm die Einrichtung eines Ateliers ermöglichten. Er studierte intensiv den Buddhismus, reiste in die Kansai-Region und arbeitete zeitweise im Kannon-ji-Tempel in Nara, wo er buddhistische Skulpturen und Artefakte malte. Während des Zweiten Weltkriegs war Suda fast zwei Jahre lang in einer Fabrik beschäftigt und konnte nicht künstlerisch tätig sein. In dieser Zeit schrieb er Gedichte und besuchte weiterhin Tempel in Nara. Nach Kriegsende verlor er seinen Förderer, fand jedoch eine Anstellung als Lehrer an einer Grundschule. Die Kreativität der Kinder beeindruckte ihn sehr.[1]
Ende der 1940er Jahre kam er mit Künstlerkreisen in Kontakt, die sich mit moderner Kunst und Philosophie befassten. Im Jahr 1949 empfahl ihm der Maler Saburō Hasegawa (1906–1957), die Schriften des Zen-Mönchs Dōgen (1200–1253), insbesondere das Shōbōgenzō, zu studieren. Diese Beschäftigung führte zu einer Abkehr von der gegenständlichen Malerei hin zur Abstraktion. 1950 veröffentlichte Suda seinen ersten Aufsatz über Kalligrafie in der Zeitschrift Shonobi (Schönheit der Kalligrafie). Die Zusammenarbeit mit dem avantgardistischen Kalligrafen Morita Shiryū (1912–1998) trug wesentlich zur theoretischen Fundierung seiner abstrakten Kunst bei. Suda sah die Linie als universelle Ausdrucksform und als „Selbstporträt des Künstlers“. Im Jahr 1955 lehnte er eine Einladung seines Freundes Jirō Yoshihara ab, der ihn der Künstlergruppe Gutai beitreten lassen wollte. Er blieb zeitlebens unabhängig.[1]
In den späten 1950er Jahren nahm er an bedeutenden internationalen Ausstellungen teil: 1957 vertrat er Japan auf der 4. São-Paulo-Biennale, 1959 auf der 11. Premio-Risoni-International-Art-Exhibition in Italien. 1961 folgte die Teilnahme an der Carnegie-International-Exhibition in Pittsburgh. In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich Suda auf abstrakte Malerei und Kalligrafie. In den 1970er- und 1980er-Jahren kehrte er teilweise zur figürlichen Darstellung zurück. Er entwickelte eine dynamische Kalligrafie mit kräftigen Linien, für die er oft dicke Bambuspinsel verwendete. Im Jahr 1971 illustrierte er eine Zeitungsserie des Schriftstellers Ryōtarō Shiba (1923–1996) mit dem Titel Going Along the Road. Die Zusammenarbeit erstreckte sich über zwei Jahrzehnte und führte die beiden auf zahlreiche Reisen durch Japan, Korea, die Mongolei und Europa. Insgesamt schuf Suda über 900 Illustrationen. 1976 erhielt er einen Ehrenpreis seiner Heimatstadt Fukiage. Im letzten Jahr seines Lebens, 1989, schuf er über 500 Werke. Er starb am 14. Juli 1990 im Alter von 84 Jahren in Japan. Kurz vor seinem Tod stiftete er rund 3000 Arbeiten an verschiedene Museen des Landes.[1]
Werk
Das Œuvre von Suda Kokuta umfasst Malerei, Kalligrafie und Buchillustrationen.[3] In seinen Werken verbindet er westliche Moderne mit buddhistischer Spiritualität. Charakteristisch sind starke Linien, expressive Texturen und ein meditativer Ausdruck. Suda Kokuta gilt als Pionier der Verbindung von Abstraktion und Kalligrafie. Seine Werke zeichnen sich durch dynamische Energie und eine charakteristische, kraftvolle Handschrift aus. Besonders seine späteren kalligrafischen Arbeiten sind weithin anerkannt und zeigen eine Nähe zum Zen-Buddhismus. Er experimentierte mit verschiedenen Techniken und Materialien wie Gouache, Mineralfarben und Tuschmalerei. Bedeutende Werke von ihm befinden sich in namhaften Sammlungen, darunter im Museum of Modern Art in Saitama, im Miho Museum in Shiga und im Los Angeles County Museum of Art.[1]
Literatur
- Chūshō no yonin : Suda Kokuta, Tsutaka Waichi, Motonaga Sadamasa, Shiraga Kazuo : tokubetsuten, Hyōgo no bijutsuka. Hyōgo Kenritsu Kindai Bijutsukan, [Kōbe-shi], 1975.
- Suda Kokuta ten. Shibunkaku, Kyoto-shi, 1995.
Weblinks
- Gregg Baker Asian Art
- Suda Kokuta. The Low Overpowers the High
- Nonaka-Hill
- Gallery 38
- Shibunkaku Co. Ltd.
- Minneapolis Institute of Art
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Suda Kokuta. In: Gregg Baker Asian Art. 2024, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
- ↑ Emptiness, 1986. Minneapolis Institute of Art, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).
- ↑ Kokuta Suda. 10. Januar 2022, abgerufen am 4. November 2025 (englisch).