Kobudo Kwai Deutschland
| Kobudo Kwai Deutschland e. V. | |
|---|---|
| Sportart | Kobudo |
| Gegründet | 2. April 1982 |
| Gründungsort | Billmerich |
| Vorsitzender | Sven Seibert |
| Vorstand | Sven Seibert, Karsten Matzdorf, Stefan Lünse |
| Verbandssitz | Leipzig |
| Website | www.kobudo.de |
Der Kobudo Kwai Deutschland e.V. (KKD) ist ein Dachverband für Kobudō in Deutschland und Europa. Hauptstilrichtung des KKD ist Gendai Goshin Kobu Jutsu.[1]
Im Gegensatz zum Deutschen Karate Verband (DKV), der sowohl waffenlose Kampfkunststile (z. B.: Shōtōkan Karate Dō) als auch Stile mit traditionellen Waffen (SOK Kobudo) repräsentiert[2], beinhaltet der KKD nur Stile, die den Umgang mit traditionellen Kobudō-Waffen lehren.
Geschichte
Gegründet wurde der Kobudo Kwai Deutschland e.V. am 2. April 1982 in Unna-Billmerich (NRW) und war damit der erste Sportverband für Kobudō in Deutschland und Europa. Gründungsmitglieder waren u. a. Dr. Georg Stiebler, Willi Stapf, Heinrich Conrads, Erich Hüggenberg und Gispert Krebs.[3]
In den folgenden Jahren wuchs die Mitgliederzahl beständig an, indem sich nach und nach vornehmlich Karate-Dojos aus mehreren Bundesländern dem KKD anschlossen, um neben Karate auch Kobudō unterrichten zu können. Später schlossen sich auch Dojos aus Tschechien[4] und der Slowakei[5] an. Neben den Lehrgängen und Trainingscamps in Deutschland fanden deshalb auch Treffen in Tschechien statt, an denen Vereine aus den drei Ländern teilnahmen.[6]
Anfang der 2000er richtete der KKD Deutsche Meisterschaften in Kobudō aus. Die Disziplinen wurden analog zum Wettkampf-Reglement im Deutschen Karate Verband unterteilt in Alterklassen, in weibliche und männliche Teilnehmer sowie in die Disziplinen Kata Shiai und Bo Shiai (freies Kämpfen gegen einen Gegner - analog zum Kumite). Der Wettbewerb Kata Shiai wurde zusätzlich in Einteilige- und Zeiteilige -Waffen unterteilt, um die Leistungen der Athleten besser vergleichen zu können. Bo Shiai wurde mit einem speziellen, gepolsterten Wettkampf-Bō bestritten, um Verletzungen zu vermeiden.[7][8][9][10] In jüngster Vergangenheit wurden keine Wettkänpfe mehr ausgerichet.
2010 bis 2024 leitete Rainer Seibert die Geschicke des KKD, indem er Kontakte zu Kobudō-Meistern in Okinawa knüpfte und intensivierte. Besonders enge Kontakte wurden zu Hanshi Tamayose Hidemi (Tesshinkan) und Shihan Oshiro Toshihiro (Yamanni Ryū) gepflegt. Rainer Seibert und damit der KKD gehörten zu den wenigen offiziellen Vertretern des Ryūkyū Kobudō Tesshinkan Kyōkai in Deutschland.[11] 2015 wurde Reiner Seibert mit dem "Distinguished Service Award" der Okinawa Prefecture Kobudo Federation für seine Verdienste bei der weltweiten Verbreitung der Kampfkunst Kobudō ausgezeichnet.[12]
Aktuell wird der KKD durch Sven Seibert (Vorsitzender), Karsten Matzdorf (stellvertretender Vorsitzender) und Stefan Lünse (Geschäftsführer) repräsentiert.[13]
Gendai Goshin Kobu Jutsu
Gendai Goshin Kobu Jutsu ist eine moderne Strömung innerhalb des Kobudō und bedeutet in etwa moderne, selbstverteidigungsorientierte Waffenmethode. Bedingt durch die Ausbildung von Georg Stiebler im Shōtōkan Karate Dō orientiert sich Gendai Goshon Kobu Jutsu bei den Ausführungen der Techniken hinsichtlich Dynamik, Krafteinsatz und Stand an diesem Karate-Stil.
Neben den klassischen Kobudō-Waffen aus Okinawa wie Bō, Sai, Tōnfa und Kama werden auch Hanbō und Tessen im KKD unterrichtet.
Im Gegensatz zu anderen traditionellen Kobudō-Stilen sind manche Kobudō-Waffen wie Tekko, Nunchaku oder Sansetsukon nicht Bestandteil des Lehrplans im KKD, da diese in Deutschland gemäß dem deutschen Waffengesetz verboten sind.[14][15]
Weitere Stilrichtungen
Zu den weiteren Stilrichtungen, die im KKD gepflegt werden, gehören Yamanni-Ryū (oft auch als Yamane Ryū bezeichnet) und Ryūkyū Kobudō Tesshinkan.
Graduierungen
Im KKD können sowohl Prüfungen in der Stilrichtung Gendai Goshin Kobu Jutsu als auch in den einzelnen Waffendisziplinen (z. B. Hanbō-Jutsu oder Sai-Jutsu) abgelegt werden. Im Gendai Goshin Kobu Jutsu durchläuft der Kobudoka während seiner Ausbildung nacheinander verschiedene Waffen, in den Waffendisziplinen erfolgt eine Spezialisierung auf eine Waffe. Die Einteilung in Schüler- und Meistergrade ist jeweils identisch.
Die beiden folgenden Grafiken zeigen die Einteilung der Schüler- und Meistergrade, entsprechend der Prüfungsordnung des KKD, die seit dem 30. August 2025 für die dem KKD angeschlossenen Vereine gilt.[16] Technische Prüfungen können nur bis einschließlich zum 5. Dan abgelegt werden. Danach erfolgt die Verleihung durch den Gesamtvorstand. Die höchste Graduierung, die bislang verliehen wurde, ist der 8. Dan.
Schülergrade
→ Hauptartikel: Kyū
| Kyū | 6. Kyū | 5. Kyū | 4. Kyū | 3. Kyū | 2. Kyū | 1. Kyū |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Rokkyū | Gokyū | Yonkyū | Sankyū | Nikyū | Ikkyū |
| Gürtelfarbe | weiß | gelb | orange | grün | rot | braun |
| Gürtelbild |
Meistergrade
→ Hauptartikel: Dan
| 1. Dan | 2. Dan | 3. Dan | 4. Dan | 5. Dan | 6. Dan | 7. Dan | 8. Dan | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | Shodan | Nidan | Sandan | Yondan | Godan | Rokudan | Nanadan | Hachidan |
| Farbe | schwarz | schwarz | schwarz | schwarz | schwarz | schwarz | schwarz | schwarz |
| Gürtelbild | ||||||||
| Mindestalter | 16 Jahre | 18 Jahre | 20 Jahre | 25 Jahre | 30 Jahre | – | – | – |
| Vorbereitungszeit | 1 Jahre | 2 Jahre | 3 Jahre | 4 Jahre | 5 Jahre | – | – | – |
Kata
Im Kobudo Kwai werden folgende Kata in den entsprechenden Stilrichtungen trainiert[17]:
| Waffe | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Stilrichtung | Hanbō | Bō | Sai | Tonfa | Kama |
| Gendai Goshin Kobu Jutsu | Hanbō Shodan
Hanbō Nidan Hanbō Sandan Hanbō Yondan Hate No Sho Hate No Dai Kanjo Kaiten Tsuken no So Fudushi No Sho Fudoshi No Dai |
Bō Shodan
Bo Nidan Bō Sanda Bō Yondan Kaiten Shuji No Kun Sho Shuji No Kun Dai Aya No Sho Sakugawa No Kun Sho Tsuken Ura No Bō |
Sai Shodan
Sai Nidan Sai Sandan Kyan No Sai Tsukenshitahaku No Sai Kishaba No Sai Dai Chatanyara No Sai Hamahiga No Sai Jigen No Sai Yakaa No Sai |
Tonfa Shodan
Tonfa Nidan Tonfa Sanda Tonfa Yondan Hamahiga No Tonfa Chatanyara No Tonfa |
Kama Shodan
Kama Nidan Kama Sandan Tozan No Kama Kanigawa No Kama |
| Ryūkyū Kobudō Tesshinkan | - | Shuji No Kun Sho
Shuji No Kun Dai Sakugawa No Kun Sho Sakugawa No Kun Dai Shirotaru No Kun |
Chikin Shitahaku No Sai
Chatanyara No Sai Hamahiga No Sai Tawada No Sai |
Hamahiga No Tonfa | Kanegawa No Nicho Kama |
| Yamanni-Ryū | - | Do Nyu Kun Ichi
Do Nyu Kun Ni Choun No Kun Sho Choun No Kun Dai Ryubi No Kun Suuji No Kun Shuji No Kun Sho Shuji No Kun Dai Sakugawa No Kun Sho Shirotaru No Kun Sho |
Shimabukuru No Sai Ni
Kyan No Sai Nakan Dakari Kishaba No Sai Dai |
- | - |
Siehe auch
- Portal:Budō
Einzelnachweise
- ↑ Kobudo Kwai Deutschland e.V. 5. Mai 2025, abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Stilrichtungen. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ Vom Verein zum Verband. In: KKD. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ Kampfkunst Universität Horakov. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
- ↑ gendai goshin kobujutsu | www.kobudo.sk. Abgerufen am 6. Oktober 2025.
- ↑ Klatovy2001SL. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ Yumpu.com: 02/2004 - Kobudo Kwai Deutschland. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ Yumpu.com: RUNDBRIEF 01 2006 - Kobudo Kwai Deutschland. Abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ SpVgg Bärenkeller 1946 e.V.: Deutsche Kobudo Meisterschaft 2007 in Hammelburg • Budoteam Bärenkeller. In: Budoteam Bärenkeller. 31. Dezember 2007, abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Hagen Walter: Wettkampf. In: Kobudo - Seishinkai Jena e.V. 18. Mai 2015, abgerufen am 7. Oktober 2025.
- ↑ Geschichte – Ryukyu Kobudo Tesshinkan Europe. Abgerufen am 4. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Budokai Sobernheim - Trainer. Abgerufen am 9. Oktober 2025 (deutsch).
- ↑ Vorstand des KKD e.V. – Kobudo Kwai Deutschland e.V. 4. Mai 2025, abgerufen am 4. Oktober 2025.
- ↑ § 1 WaffG - Einzelnorm. Abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Anlage 2 WaffG - Einzelnorm. Abgerufen am 29. September 2025.
- ↑ Hanbo-Jutsu – Kobudo Kwai Deutschland e.V. 30. August 2025, abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ SpVgg Bärenkeller e.V. 1946 e.V.: Offizielle Kata-Liste des Kobudo Kwai Deutschland e.V. • Budoteam Bärenkeller. In: Budoteam Bärenkeller. 2. Januar 2019, abgerufen am 6. Oktober 2025.