Košíře-Synagoge
Die Košíře-Synagoge (tschechisch Košířská synagoga) ist ein ehemaliges jüdisches Gebetshaus im Prager Stadtteil Košíře (heute Prag 5). Das Gebäude, das ursprünglich als Flügel des Wirtschaftshofs Popelka errichtet wurde, dient heute als Wohnhaus an der Adresse Na Popelce 201/3.
Geschichte
Die Synagoge wurde im Jahr 1849 erbaut. Zu dieser Zeit begann die jüdische Bevölkerung infolge der Revolutionen 1848/1849 aus dem zentralen Ghetto in die aufstrebenden Prager Vororte zu ziehen.[1] Sie wurde als Nordflügel des landwirtschaftlichen Anwesens Popelka konzipiert. Architektonisch handelte es sich um einen schlichten klassizistischen Bau mit hohen Rundbogenfenstern. Der Saal bot Platz für 100 Männer und weitere 50 Plätze auf der Frauenempore.[2]
1894 wurde die Jüdische Gemeinde von Košíře (die bis 1920 eine eigenständige Gemeinde war) mit der benachbarten Gemeinde von Smíchov zusammengelegt.[3] Das Gebäude diente seinem religiösen Zweck bis 1931, als es im Zusammenhang mit der Eröffnung der neuen Smíchov-Synagoge geschlossen wurde. Im Jahr 1933 wurde das Objekt zu einem jüdischen Waisenhaus und einem Heim für Bedürftige umgebaut.[2][3] Während der deutschen Besatzung nutzte die Treuhandstelle das Gebäude als Lager für geraubte Antiquitäten und Möbel aus jüdischen Wohnungen.[4]
Ein radikaler Umbau zu Mietwohnungen erfolgte im Jahr 1952. Bei dieser Modernisierung wurden die charakteristischen sakralen Elemente, einschließlich der Form der Fenster, entfernt, wodurch sich das Gebäude optisch der umliegenden Wohnbebauung anglich.[5]
Galerie
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Blick aus Nordwesten
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Blick von Osten
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Blick von Westen
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Gesamtansicht der Synagoge vor dem Umbau
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Innenraum der Synagoge
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Innenansicht in Richtung Toraschrein
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Das Gebäude nach dem Umbau zum Waisenhaus
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Heutiges Erscheinungsbild als Wohnhaus (Stand 2021)
Siehe auch
Literatur
- Jiří Fiedler: Židovské památky v Čechách a na Moravě (Jüdische Denkmäler in Böhmen und Mähren). Sefer, Prag 1992, ISBN 80-900895-1-8.
- Arno Pařík u. a.: Pražské synagogy (Prager Synagogen). Židovské muzeum v Praze, Prag 2000, ISBN 80-85608-33-2.
- Jiří Všetečka, Jiří Kuděla: Osudy židovské Prahy (Schicksale des jüdischen Prags). Grafoprint-Neubert, Prag 1993, ISBN 80-901208-5-7.
Weblinks
- Fotogalerie der Prager Synagogen im Pražský deník
Einzelnachweise
- ↑ Roman Vondra: 541. schůzka: Exodus. Český rozhlas Dvojka, 20. November 2005, abgerufen am 12. Januar 2026 (tschechisch).
- ↑ a b Zuzana Výborná: Židovské památky v Praze (Diplomarbeit). (PDF) Karls-Universität, Pädagogische Fakultät, 2006, abgerufen am 12. Januar 2026 (tschechisch, S. 45).
- ↑ a b Jiří Fiedler: Praha: Židovské památky v Čechách a na Moravě. Institut Terezínské iniciativy (Holocaust.cz), abgerufen am 12. Januar 2026 (tschechisch).
- ↑ Popelhofweg (Na Popelce). LootedArt.cz, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Pražské synagogy. Pražský deník (Vltava Labe Media), abgerufen am 12. Januar 2026 (tschechisch).