Kloster Weyarn
Das Kloster Weyarn ist ein ehemaliges Stift der Augustiner-Chorherren und heutiges Haus des Deutschen Ordens in Weyarn in Bayern in der Erzdiözese München und Freising. Die Anlage ist unter der Aktennummer D-1-82-137-3 als denkmalgeschütztes Baudenkmal von Weyarn verzeichnet.
Geschichte
Das St. Peter und Paul geweihte Kloster wurde 1133 durch Graf Siboto II. von Falkenstein an der Stelle der Burg Weyarn gegründet. Die geistliche Oberaufsicht hatte das Salzburger Domkapitel mit dem Vorschlagsrecht für den jeweiligen Propst.
In den Jahren 1236 und 1356 vernichteten Großbrände das Stift nahezu vollständig. Erst im späten 14. Jahrhundert hatte sich Weyarn von diesen Katastrophen erholt. Hiervon zeugte ab 1374 der Bau einer neuen Stiftskirche im Stil der frühen Gotik. Im Zeitalter der Reformation erlebte das Stift eine Phase geistlichen Verfalls.
Seit 1653 betreuten Chorherren die ständige Wallfahrtsseelsorge in Weihenlinden. Die prächtige Stiftskirche St. Peter und Paul erbaute Lorenzo Sciasca aus Roveredo von 1687 bis 1693 im Stil des Graubündner Hochbarock.[1]
Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. 1806 erwarben einige Chorherren den Konventstock. Prälatur und Refektorium wurden abgerissen, Kirche und St. Jakobs-Kapelle blieben erhalten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtete die Stadt München in Weyarn ein Waisenhaus. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts diente es als Führerschule der Hitlerjugend und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Lazarett. In der Nachkriegszeit übernahm das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNRA) die Anlage als Übergangsheim für "Displaced Persons". 1953 kaufte der Pädagoge Max Riel das Gelände von der Stadt München und gründete in Weyarn ein Privatschule. Sie stellte 1984 den Betrieb ein.
Deutscher Orden
Seit 1998 existiert im Kloster Weyarn ein Konvent der Deutschen Brüderprovinz des Deutschen Ordens. In ebendiesem Jahr wurde das Kloster zum Hauptsitz der Ordensprovinz (auch Priorat genannt) und der Deutschordenswerke. Das anfängliche Vorhaben des Wiederaufbaus des fehlenden Nordtraktes wurde vom Orden zugunsten der notwendigen restauratorischen Arbeiten in anderen Teilen des Gebäudekomplexes aufgegeben.
2014 sanierte der Orden 4 Apartments für Brüder, die im Konvent leben. Im Sommer 2018 wurde das neue Priorat eingeweiht.
Reihe der Pröpste
Quelle[2]
- Wilhelm, 1159, 1177
- Heinrich I.
- Conrad I., 1224
- Liebhard, 1273
- Gotschalk, 1307
- Wilhelm II.
- Rupert I., 1328
- Conrad II., um 1337
- Albert, 1350
- Heinrich II., 1372, † 1377
- Conrad III., † 1389
- Ulrich Liebslender, resignierte 1403
- Jakob I. Schlipfhaimer, 1404–1407 Administrator, 1407–1435 Propst
- Conrad IV. Schleher, 1435–1437
- Paul Thum, 1437–1440
- Christian Kiezagl, 1440–1465
- Friedrich Kirschner, 1465–1474
- Leonhard Lauffer, 1474–1490
- Georg I. Haffner, 1490–1509
- Georg II. Rotschmied, 1509–1532
- Jakob II. Kypfinger, 1532–1543
- Georg III. Schmidhamer, 1543–1549
- Caspar Holnsteiner, 1589–1607
- Wolfgang Reiffenstuel, 1607–1626
- Valentin Steyrer, 1626–1659
- Bernhard Glas, 1660–1671
- Benno Zach, 1672–1675
- Gelasius Harlas, 1675–1697, erhielt 1692 die Pontifikalien
- Praesidius Held, 1698–1731
- Patritius Zwick, 1731–1753
- Augustin Hamel, 1753–1765
- Rupert II. Sigl, 1765–1803, † 1. Mai 1804[3]
Kirche St. Peter und Paul
Die ehemalige Stiftskirche Sankt Peter und Paul ist jetzt Pfarrkirche. Der barocke Neubau aus Tuffsteinquadern entstand von 1687 bis 1693 unter Leitung von Lorenzo Sciascia. Der Turmunterbau entstand um 1630, der Oberteil ist von 1713. Das denkmalgeschützte Gebäude ist in die Denkmalliste eingetragen.
Weitere Gebäude
Unter Denkmalschutz stehen weitere ehemalige Klostergebäude:
- Seminargebäude
- Erweiterungsbau des ehemaligen Seminargebäudes und Theatersaal
- Seminarkapelle
- Richterstock
- Wallfahrtskapelle Maria Hilf
- Bedienstetenwohnungen und Ökonomiegebäude, jetzt Wohn- und Geschäftsgebäude
- Torhaus
- Konventsgebäude, sogenannter Petersstock
- Stallung, heute Wohn- und Geschäftshaus
- Stallung und Scheune der Brauerei
- Klosterfärberei
Literatur
- Florian Sepp: Weyarn. Ein Augustiner-Chorherrenstift zwischen katholischer Reform und Säkularisation (= Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte. Band 11). München 2003.[4]
- Jan H. Marbach: Die Augustiner-Chorherren an der Mangfall. Eine Geschichte des Klosters Weyarn und seines Einflußgebiets. Eigenverlag Gemeinde Weyarn, Weyarn 2002, ISBN 3-937425-00-4.
Weblinks
- Kloster Weyarn, Basisdaten und Geschichte:
Christian Lankes: Weyarn - Wein und Musik im wilden Tal in der Datenbank Klöster in Bayern im Haus der Bayerischen Geschichte - Die Geschichte der ehemaligen Stiftskirche
Einzelnachweise
- ↑ Weyarn - Wein und Musik im wilden Tal. In: Haus der Bayerischen Geschichte - Klöster in Bayern. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Michael Hartig: Die oberbayerischen Stifte, Band I: Die Benediktiner-, Cisterzienser- und Augustiner-Chorherrenstifte. Verlag vorm. G. J. Manz, München 1935, DNB 560552157, S. 222.
- ↑ Franz Besnard: Literaturzeitung für die katholische Geistlichkeit, 25. Jahrgang: Dritter Band: Juli, August, September. Druck und Verlag von Joseph Thomann, Landshut 1834, S. 129.
- ↑ Abstract der Arbeit von Florian Sepp über Kloster Weyarn ( vom 10. Juli 2009 im Internet Archive) auf lrz-muenchen.de
Koordinaten: 47° 51′ 27″ N, 11° 47′ 47″ O