Kloster Maria im Paradies

Kloster Maria im Paradies
Der Zellentrakt des Klosters im Winter
Lage Pichl 23, 5621 Sankt Veit im Pongau
Liegt im Bistum Erzdiözese Salzburg
Koordinaten: 47° 20′ 30,1″ N, 13° 9′ 40,2″ O
Gründungsjahr 1985 durch die Betlehemschwestern

Das Kloster Maria im Paradies (auch Kinderalm genannt) ist ein 1985 gegründetes Kloster der Kleinen Schwestern von Betlehem auf einem kleinen Plateau auf 1300 m Höhe in der Marktgemeinde Sankt Veit im Pongau im Bezirk St. Johann im Pongau im Land Salzburg. Mit Stand 2018 leben 33 Schwestern im Kloster. Jährlich legen zwei bis drei Novizinnen im Rahmen einer Professfeier ihre Gelübde ab.

Geschichte

Auf Initiative von Sr. Maria Haider wurden 1982 die „Kleinen Schwestern von Betlehem“ gegründet. Sie nahm 1983 Kontakt mit dem Salzburger Weihbischof Jakob Mayr auf und mit Matthäus Appesbacher, dem Bischofsvikar für die Orden in der Erzdiözese Salzburg, welche darauf mit ihr ins Kloster Montsvoirons nach Frankreich fuhren, um die Gründung eines Klosters von Betlehem in Österreich einzuleiten.

Ende 1983 kamen Sr. Maria Haider und eine weitere Schwester nach Salzburg um ein geeignetes Grundstück für ein Kloster zu finden. Die Wahl fiel schließlich auf die „Kinderalm“: mehrere Almhütten der Lungenheilanstalt Grafenhof (heute Landeskliniken St. Veit), welche dieser als Erholungsort für Lungenkranke Kinder dienten.

Am 19. Juli 1985 begannen schließlich Sr. Maria Haider und sieben weitere Schwestern des streng kontemplativen Ordens Monastische Familie von Betlehem, der Aufnahme Mariens in den Himmel und des heiligen Bruno das kontemplative Leben auf der Kinderalm.

1986 wurde den Schwestern nach einem Beschluss des Salzburger Landtags eine Fläche von 17.500 m² mit dem Baurecht für 80 Jahre überlassen.

Von 1988 bis 1989 wurden die ersten Eremitagen errichtet. Da aber laut der Tradition der Kartäuser noch ein „Oberes Haus“ fehlte, in welchem die Schwester in Einsamkeit leben konnten, wurde ein 33.000 m² Grundstück etwas oberhalb der ehemaligen Kinderalm erworben.

1995 wurden dann die ersten Eremitagen sowie eine Kapelle für das Obere Haus, nach den Plänen der Diplomarbeit des Architekten Matthias Mulitzer erbaut. Diese erste kleine Kapelle wurde am ersten Adventsonntag 1995 von Erzbischof Georg Eder geweiht.

Zwischen 1999 und 2008 begannen die Bauarbeiten für die Klosterkirche und den Zellentrakt, welcher aus 17 Eremitagen besteht die durch einen Kreuzganghof verbunden sind. Dieser Trakt ist mit der Kirche, welche ein Refektorium, einem Kapitelsaal und eine Bibliothek beinhaltet verbunden. Zusätzlich wurde ein Teich ausgehoben, welcher die Löschwasserversorgung des schwer erreichbaren Klosters sicherstellt. Der neue Komplex des Oberen Hauses wurde am 20. September 2008 durch Erzbischof Alois Kothgasser geweiht.[1]

Bis 2012 wurde der Zellentrakt noch einmal um 13 Zellen erweitert.

Unteres Haus

Das Untere Haus ist für die Öffentlichkeit bestimmt. Hier befinden sich neben dem Klausurbereich für die Schwestern, welche dieses Haus betreuen ein für Gäste zugänglicher Bereich. Dieser umfasst eine Kapelle, Gästeeremitagen und einen Wohnbereich für Angehörige der Schwestern. Des Weiteren befindet sich hier auch ein Verkaufsraum, in welchem Gäste die von den Klosterschwestern hergestellten Produkte erwerben können. In der öffentlichen Kapelle befindet sich jedes Jahr in der Adventszeit eine Krippe mit lebensgroßen Holzfiguren.

Oberes Haus

Das 500 m vom Unteren Haus entfernte Obere Haus ist das eigentliche Kloster und ausschließlich für die Schwestern bestimmt, welche hier in strenger Klausur mit Chorgebet und Eucharistiefeier leben.

Architektur

Der Gesamte Komplex des Oberen Hauses wurde unter der Planung des Goldegger Architekten Matthias Mulitzer, einem Experten der Kartäuserarchitektur errichtet.

Kirche

Das streng symmetrisch gehaltene geostete Kircheninnere hat ein 17 m langes, 7 m breites und 10 m hohes längsrechteckiges Langhaus mit einem erhöhten Chor, einer halbkreisförmigen Apsis und einem Kuppelgewölbe. Die rundbogigen Fenster liegen hoch knapp unter dem Ansatz des Tonnengewölbes. Auf der Ebene des Chores befindet sich links die Sakristei und rechts ein kleiner Kapellenraum. Das Langhaus steht in der Nutzung als Schwesternchor mit beidseitigem Chorgestühl aus Zirbenholz. Da die Klosterkirche nach den Klosterregeln von Laien nicht betreten werden darf, gibt es zwei kleine Emporen, welche über externe Stiegen erschlossen sind. Das Langhaus und der Chor sind längs an den Wänden und am Tonnengewölbe holzgetäfelt, das Chorgestühl läuft vor dem Chor aus und endet übereck in lebensgroßen Ikonen. Die Chorfront und die Apsis sind hell mit Lehm verputzt, die Session verläuft als Sitzbank entlang der halbrunden Apsis, mittig erhöht für den Priester. Die Nutzung des Klosterkirche wie auch der Liturgischen Orte erfolgt nach dem westlichen Ritus. Die Kirche ist mit ihren 36 Metern Länge die größte Holzkirche Österreichs.

Gebäudekomplex

Die geostete Klosterkirche bildet mit dem angebauten Refektorium und dem darüber liegenden Kapitelsaal mit einer Bibliothek als zweigeschoßigem Galerieraum einen längsrechteckigen Baukörper, getrennt durch einen Durchgang mit beidseitigen Wendeltreppen zu den Gastemporen. Die Wände sind vorgefertigte Fichte-Massivholz-Platten, außen mit einer Lärchenholzfassade verschalt, das Satteldach ist im Osten beim Chor über einen Dreiseitschluss abgewalmt, der Zwischentrakt der Wendeltreppen trägt den Dachreiter. Westlich schließt sich der quadratische Klosterhof mit einem Brunnen und einem umlaufenden überdachten Kreuzweggang an. Dahinter befindet sich der Löschteich, ein kleiner Pavillon und die 1995 errichtete erste Kapelle des Klosters. Nördlich dieser Gebäude schließen die reihenhausartig verschachtelten Eremitagen der Schwestern an, welche über gedeckte Gänge verbunden sind. Südseitig der Kirche befindet sich der Klosterfriedhof.

Klosterleben

Gemäß der Tradition des heiligen Bruno führen die Schwestern ein Leben in Stille und Einsamkeit in schwesterlicher Gemeinschaft. Die meiste Zeit des Tages, der schon um halb vier Uhr beginnt, verbringen die Schwestern in ihrer Zelle, wo sie beten, sich dem geistlichen Studium widmen und arbeiten. Zweimal täglich versammeln sie sich in der Kirche um Matutin, Laudes, Vesper und Eucharastie feiern. Nur der Sonntag wird in Gemeinschaft verbracht.

Finanzierung

Den Bau des Klosters Haben die Schwestern durch Unterstützung der Erzdiözese Salzburg, des „Vereins der Freunde und Freunde der kleinen Schwestern“ und zahlreiche Spender finanziert. Ihren Lebensunterhalt bestreiten die Schwestern durch den Verkauf von Naturprodukten, Kunsthandwerk, Ikonen und Keramik, welche im Kloster in Handarbeit hergestellt werden.[2]

Auszeichnungen

Literatur

  • Römisch-katholisches Kloster Maria im Paradies Kinderalm. In: Constantin Gegenhuber: Gebaute Gebete. Christliche sakrale Architektur. Neubauten in Österreich 1990–2011. Kunstführer, Verlag Anton Pustet, Salzburg 2011, ISBN 978-3-7025-0632-2, S. 220–227.

Einzelnachweise

  1. Kloster „Maria im Paradies“. In: Famille monastique de Bethléem. Abgerufen am 21. November 2025.
  2. Karin Lindenthaler: Heimatbuch St. Veit. Hrsg.: Marktgemeinde St. Veit im Pongau. 2. Auflage. 2018, S. 95–96.