Kloster Belaschtiza
Das Kloster Belaschtiza »Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche« (bulgarisch Белащински манастир »Свети великомъченик Георги Победоносец«) ist ein Nonnenkloster im geistlichen Bezirk Plowdiw der Diözese Plowdiw der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Seine Gründung als Mönchskloster erfolgte zu Beginn der Periode der byzantinischen Herrschaft über Bulgarien (1018–1185). Es gilt als eines der ältesten und schönsten Klöster Bulgariens.
Lage
Die Klosteranlage befindet sich ca. 10 km südlich des Zentrums der Stadt Plowdiw. Sie liegt am Südrand des Dorfs Belaschtiza (с. Белащица) auf der Nordflanke des Gebirgsteils Tschernatiza (дял Чернатица) der Westrhodopen.[1] Das Dorf ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Rhodopi (Община Родопи).[2]
Geschichte
Anfang des 11. Jahrhunderts begann der byzantinische Kaiser Basileios II. mit der Rückeroberung zuvor an Bulgarien verlorener Territorien.[3] In diesem Rahmen kam es am 29. Juni 1014 zur Schlacht von Kleidion. Dabei verteidigten bulgarische Streitkräfte unter Zar Samuil eine befestigte Engstelle zwischen den Gebirgen Ograschden und Belasiza in der Nähe des heutigen Dorfs Kljutsch (с. Ключ). Während die von Basileios kommandierten Truppen die Stellungen frontal angriffen, umgingen die von General Nikephoros Xiphias geführten Einheiten die Front über das unwegsame Belasiza-Gebirge und fielen den Bulgaren in den Rücken. Dies resultierte in einem triumphalen byzantinischen Sieg. Laut dem byzantinischen Geschichtsschreiber Johannes Skylitzes machten die Byzantiner ca. 15.000 Gefangene. Basileios ließ diese in Gruppen zu jeweils 100 Mann einteilen, von denen alle bis auf einen geblendet wurden.[4]
Nikephoros Xiphias erhielt 1018 in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste die Position des Strategos (Gouverneurs) der Provinz Philippopolis. Zusätzlich übergab ihm der dankbare Kaiser größere Ländereien.[5] Zur Bewirtschaftung der Felder wurde ihm ein Teil der Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte zugeteilt. Der Legende nach gründeten diese das Dorf Belasiza, das später den Namen Belaschtiza erhielt.[6][7] Nikephoros Xiphias ließ sich südlich des Dorfs eine palastartige Burg errichten. In einer Entfernung von nur 1000 m gründete er im Jahr 1020 ein Kloster. Zum Patron bestimmte er den Heiligen Georg. An der gewählten Stelle existierte bereits ein vorchristliches Quellheiligtum, das dem Thrakischen Reiter, einem thrakischen Militärgott, geweiht war.[6][8] Die Legende erzählt, dass einige der bulgarischen Gefangenen ihr Augenlicht zurückerhielten, nachdem sie sich mit Wasser aus der heiligen Quelle die Augen gewaschen hatten.[9]
Während des Einmarsches osmanischer Truppen im Jahre 1364 kam es zur Zerstörung des Klosterkomplexes.[6][9] Ein Kirchenbauverbot wurde ausgesprochen und seitens der osmanischen Behörden erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelockert.[10] Anschließend konnte der Wiederaufbau des Klosters angegangen werden. Die Klosterkirche und der Küchentrakt wurden 1838 fertig gestellt. Der Klosterhof war schließlich allseits von von zwei- und teils dreigeschossigen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden umrahmt.[8]
Der Russisch-Osmanische Krieg (1877/78) bildete für das Kloster eine erneute Zäsur. Zur Zeit der Schlacht bei Karaagaç (heute Brestnik, с. Брестник) am 4. und 5. Januar 1878 wurde es von osmanischen Truppen geplündert. Wenig später steckten marodierende Başı Bozuken den Komplex in Brand. Nur die Kirche und der Küchentrakt blieben von den Flammen verschont.[8]
Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau einzelner Gebäude.[6] Obwohl Sultan Abdülaziz am 28. Februar 1870 mit dem Ferman zur Errichtung des Bulgarischen Exarchats die bulgarische Kirchenorganisation wiederhergestellt hatte, blieb das Kloster unter der Jurisdiktion des griechisch dominierten Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. In der Nacht zum 20. Juli 1906 verschaffte sich eine Gruppe von 40–50 Männern aus den Dörfern Belaschtiza, Markowo und Karaagaç Zutritt zum Kloster und erzwang die Übergabe an das Bulgarische Exarchat.[8] Makarij Petrow (Макарий Петров) wurde der erste bulgarische Igumen (Klostervorsteher). Die Baulichkeiten befanden sich damals in einem schlechten Zustand. So kam es am 17. Juni 1911 zum Einsturz eines Teils der Westwand des Klosters. Die Reparatur erfolgte erst in den Jahren 1923/24.[8]
2020 konnte das Kloster sein 1000-jähriges Gründungsjubiläum begehen. Zur Vorbereitung der Feierlichkeiten rief der Lokalhistoriker Pejtscho Pejtschew (Пейчо Пейчев) († 2023)[11] aus Belaschtiza eine Initiative ins Leben, die die Renovierung des Klosterhofs übernahm.[12] Nur wenige Jahre nach dem Jubiläum brach eine Stützmauer im Nordflügel unterhalb des Wohnbereichs der Schwestern und der Kapelle »Maria Schutz« ein.[12] Inzwischen wurden 600.000 Lewa vom Staatlichen Landwirtschaftsfond (Държавен фонд „Земеделие”) für die Durchführung der Instandsetzungsarbeiten bewilligt.[13]
Das Kloster hat heute den Status eines Kulturdenkmals.[14]
Kunst und Architektur
Klosteranlage
Der Klosterkomplex hat die Form eines nach Südosten orientierten Rechtecks. Die Pforte liegt an seiner Nordwestseite. Von den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sind heute nur der Ostflügel sowie der Ostteil des Nordflügels vorhanden. Die Grundmauern des westlichen Teils des Nordflügels sind noch gut erkennbar. Die Anlage ist von einer Bruchsteinmauer umfriedet. Bedingt durch die Hanglage des Grundstücks weist der Klosterhof zwei Niveaus auf. Eine Stützmauer aus Naturstein teilt ihn in einen höheren südlichen und tieferen nördlichen Teil. Auf der oberen Ebene steht die geostete Kirche »Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche«. Der untere Teil des Hofs ist baumbestanden. Für Besucher stehen Pavillons zur Verfügung. Unterhalb der Kirche ist ein Rohrbrunnen erhalten. Eine Marmortafel vom 25. September 1831 erinnert, dass dieser in der Amtsperiode von Igumen Antim Muldawski (Антим Мулдавски) erbaut wurde.[8] Der Glockenturm wurde vor dem Eingang des Nordflügels errichtet. Die Glocken stammten aus dem Kloster Bjala Tscherkwa.[6]
Kirche »Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche«
Die Klosterkirche ist eine einschiffige, kuppellose Kirche mit einer Apsis. Sie verfügte sowohl über eine innere (Esonarthex) als auch eine äußere Vorhalle (Exonarthex).[6] Die Kirche wurde teilweise auf den Fundamenten ihrer mittelalterlichen Vorgängerin erbaut. Der Gemeinderaum (Naos) hat die Form eines Rechtecks. Er wird über jeweils vier Fenster auf der Nord- und der Südseite erhellt. In den Überresten des Narthex waren die mittelalterliche Fresken erhalten geblieben. Der Naos wurde dagegen durch den bedeutenden Künstler aus der Zeit der Bulgarischen Wiedergeburt, Sachari Sograf (Захарий Зограф), ausgestaltet.[8] Die Außenwände sind in weiß gehalten. Die Weihe erfolgte im August 1839 durch den griechisch-orthodoxen Metropoliten Nikifor (bulgarisch Никифор, griechisch Νικηφόρος) von Plowdiw. 1930 veranlasste der Bürgermeister von Belaschtiza, die Fresken mit einer Schicht Putz zu überdecken, da sie aufgrund griechischer Inschriften nicht in eine bulgarisch-orthodoxe Kirche gehörten.[8] Inzwischen hat man die Kirche erneut mit Wandbildern versehen. Diese wurden z. T. erst nach dem Jahr 2000 gefertigt. Unterhalb der Bilder sind jeweils die Namen der Stifter sowie die Jahre, in denen sie angelegt wurden, genannt.
Kapelle »Maria Schutz«
Die Kapelle »Maria Schutz« (Параклис »Покров Богородичен«) befindet sich im Nordflügel des Klosters.[12] Während des Winters kommen dort die Nonnen zum Stundengebet zusammen.[7] In der Kapelle werden die wundertätigen Ikonen »Hl. Mutter Gottes Tricheirousa« (»Св. Богородица Троеручица«) und »Hl. Mutter Gottes mit den sieben Pfeilen« (»Св. Богородица Седмострелна«) aufbewahrt. Letztere stammt aus dem Jahr 1903.[15]
Heilige Quelle
Die im Kloster entspringende heilige Quelle wird auch die »Lebensspendende Quelle« (»Животворящия източник«) genannt.[16] Ihre Brunnenstube liegt unterhalb des Exonarthex der Klosterkirche. Der Zugang befindet sich in einem kleinen Anbau an der Südwestecke der Kirche. Vom Eingang führen einige Stufen hinab zum Quellaustritt. Bis heute gibt es Berichte über Wunderheilungen.[6]
Patronatsfest
Das Patronatsfest des Klosters ist der Georgstag (Георьовден, transkribiert Georjowden), der nach dem orthodoxen Heiligenkalender am 6. Mai begangen wird.[12][16] An diesem Tag kommen Gläubige aus dem ganzen Land zum Festgottesdienst zusammen. Den Gästen wird Kurban (Fleischsuppe) bzw. in der Fastenzeit gebackener Fisch gereicht, der in der Klosterküche zubereitet wird.[15]
Literatur
- Пейчо Пейчев (Pejtscho Pejtschew): Белащенски манастир „Св. Георги“ (bulgarisch, Übersetzung: Kloster Belaschtiza „Hl. Georg“). 32 S., Екобелан, Sofia 2012, ISBN 978-954-8812-61-0.
- Paul Stephenson: The Legend of Basil the Bulgar-Slayer. 190 S., Cambridge University Press, Cambridge, 2010, ISBN 978-0-521-15883-1.
- Georgi Tschavrakov: Bulgarische Klöster. 2. Auflage, 379 S., Verlag Septemvri, Sofia 1978, DNB 202784185.
- Николай Тулешлов (Nikolaj Tuleschkow): Архитектурна Памет Белащенският Манастир (bulgarisch, Übersetzung: Archtitekturdenkmal Kloster Belaschtiza). Арх & Арт борза, 1996, 17, S. 12–13, Sofia 1996.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Село Белащица (svetimesta.com; bulgarisch, Übersetzung: Das Dorf Belaschtiza)
- ↑ Община Родопи (Gemeinde Rhodopi): Белащица – Община Родопи (rodopi.bg; bulgarisch, übersetzung: Belaschtiza – Gemeinde Rhodopi)
- ↑ Paul Meinrad Strässle: Krieg und Frieden in Byzanz. Österreichische Militärische Zeitschrift, 2002, 6, Wien
- ↑ Paul Stephenson, 2003, S. 2–3
- ↑ Belashtitsa Monastery, Orthodoxes Kloster im Dorf Belashtitsa, Bulgarien (de.aroundus.com, 2025)
- ↑ a b c d e f g Белащински манастир „Св. Георги Победоносец“ (svetimesta.com; bulgarisch, Übersetzung: Kloster Belaschtiza „Hl. Georg der Siegreiche“)
- ↑ a b Белащински манастир „Св. Великомъченик Георги Победоносец” (www.plovdivskamitropolia.bg; bulgarisch: Kloster Belaschtiza „Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche“)
- ↑ a b c d e f g h Николай Тулешков (Nikolaj Tuleschkow), 1996, S. 12–13
- ↑ a b Таня Николчева (Tanja Nikolschtewa): Белащенският манастир „Св. Великомъченик Георги Победоносец“ (agroinfo.bg, 2025; bulgarisch, Übersetzung: Das Kloster Belaschtiza „Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche“)
- ↑ Georgi Tschavrakov, 1978, S. 89
- ↑ Игнат Илиев (Ignat Iliew): В памет на Пейчо Пейчев, посветил години на един от най-старите манастири в България – белащенския „Свети Георги“, (rodopi-info.com, 2023; bulgarisch, Übersetzung: Zum Gedenken an Pejtscho Pejtschew, der Jahre einem der ältesten Klöster Bulgariens widmete – dem Kloster Belaschtiza „Heiliger Georg“)
- ↑ a b c d Николай Чапански (Nikolaj Tschapanski): Белащенският манастир стана на 1000 години, (www.marica.bg, 2020; bulgarisch, Übersetzung: Das Kloster Belaschtiza wird 1000 Jahre alt)
- ↑ Манастирът в Белащица, който навърши 1000 години продължава да се руши, (kritichno.bg, 2024; bulgarisch, Übersetzung: Das Kloster in Belaschtiza, das 1000 Jahre alt ist, geht weiter dem Verfall entgegen)
- ↑ 1000 години Белащенски манастир “Св. Георги“ - скромно тържество навръх Гергьовден (plovdivnow.bg, 2020; bulgarisch, Übersetzung: 1000 Jahre Kloster Belaschtiza „Hl. Georg“ – eine bescheidene Feier am Georgstag)
- ↑ a b Радко Паунов (Radko Paunow): Може и бой да ям, притеснява се единствената монахиня в един от най–старите манастири до Пловдив (снимки) (www.24plovdiv.bg, 2024; bulgarisch, Übersetzung: Ich könnte sogar geschlagen werden, sorgt sich die einzige Nonne in einem der ältesten Klöster bei Plovdiv (Aufnahmen))
- ↑ a b Пловдивска света митрополия (Hl. Diözese Plowdiw): Гергьовден в манастира „Св. вмчк Георги Победоносец“ в село Белащица (bg-patriarshia.bg, 2025; bulgarisch, Übersetzung: Georgstag im Kloster „Hl. Erzmärtyrer Georg der Siegreiche“ im Dorf Belaschtiza)
Koordinaten: 42° 3′ N, 24° 45′ O