Klinkel’sche Mühle

Die Klinkel’sche Mühle ist ein historischer Mühlenhof und eine denkmalgeschützte Gesamtanlage in Gießen. Die Anlage am rechten Ufer der Lahn ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Mühlen- und Industriegeschichte und beherbergt heute ein Kleinwasserkraftwerk, Büro- und Dienstleistungsstandorte sowie die überregional bekannte Fischbeobachtungsstation am dazugehörigen Lahnwehr bzw. Lahnfenster.[1]

Lage

Die Anlage befindet sich im Westen der Gießener Innenstadt, am linken Lahnufer an der Straße Zu den Mühlen und in unmittelbarer Nähe des Bootshafens. Das Ensemble umfasst den ehemaligen Mühlenhof entlang der Bootshausstraße, das Lahnwehr mit der integrierten Fischaufstiegsanlage und den historischen Abzweig des Mühlgrabens. Die Mühle liegt im Gemarkungsteil der ehemaligen Obermühle Gießen.

Nutzungsgeschichte

Die Ursprünge der Mühlenanlage reichen bis in die 1530er-Jahre zurück. An dieser Stelle wurde damals die Gießener Obermühle angelegt, die ursprünglich aus zwei Teilen bestand und eine von drei Stadtmühlen war.[2] Ab den 1870er Jahren betrieb Ferdinand Burk die Mühle und erbaute das heute noch vorhandene Gebäude. Die ursprüngliche Planung sah einen viergeschossigen Baukörper mit gleichmäßig gereihten Rundbogenfenstern vor, welcher im späteren Verlauf um zwei zusätzliche Geschosse aufgestockt wurde.[2] Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem historischen Mahlbetrieb ein Mühlenhof. Nach der Einstellung des klassischen Mühlenbetriebs wurde der Standort schrittweise für moderne Nutzungen umgebaut und dient seit Mitte des 20. Jahrhunderts primär der Energiegewinnung und als Gewerbestandort.[3] Die Klinkel’sche Mühle nutzt die Wasserkraft der Lahn seit 1954 zur Stromerzeugung und wird seither in Familienbetrieb als kleines Wasserkraftwerk geführt.[3] Im Jahr 2018 wurde die Anlage umfassend modernisiert. Dabei wurde die Technologie zur Nutzung der Wasserkraft erneuert, um die Effizienz der Stromerzeugung zu steigern. Das Kraftwerk speist die gewonnene elektrische Energie in das öffentliche Netz ein.[3] Heute dienen Teile der Gebäude als Büro- und Dienstleistungsstandorte für verschiedene Unternehmen.[4]

Fischaufstieg und Fischbeobachtung

Direkt am zugehörigen Lahnwehr der Mühle befindet sich eine ökologisch bedeutende Fischaufstiegsanlage (auch Fischpass genannt). Diese Anlage dient der Gewässerdurchgängigkeit, indem sie Wanderfischen und anderen aquatischen Organismen ermöglicht, das Wehr zu umgehen und ihre Laich- oder Futtergebiete flussaufwärts zu erreichen. In die Fischaufstiegsanlage ist eine spezielle Fischbeobachtungsstation integriert, die als Lahnfenster bekannt ist. Durch eine verglaste Wand können Besucherinnen und Besucher die Fische in situ beim Aufstieg beobachten. Das Lahnfenster dient damit der Umweltbildung.

Einzelnachweise

  1. Fenster zu einer anderen Welt. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  2. a b Gießen, Klinkels Mühle – Industriekultur Mittelhessen. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  3. a b c Die Klinkel‘sche Mühle in Gießen erzeugt seit 1954 Energie – Industriekultur Mittelhessen. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  4. admin-ott: Klinkel'sche Mühle. In: Wolfgang Ott - Architekt BDA. 11. Oktober 2000, abgerufen am 14. Dezember 2025.

Koordinaten: 50° 35′ 22″ N, 8° 40′ 7,5″ O