Kleinräschen

Kleinräschen
RańkVorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/Alternativname falsch
Koordinaten: 51° 35′ N, 14° 0′ O
Höhe: 114 m ü. NHN
Eingemeindung: 1. April 1925
Postleitzahl: 01983
Vorwahl: 035753

Kleinräschen (niedersorbisch Rańk) war eine Gemeinde auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Sie wurde am 1. April 1925 mit dem benachbarten Räschen (welches in den 1420er erstmals mit dem Zusatz "Groß-" als "Groß-Räschen" bezeichnet wurde) zu der heutigen Stadt Großräschen zusammengelegt und gehört heute zum Zentralort.

Lage

Kleinräschen liegt in der Niederlausitz, etwa zehn Kilometer nördlich der Kreisstadt Senftenberg. Umliegende Ortschaften sind neben dem restlichen Teil der Kernstadt Großräschen im Norden, Allmosen, Dörrwalde und Schmogro (Großräschen-Ost) im Osten, die Senftenberger Ortsteile Sedlitz im Südosten sowie die zur heutigen Senftenberger Kernstadt gehörende Calauer Siedlung im Süden, der Schipkauer Ortsteil Meuro im Südwesten sowie Freienhufen im Westen. Zwischen Kleinräschen und Senftenberg lagen die durch den Tagebau Meuro größtenteils devastierten Ortschaften Reppist und Bückgen (Großräschen-Süd), sowie die vollständig verschwundenen Ortschaften Rauno, Sauo und die Siedlung Sedlitz-West.

Südlich von Kleinräschen lag früher der Tagebau Meuro. Durch Flutung des Restlochs entstand dort der Großräschener See, an dessen Ufer noch ein Teil des ehemaligen Bückgen liegt. Der ursprüngliche Dorfanger von Kleinräschen befindet sich an der Alten Lindenstraße, der Feldstraße und der Neuen Straße südlich zur Freienhufener Straße. Südlich von Kleinräschen verläuft die Bundesstraße 96 und bildet die Grenze zu Bückgen, dem heutigen Großräschener Hafenviertel, wo sich unter anderem das Seehotel, die Seeterassen und ein Infopoint des Lausitzer Seenlandes befinden.

Geschichte

Kleinräschen wurde im Jahr 1370 als Kleinen Redschin erstmals urkundlich erwähnt. Das benachbarte Räschen wurde ebenfalls im selben Jahr erstmals erwähnt, dass wendische, als Straßenangerdorf angelegte Kleinräschen ist allerdings wesentlich älter. Ernst Eichler und Hans Walther leiten den Namen von Rěčina, also in etwa „Ort am Bach“, ab.[1] Früher floss der Räschener Bach durch den Ort, der auch die Ortsgrenze mit dem nordöstlich gelegenen Räschen bildete.[2] Reinhard E. Fischer leitet den Ortsnamen von dem slawischen Personennamen Radscha ab.[3]

Bis in das 19. Jahrhundert hinein war Kleinräschen ein überwiegend sorbischsprachiges Dorf. Durch den starken Aufschwung des Braunkohlebergbaus ab Ende des 19. Jahrhunderts kamen viele Menschen aus dem damals weitgehend deutschsprachigen Schlesien und Böhmen nach Kleinräschen, wodurch der Gebrauch der sorbischen Sprache stark zurückging. Arnošt Muka zählte für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Lausitz im Jahr 1884 eine Gesamteinwohnerzahl von 324, davon waren allerdings nur noch 120 Sorben und 204 Deutsche, was einem sorbischsprachigen Anteil von 37 % entsprach.[4] 1891 wurde im westlichen Gemeindegebiet an der Straße nach Dobristroh die Arbeitersiedlung Anhalter Kolonie angelegt. Aufgrund reicher Tonvorkommen in und um Kleinräschen bildete sich ab 1900 zudem eine Ziegelindustrie. Von 1954 bis 1990 wurden in der Betriebsberufsschule der Ziegler des Nachbarort Bückgen Ziegler für das gesamte Gebiet der DDR ausgebildet.

Im April 1925 wird Kleinräschen mit dem Nachbarort Räschen (Groß-Räschen) zusammen gelegt. Im März 1946 erfolgten die Eingemeindungen von Bückgen (Großräschen-Süd) und Schmogro (Großräschen-Ost).

Im Gegensatz zu der Ortsnamensgebung war Kleinräschen bei Eingemeindung 1925 größer als das benachbarte Räschen und zählte insgesamt 3.893 Einwohner, wohingegen es in Räschen nur 2.917 Einwohner gab.[2]

Kleinräschen liegt im Lausitzer Braunkohlerevier. Südlich von Kleinräschen grenz mit der Mühlen- und Seestraße das weitgehend devasierte Bückgen, wo sich bis zum Ende der DDR die Großräschener Ziegeleien, das Institut für Braunkohlenbergbau, die Zufahrt sowie mehrere Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude des Tagebau Meuro, des VEB-BuS Welzow und des Stammkombinats VEB-BKK Senftenberg befanden. Im Jahr 1999 wurde der Betrieb des Tagebaus eingestellt und dessen Areal wird seitdem von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) saniert. Im März 2007 wurde mit der Flutung des Restlochs begonnen. Am Ufer des entstandenen Großräschener Sees befindet sich der Großräschener Hafen mit Seebrücke und mehrere Hotels. Das mit seiner Optik an das Schloss Bellevue in Berlin erinnernde Seehotel Großräschen entstand aus dem früheren Ledigenwohnheim der Ilse-Bergbau AG in Bückgen (Großräschen-Süd).

Mit dem Neubau des Lehrbauhofs Großräschen an der Werner-Seelenbinder-Straße befindet sich seit 1993 eine Berufsausbldungsstätte der Handwerkskammer Cottbus unweit der Ortslage Bückgen-Kleinräschen. Die frühere Berufsschule an der Ernst-Thälmann-Straße (heute: Seestraße) stellte ihren Betrieb jedoch im Herbst 1993 ein, wurde zeitweilig zum Gymnasium und beherbergt heute die Friedrich-Hoffmann-Oberschule.

Nach dem Wiener Kongress ging die gesamte Niederlausitz an das Königreich Preußen über. Bei der Kreisneubildung 1816 kam Kleinräschen zum Landkreis Calau in der Provinz Brandenburg, die 1947 zum Land Brandenburg wurde. Am 6. Februar 1925 genehmigte das preußische Staatsministerium den Zusammenschluss der Gemeinden Kleinräschen und Räschen (Groß-Räschen) zur Gemeinde Großräschen, welcher zum 1. April 1925 erfolgte.[2] Am 25. Juli 1952 kam Kleinräschen als Ortsteil von Großräschen zum Kreis Senftenberg im Bezirk Cottbus. 1965 bekam die gebildete Gemeinde das Stadtrecht verliehen. Nach der Wende lag der Ort zunächst im Landkreis Senftenberg in Brandenburg, mit der Kreisreform im Dezember 1993 im Landkreis Oberspreewald-Lausitz.[5]

Persönlichkeiten

  • Herbert Scurla (1905–1981), Volkswirt und Schriftsteller, geboren in Kleinräschen
  • Werner Hüttig (1908–1972), Rassenhygieniker und Hochschullehrer, geboren in Kleinräschen
  • Fritz Bönisch (1923–2007), Heimatforscher

Einzelnachweise

  1. Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Akademie-Verlag, Berlin 1975.
  2. a b c Torsten Richter-Zippack: Das Kleine war das Größere. In: lr-online.de. Lausitzer Rundschau, 12. Juni 2015, abgerufen am 18. Januar 2018.
  3. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin: Alter - Herkunft - Bedeutung. be.bra Wissenschaft, 2005, S. 139.
  4. Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954.
  5. Kleinräschen, Klein Räschen, Rańk im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 26. Oktober 2025.