Kleinhaugsdorf
| Kleinhaugsdorf (Dorf) Ortschaft | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Pol. Bezirk, Bundesland | Hollabrunn (HL), Niederösterreich | |
| Gerichtsbezirk | Hollabrunn | |
| Pol. Gemeinde | Haugsdorf (KG Augenthal, Unterretzbach) | |
| Koordinaten | 48° 45′ 13″ N, 16° 3′ 53″ O | |
| Höhe | 235 m ü. A. | |
| Einwohner der Ortschaft | 19 (1. Jän. 2025) | |
| Statistische Kennzeichnung | ||
| Ortschaftskennziffer | 03782 | |
| Ortsansicht mit Kapelle | ||
| Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS | ||
Kleinhaugsdorf ist eine Ortschaft der Marktgemeinde Haugsdorf im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich mit 19 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2025).[1] Bekannt ist der Ort durch den Grenzübergang Kleinhaugsdorf/Hatě zwischen Niederösterreich und Mähren.
Geografie
Kleinhaugsdorf befindet sich etwa 10 km südlich von Znaim und wird von Haidgraben entwässert, der über die Daníž (deutsch Danischbach) in den Thayamühlbach abfließt. Die Europastraße 59, die in Österreich über die Weinviertler Straße und in der Folge über die Weinviertler Schnellstraße geführt wird und auf tschechischer Seite über die Silnice I/38, einer Staatsstraße (Straße I. Klasse), passiert hier die Staatsgrenze. Am 1. April 2020 umfasste die Ortschaft 24 Adressen.[2]
Kleinhaugsdorf liegt großteils in der Katastralgemeinde Augenthal, ein kleiner Teil befindet sich jedoch in der Katastralgemeinde Unterretzbach.
Geschichte
Der Haberner Steig, die spätere Znaimer Poststraße bzw. Prager Hauptstraße war die wichtigste und schnellste Straßenverbindung zwischen Wien und Prag, die hier lange Zeit nur über Äcker und Fluren verlief, bis in der Mitte des 18. Jahrhunderts beiderseits der Grenze je eine Gasthaus errichtet und zum Anlaufpunkt für Kutschen, Fuhrwerke und Reiter wurde. Das Gasthaus Pögl, das damals den Namen „Kaiserin von Östereich“ trug, wurde erstmals 1751 erwähnt. Es besaß aus dieser Zeit eine Maria-Theresianische Konzession, die nur in einem kleinen Zeitfenster um 1750 vergeben wurde und deshalb eine Seltenheit darstellte. Interessant ist, dass sich laut Karten das Gasthaus anfangs auf der rechten Straßenseite befand und dann auf der linken. Das Gasthaus in Haid gab es den Karten zufolge mindestens seit 1765, fand aber erst im Jahr 1819 Erwähnung, als einem Antrag um Erweiterung der Schankbefugnis von der Hofkanzlei entsprochen wurde und daraufhin ein Streit zwischen den Gasthäusern entbrannte.
In den Jahren 1822/23 wurde auf Betreiben des Landrates Franz Edler von Pikher (fälschlich auch Picker oder Pirkher), Verwalter der Kirchberg'schen Stiftungsherrschaft,[3] auf dem Gebiet der Herrschaft der heutige Ort Kleinhaugsdorf gegründet, der anfangs als Colonie Pikhersdorf geführt wurde; dieser Name erlangte aber nie offiziellen Charakter. Der Franziszeische Kataster von 1822 zeigt auf Nr. 1 das bestehende Gasthaus und östlich davon die ersten der neu errichteten Zwerchhöfe.[4] Schweickhardt führte den Ort bereits als Klein-Haugsdorf und beschrieb ihn mit 110 Einwohnern in 21 Häusern, zumeist Viertellehner, die mit 7½ Joch Land bestiftet waren und ausschließlich Ackerbau betrieben. Südlich des Ortes wurde später eine Ziegelei errichtet.
Ab 1842 gab es in Kleinhaugsdorf eine einklassige Volksschule, die auch von Kindern aus Haid besucht wurde, obwohl dieser Ort nach Klein Tajax eingepfarrt war. 1870 wurde das Haus Nr. 17 zur Schule umfunktioniert und ab 1945 besuchten die Kinder die Schule in Jetzelsdorf.
Literatur
- Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Manhartsberg. 7 von 34 Bänden. 2. Band: Fatzihof bis Herrnlois. Mechitaristen, Wien 1834, S. 286 (Haugsdorf (Klein-) – Internet Archive).
- Ignaz Franz Keiblinger, Geschichte des Benedictiner-Stiftes Melk in Niederösterreich, seiner Besitzungen und Umgebungen, Friedrich Beck's Verlags-Buchhandlung, Wien 1869. p.660
- Anton Steinhauser: Administrativkarte von Niederösterreich. Blatt 17, Sektion Haugsdorf, 1:28.800, Hrsg: Verein für Landeskunde von Niederösterreich, in Kommission von Artaria & Co., Wien 1867–1882 (noel.gv.at [JPG; 6,1 MB]).
- Ortsverzeichnis 2001 Niederösterreich (PDF; 4,8 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-42-0, S. 125.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2025 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2025), (ODS, 500 KB)
- ↑ Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen: Österreichisches Adressregister, Stichtagsdaten vom 1.4.2020 (online)
- ↑ Carl von Gochnat: Nieder-Oesterreichischer Dominien-Schematismus für das Jahr 1848. [Ein Handbuch des ganzen Personalstandes von den sämmtlichen Dominien in Oesterreich unter der Ens (etc.).] Verlag bei Edlen von Schmidbauer und Holzwarth, Wien 1848, S. 61 (Scan in der Google-Buchsuche).
- ↑ Franziszeischer Kataster (um 1820): Colonie Pikhersdorf (fälschlich als Colonie Pirkhersdorf bezeichnet) in unmittelbarer Grenzlage (auf mapire.eu).