Kleines Bahamas-Trichterohr
| Kleines Bahamas-Trichterohr | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Chilonatalus tumidifrons | ||||||||||||
| Miller, 1903 |
Das Kleine Bahamas-Trichterohr (Chilonatalus tumidifrons) ist ein auf verschiedenen Inseln der Bahamas verbreitetes Fledertier in der Familie der Trichterohren. Die Populationen galten längere Zeit als Synonym des Kleinen Karibischen Trichterohrs (Chilonatalus micropus).[1]
Merkmale
Für das Tier wurden nur 32 bis 36 mm lange Unterarme, Ohren von fast 15 bis 17 mm Länge und ein Gewicht von 3 bis 5 g bei Männchen sowie von etwa 3 g bei Weibchen registriert. Typisch ist ein dichtes Fell mit langen Haaren, die an der Wurzel hell und an den Spitzen dunkel sind. So ergibt sich oberseits ein hell- bis orangebraunes Aussehen. Weitere Kennzeichen sind raue Haare an der Oberlippe, die einem Schnurrbart gleichen und ein großer Schädel. Die trichterförmigen Ohren haben annähernd eine viereckige Kante. Bei Männchen kommt ein halbkugelförmiges Natalidenorgan (siehe Artikel Trichterohren) vor. Das Kleine Bahamas-Trichterohr hat breite Flügel und einen Haarsaum an der Kante der Schwanzflughaut. Im Oberkiefer gibt es pro Seite drei Prämolaren, von denen zwei etwa gleich groß sind.[2]
Verbreitung und Lebensweise
Diese Fledermaus lebt auf den Inseln Abaco, Andros und San Salvador innerhalb der Bahamas. Fossile Überreste wurden auf New Providence gefunden. Die Art hält sich im Flachland in Laubwäldern auf. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 1020 und 1290 mm.[3]
Die Exemplare sind ab Sonnenuntergang und nachts aktiv. Sie ruhen in Höhlen, die oft in Gewässernähe liegen. Spätestens 30 Minuten nach Sonnenuntergang haben die Tiere ihr Versteck verlassen. Aufgrund der breiten Flügel und des langen Schwanzes wird angenommen, dass die Fledermaus langsam fliegt und hauptsächlich Nachtfalter jagt. Da dies noch nicht bestätigt ist, gelten allgemein Insekten als Beute. Eine Kolonie am Ruheplatz hatte 300 Mitglieder. Gelegentlich wird die Höhle mit größeren Fledermäusen, wie der Gelbbraunen Blütenfledermaus, der Waterhouse-Großohrblattnase oder der Großen Braunen Fledermaus geteilt. Die Art hält jedoch etwas Abstand zu den anderen Kolonien. Während einer Studie suchten sich die Kleinen Bahamas-Trichterohren eine andere Höhle, nachdem Gelbbraune Blütenfledermäuse eintrafen.[2]
Während der Aufzucht der Nachkommen leben die Geschlechter getrennt. Da im Juli Kolonien mit ausschließlich Männchen gefunden wurden, ist anzunehmen, dass in diesem Monat die Jungtiere gesäugt werden. Verglichen mit anderen Trichterohren haben Männchen mit 1,2 bis 3 mm Länge sehr kleine Penisse aber ein sehr großes Natalidenorgan. Es wird spekuliert, dass deshalb ein Balzverhalten stattfindet.[2]
Gefährdung
Störungen an den Ruheplätzen stellen die größte Bedrohung dar. Exemplare, die sich bei Orkanen nicht im Versteck befinden, können sterben. Schätzungsweise nahm die Gesamtpopulation in den zehn Jahren vor 2018 mit 20 bis 25 Prozent ab. Die IUCN listet die Art in der Vorwarnliste (near threatened).[3]
Weblinks
- Farbtafel mit Fledermäusen, unter Figures, Kleines Bahamas-Trichterohr mit Nr. 4
Einzelnachweise
- ↑ Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 3. Auflage. 2 Bände. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4 (englisch, Chilonatalus tumidifrons).
- ↑ a b c Wilson, Lacher Jr. & Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. 9 - Bats. Lynx Edicions, 2019, ISBN 978-84-16728-19-0, S. 592 (englisch, Chilonatalus tumidifrons).
- ↑ a b Chilonatalus tumidifrons in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2018. Eingestellt von: Solari, S., 2018. Abgerufen am 18. Dezember 2025.