Kleiner Kaukasus-Beinwell
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Kleiner Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum) | ||||||||||||
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Der Kleine Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum), auch Großblütiger Beinwell und Großblütige Wallwurz genannt,[1] ist eine Pflanzenart aus der Gattung Beinwell (Symphytum) innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Er ist im Kaukasusraum und in der Türkei verbreitet und wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Kleine Kaukasus-Beinwell ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 30, selten bis zu 40 Zentimetern erreicht. Er bildet oberirdische, nicht knollig verdickte Rhizome sowie kriechende, sterile Stängel und aufrechte, blühende Stängel. Die Stängel sind unverzweigt oder nur wenig verzweigt.[2][3]
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist breit-eiförmigen bis eiförmig-lanzettlichen mit stumpfem bis spitzem oberen Ende und gewelltem Blattrand. Sie sind an den kriechenden Stängeln bis zu 18 Zentimeter und an den blühenden Stängeln bis zu 5 Zentimeter lang.[4] Sie haben eine gerundete oder fast herzförmige Basis und laufen nicht oder nur kurz am Stängel herab. Die obersten Laubblätter sind fast sitzend. Alle Laubblätter sind mit dichten, kurzen Haaren und langen, verstreuten Borsten bedeckt.[3]
Generative Merkmale
Die Blütezeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mai bis Juli.[1]
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind 6 bis 8 Millimeter lang und nur an ihrer Basis verwachsen. Die Blütenkrone ist 20 bis 24 Millimeter lang[1][2] und die Kronzipfel sind nicht zurückgebogen. Die Blütenknospen und die jungen Blüten sind rosafarben überlaufen. Später sind die Blüten rahm-gelb bis weiß. Die zungenförmigen Schlundschuppen überragen die Blütenkrone nicht. Der freie Teil der Staubfäden ist fast so lang wie die Staubbeutel.[2]
Die fein warzigen Nüsschen sind dunkelgrau und leicht gebogen.[3]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 30; es liegt Diploidie vor mit der Chromosomenzahl 2n = 60.[5][3]
Vorkommen
Der Kleine Kaukasus-Beinwell ist in der nordöstlichen Türkei und im Kaukasusraum verbreitet.[6] Er besiedelt dort leicht schattige und oft feuchte Standorte in Laubwäldern, an Waldrändern[1] und entlang kleiner Bäche bis in Höhenlagen von 1000 Metern.[3]
In Mittel- und Westeuropa gibt es neophytische Vorkommen des Kleinen Kaukasus-Beinwells,[7][6] der allerdings häufig mit der Hybride Symphytum ×hidcotense P.D.Sell (Symphytum grandiflorum × Symphytum ×uplandicum) verwechselt wird. Dadurch wird er bei Untersuchungen zur Verbreitung neophytischer Pflanzen oft fälschlich als Symphytum ×hidcotense erfasst oder umgekehrt.[8] Während die Art nicht verzweigt ist und ihre Blüten keinen blauen Farbton aufweisen, hat die Hybride verzweigte Stängel und bläuliche Blüten. In Großbritannien,[8] Tschechien[3] und in einigen deutschen Bundesländern[9][10] gibt es unbeständige und sich einbürgernde Vorkommen sowohl der Art als auch der Hybride. Oft wird auch der Kriechende Beinwell „fälschlich“ als Kleiner Kaukasus-Beinwell identifiziert.[11]
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Symphytum grandiflorum DC. erfolgte 1846 durch Augustin Pyrame de Candolle in Prodromus systematis naturalis regni vegetabilis, Band 10, S. 40.[12] Synonyme von Symphytum grandiflorum DC. sind Symphytum abchasicum Trautv. und Symphytum ciscaucasium Gvin.
Der Kleine Kaukasus-Beinwell und der Kriechende Beinwell sind sich sehr ähnlich und unterscheiden sich äußerlich fast nur in der Größe ihrer Blüten. Die Blüten des Kriechenden Beinwells sind mit einer Kelchlänge von 3 bis 6 Millimetern und einer Kronenlänge von 14 bis 16 Millimetern kleiner als die des Kleinen Kaukasus-Beinwells.[1] Einige Autoren halten Symphytum ibericum Steven (veröffentlicht im Jahr 1851) daher für ein Synonym oder für eine kleinblütige lokale Form des Kleinen Kaukasus-Beinwells.[2][13]
Verwendung
Der Kleine Kaukasus-Beinwell wird öfters als Zierpflanze für halbschattige bis schattige Standorte im Garten genutzt. Er eignet sich gut als dichter Bodendecker in parkartigen Anlagen zwischen Großsträuchern und unter Bäumen, aber auch für Staudenrabatten, Bauerngärten, Wildblumenwiesen sowie für absonnige Lagen von Mauern und Gebäudeteilen.[4][14] Da der Kleine Kaukasus-Beinwell andere Kräuter und Gräser stark verdrängt, sollte sie besser mit Efeu oder mit konkurrenzstarken Stauden, wie mit dem Wald-Reitgras, dem Echten Wurmfarn, mit Elfenblumen-Sorten oder dem Balkan-Storchschnabel, kombiniert werden.[14]
Der Kleine Kaukasus-Beinwell gedeiht meist auf mäßig trockenen bis frischen und mehr oder weniger neutralen Böden. Auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden gedeiht er auch in sonnigen, sommerlich trockenen Standorten. Wenn die Pflanzenexemplare nach der Blütezeit unansehnlich werden, können sie bis zum Boden zurückgeschnitten werden. Dann treiben sie frisch wieder aus und blühen im Juli und August ein zweites Mal.[14] Der Kleine Kaukasus-Beinwell ist zwar immergrün, seine LaubbBlätter nehmen aber durch starken Frost Schaden.[15] Die Pflanze gilt dennoch als winterhart bis −28 °C (Zone 5).[16]
Meist werden die folgenden Sorten gepflanzt, die weniger wuchern als die Wildart, untereinander allerdings leicht hybridisieren:[14][17]
- ‘All Gold’: Diese Sorte hat leuchtend gelbe Blätter und wird bis zu 75 Zentimeter hoch. Sie wird meist als Sorte von Symphytum ibericum angeboten, scheint aber nicht mit dieser Art verwandt zu sein.[16]
- ‘Blaue Glocken’: Diese Sorte hat hellblaue bis mittelblaue Blüten.
- ‘Goldsmith’: Diese Sorte ist eine Hybride aus Symphytum grandiflorum × Symphytum ibericum. Sie hat cremeweiß gerandete Laubblätter und blassblaue oder weiße Blüten.[16][1]
- ‘Hidcote Blue’: Bei dieser Sorte handelt es sich um die Hybride Symphytum ×hidcotense P.D.Sell aus Symphytum grandiflorum × Symphytum ×uplandicum. Sie wird bis zu 50 Zentimeter hoch, hat braunrote Blütenknospen und hellblaue Blüten, die später verblassen.
- ‘Hidcote Pink’: Diese kräftige, breitwüchsige Sorte hat aufrechte Stängel und rosa bis weiße Blüten.
- ‘Rubrum’: Bei dieser Sorte handelt es sich möglicherweise um eine Hybride aus Symphytum grandiflorum × Symphytum officinale ‘Coccineum’[16][17] oder Symphytum ibericum × Symphytum officinale.[1] Sie hat dunkelgrüne Blätter und dunkelrote, langröhrige Blüten.
- ‘Saphir’: Diese Sorte bildet Ausläufer und hat die blauesten Blüten.
- ‘Wisley Blue’: Diese Sorte hat cremegelbe Blütenröhren und von Blassrosa in Blassblau übergehende Blütenkronen.
Literatur
Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 880–882, Kapitel Symphytum L. Boraginaceae Wallwurz, Beinwell, Comfrey.
Weblinks
- Datenblatt Symphytum grandiflorum DC. mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
- Symphytum grandiflorum / Kleiner Kaukasus-Beinwell bei Pflanzendatenbank der Gartenarchitektur.
- Fotos von Symphytum grandiflorum bei Günther Blaich.
- Symphytum, Comfreys, Unterscheidungsmerkmale bei Botanical Society of Britain & Ireland.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 442.
- ↑ a b c d Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt Symphytum grandiflorum DC. mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
- ↑ a b c d e f Lucie Kobrlová: The genus Symphytum L. in the Central Europe: Chorology, Cytogeography and Taxonomy. Hrsg.: Palacký University Olomouc. 2022, S. 122–123, S. grandiflorum DC. ([1] [PDF] Doktorarbeit).
- ↑ a b Symphytum grandiflorum bei Missouri Botanical Garden.
- ↑ Karol Marhold: IAPT/IOPB chromosome data 19. In: Taxon. Band 64, Nr. 5, 2015, S. 1068–1074, Symphytum grandiflorum DC. auf S. 1069, doi:10.12705/645.34 ([2] [PDF]).
- ↑ a b Datenblatt Symphytum grandiflorum DC. bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- ↑ Datenblatt Symphytum grandiflorum DC. bei Global Biodiversity Information Facility.
- ↑ a b Datenblatt Creeping Comfrey, Symphytum grandiflorum Datenbklatt zur Verbreitung auf den Britischen Inseln bei Online Atlas of the British and Irish flora.
- ↑ Wolfgang Ferdinand Bomble, Bruno G. A. Schmitz: Kaukasischer Beinwell (Symphytum caucasicum M. BIEB.) und Hidcote-Beinwell (Symphytum x hidcotense P. D. SELL) im Aachener Raum. In: Bochumer Botanischer Verein (Hrsg.): Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Band 4. Bochum 2013, S. 56–60 ([3] [PDF]).
- ↑ Michael Hassler: Datenblatt Symphytum grandiflorum mit Fotos bei Flora Germanica, die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands.
- ↑ Michael Hassler: Datenblatt Symphytum ibericum mit Fotos bei Flora Germanica, die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands.
- ↑ Augustin Pyrame de Candolle: Prodromus systematis naturalis regni vegetabilis, sive, Enumeratio contracta ordinum generum specierumque plantarum huc usque cognitarium, juxta methodi naturalis, normas digesta. Band 10, Paris 1846, S. 40, Digitalisat
- ↑ Cedric Bucknall: Revision of the Genus Symphytum, Tourn. In: Linnean Society of London (Hrsg.): The Journal of the Linnean Society, Botany. Band 41. London 1913, S. 548–549, 25. S. grandiflorum DC. (Digitalisat).
- ↑ a b c d Symphytum grandiflorum / Kleiner Kaukasus-Beinwell bei Pflanzendatenbank der Gartenarchitektur.
- ↑ Piet Oudolf, Henk Gerritsen: Dream Plants for the Natural Garden. Frances Lincoln, London 2011, ISBN 978-0-7112-3462-8, S. 128, unter dem Namen S. ibericum.
- ↑ a b c d The Royal Horticultural Society: Stauden - Die große Enzyklopädie. Dorling Kindersley, München 2015, ISBN 978-3-8310-2752-1, S. 448, unter dem Namen S. ibericum.
- ↑ a b Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 2: I bis Z. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. grandiflorum DC. auf S. 881.