Klaus Thoma
Klaus Thoma (* 18. August 1949 in München; † 9. Juni 2018 in Britzingen) war ein deutscher Physiker und Sicherheitsforscher.
Leben
Klaus Thoma studierte in München Physik und wurde 1978 an der TU München promoviert. Es folgten neun Jahre im Forschungs- und Entwicklungsbereich von Messerschmitt-Bölkow-Blohm (später EADS, heute Airbus), zuletzt als Leiter einer wehrtechnischen Entwicklungsabteilung. 1987 wurde er Geschäftsführer und Mitinhaber eines Ingenieurbüros in Oberbayern. 1994 erhielt er einen Ruf als Professor an die Universität der Bundeswehr München. 1996 wurde er Leiter des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik (Ernst-Mach-Institut, EMI) in Freiburg im Breisgau.[1] Thoma leitete das Institut 18 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014.
Thoma starb 2018 an den Folgen einer Lungenembolie.[2] Er war verheiratet und Vater von zwei Söhnen.[3]
Wirken
Thoma war ein Experte für dynamisches Materialverhalten und förderte die Integration von Experiment und Simulation. Neben seiner Forschung hat er als Wissenschaftsmanager die deutsche und europäische Sicherheitsforschung nach dem Ende des Kalten Krieges mitbegründet und über Jahre hinweg maßgeblich geprägt. Gegenüber der Wochenzeitung Die Zeit sagte er kurz vor seinem Tod, er habe eine neue Branche geschaffen.[4]
Die Basis dafür schufen die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und die folgenden Attentate in Madrid und London. Geprägt war das neue Feld der Sicherheitsforschung von Bedrohungsszenarien durch terroristische Gruppen und Einzeltäter und löste die alte Wehrforschung weitgehend ab. Damit rettete Thoma auch das von ihm geleitete und auf Wehrforschung spezialisierte Ernst-Mach-Institut, das nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in die Krise geriet.[5]
Basis für seinen Einfluss war die Mitgliedschaft in jenen beratenden Gremien, die die Richtung der Sicherheitsforschung in Deutschland und Europa vorgaben. So war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Programmausschusses Sicherheitsforschung beim deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung, gehörte außerdem dem Beirat Forschung und Technologie des deutschen Bundesverteidigungsministeriums an und war Mitglied des European Security Research Advisory Board (ESRAB), das die Ausgestaltung des EU-Sicherheitsprogramms koordinierte.[6] Er war auch eine treibende Kraft hinter der Gründung der Zeitschrift European Journal for Security Research im Jahr 2015.[7]
Auszeichnungen
- 1999: Honorarprofessur der Universität der Bundeswehr München[8]
- 2007: Bundesverdienstkreuz am Bande[1]
- 2011: Honorarprofessur der TU Dresden[9]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b Bundesverdienstkreuz an Professor Dr. Klaus Thoma. In: Finanzministerium Baden-Württemberg. 6. September 2007, abgerufen am 16. Dezember 2025.
- ↑ Frank Schäfer, Thomas Kenkmann, Stefan Hiermaier, the MEMIN Team: Obituary for a brilliant materials scientist—on Klaus Thoma's death. In: Meteoritics & Planetary Science. Band 54, Nr. 1, 2019, ISSN 1945-5100, S. 254–255, doi:10.1111/maps.13196 (wiley.com [abgerufen am 16. Dezember 2025]).
- ↑ Trauer um Klaus Thoma. In: Badische Zeitung. 16. Juni 2018 (badische-zeitung.de).
- ↑ Kai Biermann, Christian Fuchs: Sicherheit: 800.000 Euro für einen Terror-Airbag, der nie fertig wurde. In: Die Zeit. 23. Februar 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. Dezember 2025]).
- ↑ Prof. Dr. Klaus Thoma – Mit Sicherheit dynamisch – Ein Leben lang. In: Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik (Hrsg.): Jahresbericht 2018/2019. Freiburg 2019, S. 108 (fraunhofer.de [PDF; 12,8 MB]).
- ↑ German Foreign Policy: Gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit. In: FriedensForum. Nr. 4, 2012, ISSN 0936-0565 (friedenskooperative.de).
- ↑ Obituary. In: European Journal for Security Research. Band 4, Nr. 1, 1. April 2019, ISSN 2365-1695, S. 1–1, doi:10.1007/s41125-019-00040-1.
- ↑ Universität der Bundeswehr München verleiht Honorarprofessur. In: Informationsdienst Wissenschaft. 5. Mai 1999, abgerufen am 16. Dezember 2025.
- ↑ Dr. Klaus Thoma zum Honorarprofessor ernannt. In: BauBlog TU Dresden. 4. August 2015, abgerufen am 16. Dezember 2025.