Klaus Günther Just
Klaus Günther Just (* 23. September 1923 in Berlin-Dahlem; † 6. Juni 1977 in Münster) war ein deutscher Germanist, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.[1]
Leben und Wirken
Klaus Günther Just, ein Sohn des Humangenetikers Günther Just, studierte nach seiner Reifeprüfung 1941 in Berlin-Lichterfelde Germanistik, Anglistik und Musikwissenschaft. Sein erstes Studiensemester absolvierte er im Wintersemester 1941/42 an der Universität Berlin. Am 14. November 1941 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. September desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.678.347).[2] Von 1942 bis 1945 leistete er Kriegsdienst bei der deutschen Luftwaffe und geriet 1945 für drei Monate in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Sein Studium setzte Just vom Wintersemester 1945/46 an der Universität Würzburg fort und promovierte 1948 bei Erich Jenisch mit einer Dissertation über "Studien zum Ästhetizismus bei Stefan und seinem Kreis". Von 1948 bis 1950 arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universitätsbibliothek Würzburg. Von 1950 bis 1953 war er Forschungsstipendiat der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft bzw. an der University of Cambridge (St. John's College). Von 1953 bis 1955 war er als Lektor und Dozent für Literaturwissenschaft am University College Leicester tätig, erneut 1959 bis 1960. Als wissenschaftlicher Assistent arbeitete Just von 1955 bis 1959 am Seminar für Deutsche Philologie der Universität Würzburg. Dort habilitierte er sich 1960 und ließ sich ein Jahr später an der Universität Münster umhabilitieren. In Münster lehrte er als Privatdozent und vertrat 1962/63 einen Lehrstuhl. Von 1964 bis zu seinem frühen Tod war er ordentlicher Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum.
In Lehre und Forschung beschäftigte sich Klaus Günther Just vor allem mit Barockliteratur (insbesondere mit Daniel Casper von Lohenstein) und der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Besonders hervorzuheben ist seine umfangreiche Darstellung zur Geschichte der deutschen Literatur seit 1871, die 1973 erschien.
1975 wurde ihm das Verdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- (Hrsg.): Daniel Casper von Lohenstein / Türkische Trauerspiele. Ibrahim Bassa, Ibrahim Sultan (= Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 292). Hiersemann, Stuttgart 1952.
- (Hrsg.): Daniel Casper von Lohenstein / Römische Trauerspiele. Agrippina, Epicharis (= Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 293). Hiersemann, Stuttgart 1955.
- (Hrsg.): Daniel Casper von Lohenstein / Afrikanische Trauerspiele. Cleopatra, Sophonisbe (= Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 294). Hiersemann, Stuttgart 1957.
- Die Trauerspiele Lohensteins. Versuch einer Interpretation (= Philologische Studien und Quellen, Bd. 9). E. Schmidt, Berlin 1961 (= Habilitationsschrift Universität Würzburg).
- Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Leben und Werk. Mit einer Auswahl aus Pücklers Nachlass. Verlag Kulturwerk Schlesien, Würzburg 1962.
- Ästhetizismus und technische Welt. Zur Lyrik Karl Gustav Vollmoellers. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, Bd. 82 (1963), H. 2, S. 211–231.
- Die Rezeption Swinburnes in der deutschen Literatur der Jahrhundertwende. In: William Foerste (Hrsg.): Festschrift für Jost Trier zum 70. Geburtstag. Böhlau, Köln 1964, S. 467–489.
- Übergänge. Probleme und Gestalten der Literatur. Francke, Bern 1966.
- (Hrsg.): Hermann von Pückler-Muskau / Südöstlicher Bildersaal. Griechische Leiden. Steingrüben, Stuttgart 1968.
- Nihilismus als Stil. Zur Prosa von Stanislaw Przybyszewski. In: Renate von Heydebrand (Hrsg.): Wissenschaft als Dialog. Studien zur Literatur und Kunst seit der Jahrhundertwende [Wolfdietrich Rasch zum 65. Geburtstag]. Metzler, Stuttgart 1969, S. 112–133.
- Aspekte der Zukunft. Über Luftfahrt und Literatur. In: Antaios, Bd. 11 (1970), S. 393–411.
- Kurd Lasswitz, der Dichter der Raumfahrt. In: Schlesien, Bd. 15 (1970), H. 1, S. 1–15.
- (Hrsg.): Gottfried Just / Reflexionen. Zur deutschen Literatur der sechziger Jahre. Neske, Pfullingen 1972, ISBN 3-7885-0020-4.
- Aspekte der Zukunft. Zwei Essays. Francke, Bern 1972.
- Von der Gründerzeit bis zur Gegenwart. Geschichte der deutschen Literatur seit 1871 (= Handbuch der deutschen Literaturgeschichte, Abt. 1, Bd. 4). Francke, München 1973, ISBN 3-7720-1056-3 (702 Seiten).
- Das Opernlibretto als literarisches Problem. In: Poetica, Jg. 1975, H. 2, S. 203–220.
- Marginalien. Probleme und Gestalten der Literatur. Francke, Bern/München 1976, ISBN 3-7720-1217-5.
Einzelnachweise
- ↑ Stefan Scherer: Just, Klaus Günther. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 2. De Gruyter, Berlin 2003, S. 868f., ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/18770739