Klara Landau
Klara Landau (geboren 20. Juli 1953 in Prag als Klára Finkelová) ist eine Schweizer Augenärztin und ehemalige Direktorin der Universitäts-Augenklinik Zürich.
Mit ihrem Mann lebt sie in Rapperswil, sie haben eine Tochter, einen Sohn und zwei Enkelinnen.[1]
Leben und Ausbildung
Klara Landau kam 1953 als Tochter des Juristen Zoltán Finkel (* 15. Mai 1910 in Humenné, Österreich-Ungarn, heute Slowakei; † 4. September 1997 in Zürich) und seiner Frau, der Ingenieurin Bohumila Ruth Finkelová, geb. Rosenzweigová (* 3. August 1919 in Krucemburk, Tschecho-Slowakei (ČSR / RČS), heute Tschechien; † 3. Dezember 2018 in Zürich), zur Welt. Sie wuchs bis 1967 in Prag (ehemalige Tschechoslowakei, ČSSR) auf. Von 1967 bis 1969 besuchte sie je ein Jahr eine russische (UdSSR) und danach eine deutsche Mittelschule in Ost-Berlin in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) – «Man forderte die Kinder auf, in Aufsätzen wiederzugeben, was zu Hause gesprochen wurde, es war eine Einladung, die eigene Familie zu bespitzeln.»[2]
Im Sommer 1969, im Nachgang zum Prager Frühling kehrte ihre Familie, die, wie schon in Ost-Berlin, in Glarus für einen Staatsbetrieb der ČSSR tätig war, nicht in die Tschechoslowakei zurück und beantragte Asyl in der Schweiz.[2] Hier besuchte Klara Landau zunächst die Kantonsschule Glarus und von 1970 bis 1972 die Höhere Töchterschule der Stadt Zürich.
Von 1972 bis 1978 studierte sie Medizin an der Universität Zürich, wo sie 1979 mit einer Arbeit über Störungen des Calciumstoffwechsels bei Patienten mit Sarkoidose promovierte. Sie spezialisierte sich anschliessend auf die Augenheilkunde und legte 1987 und 1988 die Fachprüfungen des Board of the Scientific Council of the Israel Medical Association ab. 1992 erwarb sie den schweizerischen Facharzttitel für Ophthalmologie und Ophthalmochirurgie. 1998 habilitierte sie sich an der Universität Zürich[3] und wurde im Oktober 2005 auf den Lehrstuhl für Ophthalmologie berufen.[4]
Berufliche Karriere
Nach Lehrjahren in der Schweiz in Anästhesiologie, Gerichtsmedizin, Neurochirurgie und kurz Ophthalmologie arbeitete Klara Landau von 1983 bis 1988 als Assistenzärztin an der Augenklinik des Kaplan Medical Center in Rehovot, Israel. Von 1989 bis 1990 war sie am Medical Center der University of California, San Francisco tätig und von 1990 bis 1991 als Assistant Clinical Professor an der School of Optometry der University of California, Berkeley.
Im Mai 1991 begann sie an der Augenklinik des Universitätsspitals Zürich als Oberärztin und Leiterin der Abteilung für Neuroophthalmologie und Strabismus zu arbeiten, 1996 wurde sie Leitende Ärztin. Von April 2002 bis September 2005 war Klara Landau Direktorin ad interim der Augenklinik, bevor sie im Oktober 2005 zur Ordinaria für Ophthalmologie und Direktorin ernannt wurde – als die erste Frau an der Spitze einer USZ-Klinik.[5][1] Sie leitete die Augenklinik bis zu ihrer Pensionierung im Juli 2018.
Aufgrund der immer noch auffälligen Untervertretung von Frauen auf den Führungsebenen, wie derjenigen des Universitätsspitals Zürich, regte sie an, dort eine Gleichstellungsstelle zu schaffen. Seit August 2018 ist Klara Landau Delegierte für ärztliche Weiterbildung und Gleichstellung im Teilzeitpensum.[6][7]
Forschungsschwerpunkte
Zu den Forschungsschwerpunkten von Klara Landau zählen:
- Ophthalmologische Manifestationen der Neurofibromatose
- Ischämische Optikusneuropathie
- Korrelation zwischen Perimetrie und Bildgebung in der Sehbahn
- Anwendung moderner okulomotorischer Verfahren in der Strabologie
- Höhenmedizin und Ophthalmologie
Weitere Tätigkeiten
Klara Landau war und ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und engagiert sich auf vielfältige Weise in ihrem Fach:
- 1994–2001 in der Redaktionskommission der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift (Swiss Medical Weekly)
- 1997–2016 Mitglied des Editorial Board des Journal of Neuro-Ophthalmology
- 2002–2018 Präsidentin der Albert Bruppacher-Stiftung zur Förderung der Forschung an der Universitäts-Augenklinik Zürich, seit 2018 Mitglied des Stiftungsrats
- engagiert sich bei Medical Women Switzerland
- 2005–2014 General Secretary der European Neuro-Ophthalmology Society (EUNOS) und zwischen 2015 und 2019 deren Präsidentin
- 2005–2011 in der Beförderungskommission der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich
- 2007–2015 Vorstandsmitglied der Schweizerischen Ophthalmologischen Gesellschaft (SOG) und 2011–2013 deren Präsidentin[8]
- 2010–2018 Vizepräsidentin der Gleichstellungskommission der Universität Zürich
- zum 150-Jahr-Jubiläum der Zürcher Universitäts-Augenklinik gab sie ein Buch zur Geschichte und Gegenwart der Klinik heraus[9]
- seit 2014 engagiert sie sich für Schweizer Sektion von Licht für die Welt (Light for the World)[10], seit 2018 als dessen Präsidentin; ausserdem ist sie Board Member der Light for the World International[11]
- seit 2018 Delegierte für ärztliche Weiterbildung und Gleichstellung am Universitätsspital Zürich[6]
- seit 2022 Mitglied der Stiftungsexekutive der Eleonorenstiftung, der privaten Trägerin des Kinderspitals Zürich[12]
Auszeichnungen
- 1995 – Fellow of the North American Neuro-Ophthalmology Society (NANOS)
- 2003 – Invited international guest of the British Isles Neuro-Ophthalmology Club (BINOC)
- 2006 – 42. gewähltes Mitglied der European Academy of Ophthalmology (EAO)
- 2009 – First Alfred Huber Lecture, European Neuro-Ophthalmology Society (EUNOS) Meeting, Lübeck, Germany
- 2010 – Anerkennungspreis der Alfred Vogt Stiftung zusammen mit Martina Bösch und Daniel Barthelmes für die Forschungsarbeit Changes within the Eye at Very High Altitude – Medical Research Expedition to Mount Muztagh Ata[13]
- 2012 – 7th Michael Sanders Lecture, Birmingham Neuro-Ophthalmology Course, Birmingham, UK
- 2013 – Visiting Fellow of Brasenose College, University of Oxford, Oxford, UK
- 2015 – Named lecture at the University of Utah, USA
- 2015 – Peter Eustace Lecture, Irish College of Ophthalmologists, Dublin, Ireland
- 2018 – NANOS Merit Award[14]
- 2019 – Elfriede-Aulhorn-Vorlesung, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Berlin[15]
Ehrungen
- Klara Landau Preis für Chancengleichheit in der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich (seit 2023)[16] – «Mit dieser Namensgebung will die Chancengleichheitskommission der MeF Klara Landaus langjähriges Engagement für die Gleichstellung in der Medizin würdigen und weiteres Engagement fördern.»
Zitate
aus einem Interview von Katharina Bracher:[17]
- «No amount of careful planning can beat pure luck.»
Ihre persönliche Work-Life-Balance?
- «Für mich ist Work ein Teil von Life und umgekehrt.»
Welche Eigenschaften schätzen Sie am meisten?
- «Geradlinigkeit. Engagement. Fachliche Kompetenz.»
Drei wichtigsten Tugenden eines Vorgesetzten?
- «Persönliche Integrität. Den Kontakt zur Basis zu behalten. Anliegen der Mitarbeitenden ernst zu nehmen. Der Sinn für Humor.»
Ihr persönliches Vorbild?
- «Václav Havel, ehemaliger Präsident der Tschechoslowakei, zuvor Autor und Dissident. Mit seinem Beispiel hat er bewiesen, dass jeder Mensch jederzeit Verantwortung für sich und die Gesellschaft tragen kann, unabhängig von äusseren Umständen.»
Ihr berufliches Vorbild?
- «Professor William F. Hoyt, mein Mentor aus San Francisco, der ‹grand old man› der Neuro-Ophthalmologie.[18][19][20] Er hat mir akademische Neugier vorgelebt. Er hat aus den Geschichten der Patienten das Maximum an Fragen generiert und nach Antworten gesucht.»
Veröffentlichungen
(Auswahl)
- mit Yasargil M.G.: Ocular fundus in Neurofibromatosis type 2. Brit J Ophthalmol 1993; 77:646-649.
- mit Künzle Ch., Weissert M., Roulet E., Bode H., Schefer S., Huisman Th., Boltshauser E.: Follow-Up of optic pathway gliomas in children with Neurofibromatosis type 1. Neuropediatrics 1994; 25:295-300.
- mit Winterkorn J.M.S., Mailloux L.U., Vetter W., Napolitano B.: 24-hour blood pressure monitoring in Anterior Ischemic Optic Neuropathy. Arch Ophthalmol 1996; 114:570-575.
- mit Djahanschahi Bajka J., Kirchschläger BM: Topless optic discs in children of mothers with type 1 Diabetes mellitus. Am J Ophthalmol 1998; 125:605-611.
- mit Kurz-Levin M.: A comparison of imaging techniques for diagnosing drusen of the optic nerve head. Arch Ophthalmol, 1999; 117:1045-1049.
- mit Bösch M.M., Boltshauser E., Harpes P.: Ophthalmological findings and long-term course in patients with neurofibromatosis type 2. Am J Ophthalmol, 2006; 141:1068-1077.
- mit Bösch M.M., Barthelmes D., Merz T.M., Bloch K.E., Turk A.J., Hefti U., Sutter F.K.P., Maggiorini M., Wirth M.G., Schoch O.D.: High incidence of optic disc swelling at very high altitudes. Arch Ophthalmol, 2008; 126:644-650.
- mit Schuknecht B., Sturm V., Huisman T.A.: Tolosa-Hunt syndrome: MR imaging features in 15 patients with 20 episodes of painful ophthalmoplegia. Eur J Radiol; 2009; 69:445-53.
- mit Bösch M.M., Barthelmes D., Merz T.M., Truffer F., Knecht P.B., Petrig B., Bloch K.E., Hefti U., Schubiger G.: Intraocular pressure during a very high altitude climb. Invest Ophthalmol Vis Sci, 2010; 51:1609-1613.
- mit Knecht P.B., Menghini M., Bachmann L.M., Baumgartner R.W.: The Ocular Pulse Amplitude as a Non-Invasive Parameter for Carotid Artery Stenosis Screening: A Test Accuracy Study. Ophthalmology; 2012; 119(6):1244-1249.
- mit Weber K.P., Rosengren S.M., Michels R., Sturm V., Straumann D.: Single motor unit activity in human extraocular muscles during the vestibule-ocular reflex. J Physiol; 2012; 590:3091-3101.
- mit Weber K.P., Rappoport D., Dysli M., Schmückle Meier T., Barks G.B., Bockisch C.J., MacDougall H.G.: Strabismus Measurements with Novel Video Goggles. Ophthalmology 2017; 124:1849-56.
Weblinks
- Klara Landau, eigene Webseiten, CV auf linkedin.com
Fachliche Publikationen
- Klara Landau, MD, FEBO, auf researchgate.net (2,063 Research Interest Score, 4,164 Citations, 38 h-index)
Artikel, Interviews
- Prof. Dr. med. Klara Landau in Porträts: Emeritierte Professorinnen auf edi.uzh.ch, Universität Zürich: Equality, Diversity, Inclusion (früher: Gleichstellung und Diversität) mit Link zu:
- Marita Fuchs: Augenklinik unter weiblicher Führung – Sei es in der Forschung oder in der Behandlung von Patientinnen und Patienten – das Auge war für Klara Landau immer weit mehr als nur ein Sinnesorgan. Vor allem die enge Verknüpfung von Auge und Gehirn, fasziniert die Neuroophthalmologin bis heute, März 2020 (PDF)
- Regina Scharf: «Auf den richtigen Mix kommt es an» – Interview mit Prof. Klara Landau, Zürich, Ars Medici 13/2020, 26. Juni 2020, S. 387ff (PDF)
Ehrungen
- Klara Landau Preis für Chancengleichheit in der Medizinischen Fakultät, Medizinische Fakultät: Nachwuchsförderung und Chancengleichheit, auf med.uzh.ch
Einzelnachweise
- ↑ a b Regina Scharf: «Auf den richtigen Mix kommt es an» – siehe Weblinks
- ↑ a b Marita Fuchs: Augenklinik unter weiblicher Führung – siehe Weblinks
- ↑ Landau Klara: Neurofibromatose Typ 2 und das visuelle System. Habilitationsschrift. Zürich 1997.
- ↑ CV Klara Landau auf der internationalen Website des Universitätsspitals Zürich
- ↑ Klara Landau bald Direktorin der Augenklinik, NZZ, 29. September 2005
- ↑ a b Prof. Dr. med. Klara Landau in Porträts: Emeritierte Professorinnen auf edi.uzh.ch – siehe Weblinks
- ↑ Mehr Ärztinnen in die Chefetage: «Es wäre ein grosser Fehler, diesen Innovationspool nicht zu nutzen.» Interview auf der Website des Bundesamts für Gesundheit (BAG).
- ↑ Mitteilung auf der Website des Universitätsspitals Zürich
- ↑ Klara Landau (Hg.): 150 Jahre Universitäts-Augenklinik. ISBN 978-3-033-03471-6. Zürich 2012. Online Leseprobe
- ↑ Vorstand von Licht für die Welt ( des vom 13. August 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Trustees of Light for the World.
- ↑ Stiftungsrat Eleonorenstiftung. In: Universitätskinderspital Zürich. Abgerufen am 30. März 2022.
- ↑ Website Alfred Vogt Stiftung
- ↑ Mitteilung der Universität Zürich
- ↑ Elfriede-Aulhorn-Vorlesung am DOG Kongress 2019
- ↑ siehe Weblinks
- ↑ Katharina Bracher: «Selbst viel sorgfältige Planung wiegt pures Glück nicht auf», Interview, NZZ, 3. April 2011
- ↑ (en) Legacy: William F. Hoyt Collection, auf novel.utah.edu (Neuro-Ophthalmology Virtual Education Library, University of Utah)
- ↑ (en) Cameron F. Parsa, May 2019:
- The Life and Times of William F. Hoyt, M.D., auf pmc.ncbi.nlm.nih.gov (siehe de.wikipedia: PMC, NCBI, NLM, NIH, .gov)
- The Life and Times of William F. Hoyt, M.D., auf researchgate.net
- ↑ (en) Alfredo A. Sadun, Rustum Karanjia: William F. Hoyt: A Historical Perspective, Sep 2020, auf pubmed.ncbi.nlm.nih.gov (siehe de.wikipedia: PubMed, NCBI, NLM, NIH, .gov)