Kiyoko Ozeki

Kiyoko Ozeki (japanisch 尾関 清子 Ozeki Kiyoko; geboren 28. April 1929 in Kōnan, Präfektur Aichi) ist eine japanische Archäologin, die sich auf Stoffe aus der Jōmon-Zeit (14.000 bis 300 v. Chr.) spezialisiert hat. Sie fand heraus, dass die Menschen der Jōmon-Zeit für ihre Kleidung nicht etwa Tierfelle verwendeten, sondern einen Tuchstoff Angin (編布), der aus natürlichen Pflanzenfasern, den Fasern von Baumrinde und Flachsfasern[1], hergestellt war.

Überblick

Kiyoko wurde 1929 in Kōnan geboren. Nach dem Abschluss an der Kochino Mädchenoberschule wurde sie von der Universität nicht angenommen und begann eine Ausbildung als Schneiderin und arbeitete als Bankangestellte.[1][2] Ihr Interesse an der Handwerkskunst ließ sie die Arbeit in der Bank aufgeben, um sich stattdessen mit dem Ausstellen kunsthandwerklicher Arbeiten zu befassen. Diese Arbeit brachte ihr erste Anerkennung ein und 1964 auch eine Anstellung als Dozentin für Kunsthandwerk an der „Tōkai Gakuen Frauenkurzzeituniversität“ (東海学園女子短期大学, Tokai Gakuen University Junior College).[1] Etwas später wurde sie Assistenzprofessorin an der Universität und befasste sich mit der Geschichte der Alltagskultur. In dieser Zeit bildete sie sich an Technische Universität Nagoya im Fachbereich technische Chemie weiter.

Bei der Herstellung und Nachbildung von Töpferwaren aus der Jōmon-Zeit wurde sie 1987 erstmals auf Angin aufmerksam, woraufhin sie das Kunsthandwerk verließ und in die Archäologie wechselte. Sie begann, die netzartigen Schnurmuster (jōmon, daher rührt die Bezeichnung dieses Zeitabschnitts) auf Tongefäßen, die bei Ausgrabungen entdeckt worden waren, zu analysieren. Um die Technik der Stoffherstellung zu verstehen und um die Haltbarkeit des Stoffes untersuchen zu können, begab sie sich zusammen mit Studenten in ein nachgebautes Grubenhaus und experimentierte erfolgreich mit der Stoffherstellung.[1] Bis zu diesem Zeitpunkt war man in der Forschung der Auffassung, dass die ältesten Stoffe aus der Yayoi- oder Kofun-Zeit, den beiden auf die Jōmon-Zeit folgenden Epochen, stammten.[3] Man nahm an, dass die Menschen der Jōmon-Zeit sich in Pelzkleidung aus Tierfellen kleideten. Kiyokos Forschung zeigte, dass sie bereits Kleidung aus Stoff fertigten, was die Vorstellung vom jōmonzeitlichen Alltagsleben gravierend veränderte. 1996 erhielt sie den Aizawa-Tadahiro-Preis. Für ihre Forschung untersuchte sie 832 Stoffüberreste von 165 verschiedenen Fundplätzen.[3]

1999 wurde Kiyoko ehrenhalber Direktorin des Zentrums für Bodendenkmäler Ichihasama in der Präfektur Miyagi.[4] Dort hatte man einen Depotfund jōmon- und yayoizeitlicher Töpferwaren gemacht. 2012 veröffentlichte Kiyoko ihre Forschungsergebnisse in dem Buch „Jōmon-Stoffe - Ursprung und Eigenschaften der Stoffkultur auf der japanischen Inselkette“ (縄文の布―日本列島布文化の起源と特質). Die Forschungsergebnisse aus ihrem Buch reichte sie bei der Ritsumeikan-Universität als Dissertation ein, womit sie 2018 auch den Doktortitel erlangte. Damit ist sie nach Kawamori Yoshizō, der 1997 im Alter von 95 Jahren einen Doktortitel an der Universität Kyōto erwarb, die mit 88 Jahren zweitälteste Promovendin in Japan.[1] 2022 wurde Kiyoko mit dem Yoshikawa-Eiji-Preis geehrt.[3]

  • 布を編む. (PDF) Saitobaru Archaeological Museum of Miyazaki Prefecture, abgerufen am 30. Dezember 2025 (japanisch, Praktische Umsetzung - Herstellung von Angin-Stoff nach Ozekis Erkenntnissen (mit Abbildungen)).

Einzelnachweise

  1. a b c d e 88歳尾関清子さん、遅咲きの博士号 縄文布の研究「認められた」 国内最高齢、立命大で授与式. Sankei Shimbun, 24. März 2018, abgerufen am 30. Dezember 2025 (japanisch).
  2. Profile. Celebrating Women in Japan, abgerufen am 30. Dezember 2025 (englisch).
  3. a b c 尾関清子先生、吉川英治文化賞を受賞! Tokai Gakuen Universität, abgerufen am 30. Dezember 2025 (japanisch).
  4. 縄文から今に続く私たちの生活 ― 器と布を通して考える. Kyoto University of the Arts, 1. Dezember 2022, abgerufen am 30. Dezember 2025 (japanisch).