Kismányok

Kismányok
Kismányok
Basisdaten
Staat: Ungarn Ungarn
Region: Südtransdanubien
Komitat: Tolna
Kleingebiet bis 31.12.2012: Bonyhád
Kreis: Bonyhád
Koordinaten: 46° 17′ N, 18° 28′ O
Fläche: 5,43 km²
Einwohner: 308 (1. Jan. 2022)
Bevölkerungsdichte: 57 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 74
Postleitzahl: 7356
KSH-kód: 06512
Struktur und Verwaltung (Stand: 2024)
Gemeindeart: Gemeinde
Bürgermeister: István Bőte[1] (parteilos)
Postanschrift: Kossuth Lajos u. 49
7356 Kismányok
Website:
(Quelle: Localities 01.01.2022. bei Központi statisztikai hivatal)

Kismányok (deutsch Kleinmanok[2], Klamanok[3]) ist eine ungarische Gemeinde im Kreis Bonyhád im Komitat Tolna. Nachdem der Ort vom frühen 17. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich von Donauschwaben besiedelt war, gehören in heutiger Zeit nur noch etwa 10 Prozent der Einwohner zur Volksgruppe der Ungarndeutschen.

Geografische Lage

Kismányok liegt in dem zu Südtransdanubien gehörenden Hügelland am nördlichen Fuß des Mecsekgebirges, etwa 30 Kilometer nordöstlich der Großstadt Pécs und etwa 30 km westlich der Donau. Kismányok liegt in Luftlinie knapp 5 km südwestlich der Kreisstadt Bonyhád. Von der wesentlich größeren, an der Bahnstrecke DombóvárBátaszék gelegenen Gemeinde Nagymányok (deutsch Großmanok) aus liegt Kismányok gut 1 Kilometer südöstlich. Die von Nagymányok zum Dorf Kismányok führende Straße endet als Sackgasse.

Die Ortschaft hat die Form eines etwa in der Mitte gegabelten Straßendorfes und nimmt ein in Südwest-Nordost-Richtung verlaufendes Tälchen ein. Die Ortsmitte von Kismányok liegt auf einer Höhe von 150 m ü. NN, während die umgebenden Hügel die Marke von 200 m überschreiten.

Geschichte

Der Ortsname Kismányok ist erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1437 belegt.[4] Nachdem die 145 Jahre andauernde türkischer Besetzung Ungarns durch den Großen Türkenkrieg ihr Ende gefunden hatte, waren weite Teile von Südtransdanubien verödet und auch das Dorf Kismányok zu Beginn des 18. Jh. weitgehend zerstört.[4][5]

Im frühen 18. Jh. kam es im Komitat Tolna sowohl zu spontaner Einwanderung von Deutschen als auch – um 1720 herum einsetzend – zu gezielter Anwerbung deutscher Siedler, um das Land wieder zu bevölkern.[5] Für Kismányok lieferte die historische Forschung unterschiedliche Einschätzungen, welche Rolle spontane Zuwanderung bzw. Anwerbung spielten. Dokumentiert ist jedenfalls, dass um 1720 in Kismányok sieben Familien lebten - alle waren Deutsche.[5][4] Zu den Förderern der Besiedlung mit deutschen Einwanderern gehörte der Grundherr Florimond Claude von Mercy-Argenteau, der im Jahr 1722 umfangreiche Ländereien im Komitat Tolna erworben hatte; in organisierten Siedlungswellen wanderten im Zeitraum bis 1724, aber auch danach immer wieder Deutsche nach Kismányok ein.[5][6]

Fast alle Siedler, die nach Kismányok kamen, waren evangelischer Konfession.[4][6] Der Bau einer Kirche begann 1785; sie konnte 1801 feierlich eingeweiht werden.[4]

Bei einer im Jahr 1890 durchgeführten Volkszählung gaben von insgesamt 678 Einwohnern Kismányoks 97,8 Prozent Deutsch als ihre Muttersprache an; nur zwei Prozent hatten Ungarisch angegeben.[7] Eine andere Darstellung besagte, dass von der Zeit der Zuwanderung deutscher Siedler bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs keinerlei Ungarn im Dorf sesshaft waren.[4] Die Einwohnerzahl von Kismányok betrug 1944 622 Personen.[6]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu einer drastischen Verschlechterung der Situation der Ungarndeutschen, was sich auch in Kismányok auswirkte. Die Rote Armee nahm das Gebiet von Kismányok am 30. November 1944 ein.[6] Zahlreiche Dorfbewohner wurden Anfang 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt.[6] Im Mai 1945 wurden die Gehöfte der Kismányoker Bauern enteignet; davon waren 129 Familien betroffen.[8] Die Gehöfte wurden umgehend von hierher geflüchteten Szeklern übernommen; die meisten der ehemaligen Bewohner wurden interniert und später zur Aussiedlung gezwungen.[4][6] Verschont blieben vor allem deutsche Bergleute und Handwerker.[6]

Nachdem Flucht und Vertreibung etwa mit dem Jahr 1948 abgeschlossen waren, ist Kismányok von einer ungarischen Bevölkerung besiedelt, während verbliebene Ungarndeutsche nur eine Minderheit von etwa 10 Prozent stellen.[2] Die Einwohnerzahl lag im Jahr 2025 bei 302 Personen.[2]

Gemeindepartnerschaft

Sehenswürdigkeiten

  • Evangelische Kirche, erbaut 1785 bis 1788
  • Römisch-katholische Kirche Béke Királynője, erbaut 1988 bis 1989 im Stil der Szekler
  • Weltkriegsdenkmal zum Gedenken der Opfer beider Weltkriege

Verkehr

Kismányok ist nur über die Nebenstraße Nr. 65165 zu erreichen, die von der nördlich verlaufenden Landstraße Nr. 6534 abzweigt. Es bestehen Busverbindungen über Nagymányok, Máza, Kárász und Magyaregregy nach Komló sowie nach Bonyhád. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Nagymányok.

Literatur

  • Kismányok – Településképi Arculati Kézikönyv. Hrsg. von der Gemeindeverwaltung, Kismányok 2017.
Commons: Kismányok – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Kismányok települési választás eredményei. Nemzeti Választási Iroda, 9. Juni 2024, abgerufen am 2. Januar 2026 (ungarisch, englisch).
  2. a b c Magyarország helységnévtára: Kismányok. Központi Statisztikai Hivatal, abgerufen am 2. Januar 2026 (ungarisch).
  3. Anton Tressel: Ungarndeutsche Ortsnamen - ungarisch und deutsch / Magyarország németlakta települései - magyarul és németül. (PDF) ungarndeutsche.de - Das Portal der Ungarndeutschen, 2008, abgerufen am 4. Januar 2026 (deutsch, ungarisch).
  4. a b c d e f g Istvàn Hansel: Die Mundart von Kismànyok (Schwäbische Türkei). Abriss einer Ortsgrammatik. Szeged 1977 (core.ac.uk [PDF] Dissertation).
  5. a b c d Bence Ament-Kovács: Grundbesitz und Migration am Anfang des 18. Jahrhunderts. Das Botka-Sinzendorf-Mercy-Gut im Komitat Tolna. In: Márta Fata (Hrsg.): Neusiedler im Land. Der Einwanderungsartikel des ungarischen Landtags von 1723 im Kontext seiner Zeit. Frank & Timme, Berlin 2024, S. 129–147, doi:10.57088/978-3-7329-8858-7_6.
  6. a b c d e f g Heinrich Frey: Kismányok. Unser kleines Dorf in der Tolnau. Heimatbuch und Ortschronik. Selbstverlag des Autors, Sindelfingen 2005.
  7. József Jekelfalussy: A Magyar Korona országainak helységnévtára, Orts-Lexikon der Länder der Ungarischen Krone. 2. Auflage. Pesti könyvnyomda-részvénytársaság. Pester Buchdruckerei-Actien-Gesellschaft, Budapest 1892, zu Kismányok siehe S. 588 und S. 1259. (ungarisch, deutsch, hungaricana.hu).
  8. Ágnes Tóth: Migrationen in Ungarn 1945-1948. Vertreibung der Ungarndeutschen, Binnenwanderungen und slowakisch-ungarischer Bevölkerungsaustausch (= Schriften des Bundesinstituts für ostdeutsche Kultur und Geschichte. Band 12). R. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56445-5.
  9. Testvértelepülésünk. In: kismanyok.hu. Gemeinde Kismányok, abgerufen am 3. Januar 2026 (ungarisch).