Kṛśā Gautamī

Kṛśā Gautamī (Sanskrit कृशा गौतमी; Kisā Gotamī) ist Protagonistin einer der berühmtesten Legenden im Buddhismus, sie ist eine Parabel zum Umgang mit Verlust und Trauer.

Biographie

Kisa Gotami war die Frau eines wohlhabenden Mannes im nordindischen Shravasti, deren einziges Kind verstarb. In ihrer Trauer über den Verlust suchte Kisa Gotami verzweifelt überall um Hilfe nach. Ihre Trauer war so groß, dass viele dachten, sie hätte den Verstand verloren.[1]

Nach einiger Zeit gab ihr ein alter Mann den Rat, den Buddha aufzusuchen. Dieser versprach ihr, das Kind wieder zum Leben zu erwecken, wenn sie ihm weiße Senfkörner aus einer Familie bringen könne, in der niemand gestorben sei. Verzweifelt suchte sie nach einem solchen Fall, doch zu ihrer Enttäuschung konnte sie kein Haus finden, in dem kein Familienmitglied gestorben war. Schließlich erkannte sie, dass es kein Haus ohne Sterblichkeit gibt. Sie kehrte zum Buddha zurück, der sie tröstete und ihr das Dharma predigte.[1]

Sie wurde erweckt, trat in die erste Stufe der Erleuchtung ein und wurde schließlich eine Arhat. Der Buddha lobte sie als „Erste in der Disziplin“ unter den Bhikṣuṇīs.[2]

In bildlichen Darstellungen der Legende wird Kisa Gotami häufig gemeinsam mit Singalamata dargestellt, die ebenfalls als eine der bedeutenden Nonnen gilt und wie sie zu den sogenannten „Hauptschülerinnen“ des Buddha gehörte. In den traditionellen Listen der „vorbildlichen Nonnen“ (therīs) wird Singalamata als herausragende Vertreterin der weiblichen Anhängerschaft des Buddha genannt.

Das Gedicht „Yo ca vassasatam jeeve“ aus der buddhistischen Lehrspruchsammlung Dhammapada auf Pali ist mit der Geschichte von Kisa Gotami verbunden.[3] Ihre Klage ist Inhalt des Gedichts „Gotami Sutta“ aus den Samyutta Nikaya. Um die Geschichte von Kisa Gotami hat sich eine literarische Tradition entwickelt, die größtenteils mündlich und in lokalen Theaterstücken in weiten Teilen Asiens wiedergegeben wird. Die Therigatha [dt.: Verse der älteren Nonnen] im Pali-Kanon erzählen eine Version der Geschichte. Es gibt auch eine Reihe ähnlicher populärer Versionen. Die Geschichte um Kisa Gotami ist die Quelle des populären Aphorismus: „Wenige Lebende gibt es, viele Tote.“[4]

Eine ähnliche Geschichte erzählt man sich über den griechischen Philosophen Demonax (2. Jhdt. v. Chr.), der einem Menschen versprochen haben soll, er könne den Schatten seines verstorbenen Sohnes heraufbeschwören, wenn er ihm drei Namen von Menschen nennen könne, die in ihrem Leben nie trauern mussten.[5]

Moderne Rezeption

2016 wurde in Nepal der Film „Kisa Gautami“ unter der Regie von Ramkrishna Khadgi und mit Melina Manandhar in der Titelrolle veröffentlicht.[6]

Die Zeichentrickserie für Kinder „Bluey“ erzählt eine sehr ähnliche Geschichte in der Episode „Bumpy und der weise alte Wolfshund“ der ersten Staffel (2018).[7]

Die Geschichte von Kisa Gotami wird von der australischen Rockband von Nick Cave and the Bad Seeds im Song „Hollywood“ aus ihrem siebzehnten Studioalbum „Ghosteen“ (2019) erzählt.[8]

Die Geschichte von Kisa Gotami bildet den Hintergrund der 5. Episode („The Parable of Kisa Gotami“) der Netflix-Serie „Thai Cave Rescue“ (2022), in deren Mittelpunkt der tragische Tod eines Tauchers im Rahmen einer Rettungsaktion steht.[9]

Die Legende ist auch Teil des NCERT-Lehrplans für Englisch der 10. Klasse in indischen Lehrplänen.[10]

Literatur

  • Buddharakkhita, Acharya: Sahassavagga: The Thousands | Dhammapada. 1998; (englisch).
  • Thanissaro Bhikkhu: Gotami Sutta: Sister Gotami | Samyutta Nikaya. 1998; (englisch).
  • C. Rhys Davids, K. Norman: Poems of Early Buddhist Nuns. Pali Text Society, S. 88–89, archiviert vom Original; (englisch).
  • Wendy Garling: Stars at Dawn: Forgotten Stories of Women in the Buddha's Life. Shambhala Publications, 2016, S. 95–106 (englisch).
Commons: Kṛśā Gautamī – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Kisa Gotami and the Mustard Seed. Abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).
  2. Franz Anton Schiefner, W. R. S. Ralston: Tibetan Tales: Derived from Indian Sources. 1906, Chapter 11 - The story of Kṛśā Gautamī (englisch, wisdomlib.org [abgerufen am 16. Januar 2025]).
  3. Dhammapada | Ch. VIII, Vers 114. 1996; (englisch).
  4. Richard Winter: How Kisa Gotami Came to Unterstand Sorrow and Death. Cambridge Buddhist Centre, abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).
  5. Life of Demonax | Demonax | The Works of Lucian of Samosata. Abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).
  6. Back to the roots. 16. Februar 2016, abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).
  7. Christian D'Andrea: The 10 best episodes of 'Bluey', TV's funniest and most heartwarming kids show. In: For The Win. Abgerufen am 7. Juni 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. Kory Grow: Nick Cave Looks for Peace and Finds Hope on 'Ghosteen'. In: Rolling Stone. 10. Oktober 2019 (englisch, rollingstone.com [abgerufen am 10. Juli 2025]).
  9. Arnav Srivastava: Thai Cave Rescue – Season 1 Episode 5 “The Parable of Kisa Gotami” Recap & Review. 24. September 2022, abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).
  10. The Sermon at Benares. Abgerufen am 10. Juli 2025 (englisch).