Kirchstetten (Gemeinde Neudorf)
| Kirchstetten (Dorf) Ortschaft Katastralgemeinde Kirchstetten | ||
|---|---|---|
| Basisdaten | ||
| Pol. Bezirk, Bundesland | Mistelbach (MI), Niederösterreich | |
| Gerichtsbezirk | Mistelbach | |
| Pol. Gemeinde | Neudorf im Weinviertel | |
| Koordinaten | 48° 43′ 55″ N, 16° 30′ 35″ O | |
| Höhe | 222 m ü. A. | |
| Einwohner der Ortschaft | 114 (1. Jän. 2025) | |
| Fläche d. KG | 4,26 km² (31. Dez. 2023) | |
| Statistische Kennzeichnung | ||
| Ortschaftskennziffer | 05083 | |
| Katastralgemeindenummer | 13022 | |
| Zählsprengel/ -bezirk | Kirchstetten (31634 001) | |
| Die zum 50-jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph errichtete Volksschule | ||
| Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS | ||
Kirchstetten (früher manchmal auch Kirchstädten) ist eine Ortschaft und eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Neudorf im Weinviertel im Bezirk Mistelbach in Niederösterreich. Die Ortschaft zählt 114 Einwohner (Stand 1. Jänner 2025)[1]. Bis Ende 1970 bildete der Ort eine selbständige Gemeinde.[2]
Geografie
Östlich von Laa gelegen, wird das Dorf von der Landesstraße L24 erschlossen, von der im Ort die L3066 abzweigt. Der Neudorfer Graben und der Neuwiesgraben entwässern Kirchstetten über den Bockgraben zur Thaya hin. Am 1. April 2020 umfasste die Ortschaft 81 Adressen.[3]
Bis ins frühe 19. Jahrhundert befand sich im Osten der Katastralgemeinde die Krampel-Mühle (auch Krampfelsteiner-Mühle), die Schweickhardt als ein Fürst Liechtensteinisches Lehen beschrieb, die im Lehensbrief als Mühle von Wellabrunn bezeichnet wurde.
Geschichte
Im Jahr 1656 hielt Joachim Enzmilner, der nachmalige Graf von Windhaag, die Herrschaft über den Ort. Nach Wilhelm von und zu Daun, der die Herrschaft 1676 im Namen seiner Frau, der Gräfin von Althann, auslöste, erwarb der kaiserliche Leibarzt Matthias von Suttner im Jahr 1723 die Herrschaft.
Im Jahr 1822 wurde der Ort als Dorf mit 46 Häusern genannt, das nach Neudorf eingepfarrt war, wohin auch die Kinder eingeschult wurden. Die Herrschaft Kirchstetten besaß die Ortsobrigkeit, besorgte die Konskription und hatte die Grundherrschaft inne. Die Landgerichtsbarkeit wurde von der Herrschaft Loosdorf ausgeübt.[4] Letzter Inhaber der Familienfideikommissherrschaft war Gustav Ferdinand Daniel Ritter von Suttner (1826–1900), der auch im Viertel ober dem Manhartsberg begütert war und auf seinen Gütern zahlreiche landwirtschaftliche Innovationen einführte. Die Herrschaft wurde im Zuge der Reformen 1848/1849 aufgelöst.[5]
Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Kirchstetten ein Gärtner, ein Gastwirt, zwei Gemischtwarenhändler, ein Schlosser, ein Schmied, zwei Schuster, ein Tischler und einige Landwirte ansässig.[6]
Im Zuge der Niederösterreichischen Kommunalstrukturverbesserung vereinigte sich der Ort am 1. Jänner 1971 mit den Gemeinden Neudorf bei Staatz und Zlabern.[2]
Sehenswertes
- Schloss Kirchstetten, im Kern aus dem 16. Jahrhundert, von Fischer von Erlach barockisiert; Festsaal mit Deckengemälde von Maulbertsch
- Katholische Filialkirche Kirchstetten Hl. Geist
Persönlichkeiten
- Gustav Suttner (1826–1900), Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus, wurde im Schloss geboren und hatte die Herrschaft inne
Literatur
- Friedrich Wilhelm Weiskern: Topographie von Niederösterreich, in welcher alle Städte, Märkte, Dörfer, Klöster, Schlößer, Herrschaften, Landgüter, Edelsitze, Freyhöfe, namhafte Oerter u.d.g. angezeiget werden, welche in diesem Erzherzogthume wirklich angetroffen werden, oder sich ehemals darinnen befunden haben. Band 1: A–M. Druckerei Joseph von Kurzböck, Wien 1768, S. 311 (Ausgabe 1769; Kirchstetten in der Google-Buchsuche).
- Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Manhartsberg. 7 von 34 Bänden. 3. Band: Herzogbirbaum bis Kammersdorf. Mechitaristen, Wien 1834, S. 145 (Kirchstetten – Internet Archive).
- Anton Steinhauser: Administrativkarte von Niederösterreich. Blatt 19, Sektion Falkenstein, 1:28.800, Hrsg: Verein für Landeskunde von Niederösterreich, in Kommission von Artaria & Co., Wien 1867–1882 (noel.gv.at [JPG; 6,3 MB]).
- Ortsverzeichnis 2001 Niederösterreich (PDF; 4,8 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-42-0, S. 233.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2025 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2025), (ODS, 500 KB)
- ↑ a b Gemeindeänderungen ab 1945. Statistik Austria, S. 36. In: Änderungen in der Verwaltungsgliederung. Statistik Austria (ZIP, 1,3 MB; Inhalt PDF); abgerufen am 21. Dezember 2025.
- ↑ Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen: Österreichisches Adressregister, Stichtagsdaten vom 1.4.2020 (online)
- ↑ Joseph von Steinius: Topographischer Land-Schematismus oder Verzeichniß aller im Erzherzogthume Oesterreich unter der Enns befindlichen Ortschaften als Städte, Märkte, Schlösser, Ämter, Dörfer, Rotten und einzelne Häuser, die eigene Nahmen haben, Anzahl der Häuser sowohl, als der betreffenden Pfarren, Schulörter, Patronate, Decanate, Werbbezirke, Landgerichte, Ortsobrigkeiten, Grund- und Conscriptions-Herrschaften, dann der nächsten Poststationen zur Auf- und Abgabe der Briefe. Erster Band: A–L. Verlag Anton Strauß, Wien 1822, S. 360 (Kirchstetten in der Google-Buchsuche).
- ↑ Carl von Gochnat: Nieder-Oesterreichischer Dominien-Schematismus für das Jahr 1848. [Ein Handbuch des ganzen Personalstandes von den sämmtlichen Dominien in Oesterreich unter der Ens (etc.).] Verlag bei Edlen von Schmidbauer und Holzwarth, Wien 1848, S. 78 (Scan in der Google-Buchsuche).
- ↑ Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 310