KinderKunstLabor für zeitgenössische Kunst

KinderKunstLabor für zeitgenössische Kunst
Daten
Ort St. Pölten
Art
Interaktives Ausstellungshaus
Architekt Architekturbüro Schenker Salvi Weber
Eröffnung 2024
Betreiber
Kulturlandeshauptstadt GmbH
Website

Das KinderKunstLabor für zeitgenössische Kunst im Altoonapark in St. Pölten (Niederösterreich) ist ein 2024 eröffnetes Ausstellungshaus für internationale zeitgenössische Kunst für junge Menschen. Der Fokus liegt auf Kindern bis zwölf Jahre. Neben bis zu drei Ausstellungen pro Jahr bietet es Einblicke in künstlerische Prozesse, Workshops und partizipative Vermittlungsformate. Zentrale Säule des Konzepts ist die aktive Einbindung der Kinderperspektive.

Geschichte

Die Idee zum KinderKunstLabor entstand im Rahmen der Bewerbung St. Pöltens als Europäische Kulturhauptstadt 2024. Das Projekt war als Leuchtturm für kulturelle Teilhabe junger Zielgruppen konzipiert. Trotz der gescheiterten Bewerbung St. Pöltens wurde das Projekt KinderKunstLabor mit Unterstützung von Stadt, Land und Bund weiterverfolgt.[1]

Von Beginn an war die Mitwirkung von Kindern zentral. Bereits vor Baubeginn wurden Kinderbeiräte und die Kunstideenwerkstatt ins Leben gerufen, in denen Kinder aktiv an der inhaltlichen und architektonischen Entwicklung beteiligt waren. Ihre Ideen prägten Haus und Außenraum wesentlich.

Im Mai 2021 wurde Mona Jas aus über 80 Bewerbungen zur künstlerischen Leiterin bestellt. Ihr Konzept verbindet künstlerische Praxis, kindliche Teilhabe und wissenschaftliche Reflexion. Seit Juni 2021 ist sie maßgeblich an Planung und Aufbau beteiligt.[2]

Der Bau begann Ende 2022. Das vom Wiener Büro Schenker Salvi Weber entworfene Gebäude ist ein nachhaltiger Holz-Beton-Hybridbau und wurde 2024 fertiggestellt. Die Eröffnung fand am 29. und 30. Juni 2024 statt.[3][4]

Seitdem hat das KinderKunstLabor geöffnet – mit jährlich bis zu drei Ausstellungen, umfangreicher Vermittlung und kontinuierlicher Beteiligung von Kindern über Beiräte, Co-Kreationen und Beteiligung an künstlerischen und organisatorischen Prozessen.

Konzept und pädagogisches Profil

Das KinderKunstLabor versteht sich als Ort zeitgenössischer Kunst, der Kinder als Mitgestalter ernst nimmt. Es verfolgt einen interdisziplinären, partizipativen Ansatz, bei dem künstlerische Praxis, kuratorische Experimente und kulturelle Bildung ineinandergreifen.

Kinder wirken über Beiräte, Werkstätten und Co-Kreationen aktiv an der Programmgestaltung mit. Das Vermittlungsprogramm orientiert sich an den Ausstellungen und fördert spielerisches, forschendes Lernen.

Anstelle klassischer Bildungsformate setzt das Haus auf offene, prozessorientierte Settings, die kreatives Entdecken, Teilhabe und kritisches Denken fördern. Als lernende Organisation reflektiert das KinderKunstLabor kontinuierlich seine Methoden mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit, indem die Erkenntnisse auf vielen Ebenen weitergegeben werden.

Ausstellungen und Programm

Konzept

Jährlich finden bis zu drei Ausstellungen mit internationalen Künstlern statt, begleitet von einem Vermittlungsprogramm mit inklusiven Workshops, offenen Werkstätten und barrierefreien Angeboten – stets unter aktiver Beteiligung von Kindern.

2023: Träume von Räumen

Vor dem Umzug ins neue Haus präsentierte die Ausstellung Träume von Räumen (13. September bis 1. Oktober 2023) erste Einblicke in Bauprojekt und Werke von Künstlern wie Laure Prouvost, Jimmie Durham oder Philippe Parreno. Gleichzeitig waren die Kinder aktiv in die Gestaltung eingebunden, etwa über die Kinderbeiräte und die Kunstideenwerkstatt, deren Ideen und Perspektiven bereits frühzeitig sichtbar wurden.[5]

2024/2025: dream.lab

dream.lab von Rivane Neuenschwander (September 2024 bis Februar 2025) thematisierte Träume und Vergänglichkeit. Kuratiert von Mona Jas und Andreas Hoffer in enger Zusammenarbeit mit lokalen Kindergruppen, entstand eine interaktive Rauminstallation, die sich durch Mitgestaltung der Besucher stetig veränderte.[6][7]

Standort und Architektur

Standort

Der Standort im Altoonapark verbindet die Innenstadt und den Kulturbezirk von St. Pölten. Nur rund 20 Prozent der Parkfläche wurden bebaut, um den Grünraum zu erhalten.[3][8][9]

Bei den Bauarbeiten wurden Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg sowie Spuren der ehemaligen Revolverfabrik und Weicheisengießerei Gasser entdeckt – ein spannender Kontrast zur heutigen Nutzung als Kunsthaus für Kinder.[10]

Architektur

Das vom Architekturbüro Schenker Salvi Weber entworfene Gebäude ist ein kompakter Holz-Beton-Hybridbau mit zentraler Betonsäule, verzweigten Holzträgern und einer lamellenartigen Fassade, die mit Licht und Schatten spielt. Eine helixförmige Treppe verbindet alle Ebenen – vom Ausstellungsraum bis zu den Vermittlungsräumen.

Besonderer Wert wurde auf Nachhaltigkeit gelegt: Verwendung nachwachsender Rohstoffe, Erhalt von Bäumen sowie eine umweltverträgliche Gestaltung des Außenraums.[11][3]

Auch die Auswahl der künstlerischen Interventionen im und um das Gebäude erfolgte unter aktiver Einbindung von Mitgestaltern der Kinderbeiräte und der Kunstideenwerkstatt. So wurden vier Skulpturen im Park und zwei dauerhaft bespielbare Kunstwerke im Haus realisiert: Archipelago (2024) von Jakub Szczęsny (in Kooperation mit Karolina Potębska, Ausführung: Rainer Stadlbauer) ist ein skulptural gestalteter Spielbereich für Kinder bis sechs Jahre mit Holzelementen, Wasserlauf, Sandbecken und Mobiles. Toshis Gabe おくリもの(2024) von Toshiko Horiuchi MacAdam ist eine farbige, gehäkelte Spielskulptur aus Nylonschnüren für Kinder von drei bis zwölf Jahren.

2024 erhielt der Bau den österreichischen Bauherrnpreis.[12]

Park

Der Altoonapark ergänzt das Haus als öffentlich zugänglicher Skulpturen- und Interaktionspark mit Spielskulpturen, Wasserstellen und Sitzmöglichkeiten. Er ist intergenerationell nutzbar und verbindet Kunst mit alltäglicher Nutzung.

Gemeinsam mit Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (KOERNOE), Künstlern und Kindern wurden folgende Skulpturen realisiert:[13][14]

Außerdem realisiert wurde:

  • Zuckerhut (mischer’traxler) – gemeinsam mit Kindern entwickeltes Objekt.

Rezeption und Vernetzung

Das KinderKunstLabor gilt als Modellprojekt für kulturelle Teilhabe junger Zielgruppen.[15] Im ersten Betriebsjahr zählte es rund 40.000 Besucher und erhielt überregionale Aufmerksamkeit.[16]

Eine Faculty – u. a. mit Mona Jas, Emily Pringle, Anna Aulich, Veronika Ehm, Aron Weigl und weiteren Experten – begleitet die strategische Entwicklung, u. a. zu ästhetischer Bildung, kultureller Zugehörigkeit und partizipativen Prozessen.

Es bestehen Kooperationen mit Institutionen wie EDUCULT, ephra Berlin, Kinderbiennale Dresden, KW Institute for Contemporary Art Berlin, Netzwerk Frühkindliche Kulturelle Bildung, New Design University St. Pölten, Tate London.

Publikationen und Forschung

Das KinderKunstLabor versteht sich als offene, lernende Institution mit Raum für Austausch und vielfältige Nutzungen. Über Feedback, Reflexion und Anpassung entwickelt sich das Programm laufend weiter.

Kuratorische Versuchsanordnungen, co-kreative Prozesse und offene Strukturen fördern ein experimentelles, problemlösendes Arbeiten. Qualität misst sich an Verweildauer, Intensität und Nachhaltigkeit.

Alle Vermittlungsaktivitäten werden künstlerisch und wissenschaftlich begleitet und werden mit Smart with Art und Space of Reflection Qualifizierungsprogrammen für Erwachsene angeboten.

Das erste internationale Fachsymposium Können Institutionen (laufen) lernen? (November 2024) bot eine Plattform zur Reflexion. Die gleichnamige Publikation[17] dokumentiert Beiträge zu kollektiven Praktiken und institutionellem Lernen. Parallel lief die erste Researcher-in-Residence-Phase (August 2023 bis Februar 2024).

Auszeichnungen

  • austria-architects – Bau des Jahres 2024
  • ZV – Bauherrnpreis 2024 – 1. Preis
  • Design Educates Awards 2025[18] – Bronze Prize
  • Best Architects Award 2026[19]
  • Staatspreis für Architektur 2025[20] – Nominierung
  • Mies van der Rohe Award – Nominierung

Einzelnachweise

  1. LH Mikl-Leitner: KinderKunstLabor wird „Meilenstein in der Kunst- und Kulturvermittlung für Kinder, Jugendliche und Familien“. In: noe.gv. 10. Mai 2023, abgerufen am 7. August 2025.
  2. Mona Jas übernimmt die künstlerische Leitung des 2024 eröffnenden KinderKunstLabors in St. Pölten. In: OTS. 14. Mai 2021, abgerufen am 7. August 2025.
  3. a b c KinderKunstLabor St. Pölten. In: porr:. Abgerufen am 7. August 2025.
  4. Mit dem KinderKunstLabor eröffnete Ende Juni 2024 ein neues Haus für zeitgenössische Kunst. Es ist ein Ort der Begegnung zwischen Kindern, zeitgenössischer Kunst und Künstler:innen. In: st-poelten.at. Abgerufen am 7. August 2025.
  5. Die erste Ausstellung des KinderKunstLabor: Träume von Räumen. In: OTS. 12. September 2023, abgerufen am 7. August 2025.
  6. Erste Ausstellung lädt zum Träumen ein. In: ORF NÖ. 12. September 2024, abgerufen am 7. August 2025.
  7. KinderKunstLabor für zeitgenössische Kunst St. Pölten: Rivane Neuenschwander. dream.lab. In: SIMs Kultur. Abgerufen am 7. August 2025.
  8. KinderKunstLabor St. Pölten. In: porr:. Abgerufen am 7. August 2025.
  9. Kinder am Werk. In: Leopold Quartier. Abgerufen am 7. August 2025.
  10. Baustelle für Kinderprojekte in St. Pölten brachte Fabrikreste zum Vorschein. In: Kurier. 14. Januar 2023, abgerufen am 7. August 2025.
  11. Radikal aus Kinderperspektive. In: Schenker Salvi Weber. Abgerufen am 7. August 2025.
  12. Gabriele Kaiser: KinderKunstLabor, St. Pölten. Preisträger:innen, Bauherr:innenpreis. Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs, 2024, abgerufen am 7. August 2025.
  13. Skulpturen im Außenraum des KinderKunstLabors. In: Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich. Abgerufen am 7. August 2025.
  14. Regina Maria Möller: Spielskulptur. In: Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich. Abgerufen am 7. August 2025.
  15. KinderKunstLabor: Kinder + Kunst + Labor als lernende Institution. In: St. Pölten Tourismus. Abgerufen am 7. August 2025.
  16. 40.000 Besucherinnen und Besucher im Kinderkunstlabor in St. Pölten. In: noe.gv. Abgerufen am 7. August 2025.
  17. Mona Jas, Aron Weigl (Hg.) Können Institutionen (laufen) lernen? Forschende Ansätze im KinderKunstLabor. Passagen Verlag, Wien 2024, ISBN 978-3-7092-0610-2
  18. Design Educates Awards | Winners Gallery. Abgerufen am 6. Januar 2026.
  19. Schenker Salvi Weber Architekten / KinderKunstLabor, St. Pölten / 2026 / Bildungsbauten / best architects award. Abgerufen am 6. Januar 2026.
  20. Staatspreis Architektur 2025. Abgerufen am 6. Januar 2026.