Kikis kleiner Lieferservice (Roman)
Kikis kleiner Lieferservice (Originaltitel: 魔女の宅急便 Majo no Takkyūbin) ist ein Kinderbuch der japanischen Schriftstellerin Eiko Kadono. Es erschien 1985 und handelt von einer jungen Hexe, die in eine neue Stadt zieht und dort einen Lieferdienst eröffnet.
Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 2024. Das Buch wurde zweimal verfilmt: als der Studio-Ghibli-Film Kikis kleiner Lieferservice von 1989 und als die Realverfilmung Kikis kleiner Lieferservice von 2014.
Handlung
Die Hexe Kiki feiert bald ihren 13. Geburtstag. Der Tradition gemäß wird sie dann ihr Elternhaus verlassen und in eine neue Stadt ziehen, in der sie ihre Dienste als Hexe anbietet. Kiki ist sich unsicher, in welcher Sparte sie tätig werden könnte, da sie anders als ihre Mutter, eine begabte und gefragte Kräuterhexe, in keiner Disziplin der Hexenkunst ein besonderes Talent zeigt. Trotzdem macht sie sich zusammen mit dem schwarzen Kater Jiji, der sie schon ihr Leben lang begleitet, auf dem Weg. Sie lässt sich in der Küstenstadt Koriko nieder.
In Koriko lernt Kiki die freundliche Osono kennen, die dort mit ihrem Mann eine Bäckerei betreibt und Kiki einlädt, bei ihr zu wohnen. Osono bringt Kiki auf den Gedanken, dass ihre Fähigkeit, mit einem Besen zu fliegen, bereits ein ausreichend ausgefallenes Talent ist, um sich in Koriko einen Namen zu machen. Kiki eröffnet also ein Geschäft, in dem sie ihre Dienste als fliegende Lieferantin für alle Arten von Gütern anbietet.
Die folgenden Kapitel erzählen jeweils eine Episode, die Kiki bei der Auslieferung eines Auftrags erlebt. Kikis erster Auftrag ist das Überbringen eines Katzen-Stofftiers als Geburtstagsgeschenk für ein Kind. Da die Stoffkatze unterwegs verloren geht, muss Jiji sich vorübergehend als das Kuscheltier ausgeben, bis das Geschenk wiedergefunden ist. Bei der Suche lernt Kiki eine Malerin kennen, für die sie später ein Bild zu einer Ausstellung transportiert. Als Kiki einen Sommertag am Strand verbringt, kommt ein Sturm auf, und sie muss ein Kind davor bewahren, aufs Meer hinauszutreiben und zu ertrinken. Die Rettung gelingt Kiki, obwohl sie dafür einen Ersatzbesen nutzen muss, da ihr Hexenbesen entwendet wurde. Der Dieb des Hexenbesens stellt sich als Tombo heraus, ein Junge, der sich für das Fliegen begeistert und einmal das Besenfliegen ausprobieren wollte. Kiki und Tombo freunden sich an, und Tombos ingenieurtechnisches Talent wird Kiki später bei komplizierteren Transporten nützlich. Kiki liefert unterschiedlichste Dinge aus, so eine Ladung Gebäck an die Schwester einer Auftraggeberin oder an einen Schiffskapitän eine Ladung von seiner Mutter gestrickter Bauchwärmer. Als Mimi, ein gleichaltriges Mädchen, Kiki beauftragt, ein anonymes Geschenk an einen Jungen auszuliefern, kann Kiki ihre Neugier nicht beherrschen und liest das von Mimi beigelegte Gedicht. Dabei geht der Brief verloren und Kiki muss ein neues Gedicht verfassen. Der Adressat ist von dem Gedicht sehr angetan, Mimi nimmt Kiki den Eingriff nicht übel, und die beiden werden Freundinnen. Einen besonders heiklen Auftrag für Kiki hat der Bürgermeister von Koriko: Am Neujahrstag ist die Turmuhr stehengeblieben, und Kiki soll ein Ersatz-Zahnrad aus dem Nachbarort stibitzen. Kiki kann dies nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und findet eine andere Lösung. Sie fliegt mit Wucht gegen den großen Uhrzeiger und bringt so die Uhr wieder in Gang. Das Neujahrsfest ist gerettet, Kiki wird in Koriko stadtbekannt und erwirbt sich den Respekt der Stadtbevölkerung. Ihren letzten Auftrag gibt ihr eine Gruppe hochnäsiger Musiker, die in Koriko ein Frühlingskonzert geben wollen, aber ihre Instrumente im Zug vergessen haben. In einem waghalsigen Flugmanöver ergattert Kiki die Musikinstrumente aus dem fahrenden Zug.
Nun ist Kikis erstes Lehrjahr vorüber und sie darf in ihre Heimatstadt zurückkehren. Kiki ist unsicher, ob sie ihr Lehrjahr zur Zufriedenheit ihrer Eltern abgeschlossen hat, macht sich aber schließlich mit Jiji auf die Reise. Ihre Eltern empfangen sie herzlich, sie verbringt eine schöne Zeit in ihrem Elternhaus, vermisst aber schließlich Osono, Mimi und Tombo und kehrt nach Koriko zurück, um ihren Lieferservice wieder aufzunehmen.
Übersetzungen
Kikis kleiner Lieferservice blieb lange Zeit unübersetzt. Eine Übersetzung ins Englische (Kiki’s Delivery Service) erschien erstmals 2003 (übersetzt von Lynne E. Riggs, ISBN 1-55037-788-4). Inzwischen ist das Buch in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ins Deutsche übersetzt wurde es erstmals 2024 von Miryll Ihrens.
Ausgaben (Auswahl)
- 魔女の宅急便. Illustriert von Akiko Hayashi. Fukuinkan Shoten, 1985, ISBN 978-4-8340-0119-8
- Kikis kleiner Lieferservice. Aus dem Japanischen von Miryll Ihrens. Illustriert von Yuta Onoda. Cross Cult, 2024, ISBN 978-3-98743-137-1
- Kikis kleiner Lieferservice. Aus dem Japanischen von Miryll Ihrens. Gelesen von Hannah Schepmann. RBmedia Verlag, München 2024 (Hörbuch)
Fortsetzungen
Kadono schrieb 1993 die erste Fortsetzung. Inzwischen hat sie acht weitere Bücher mit Kiki als Hauptfigur verfasst, das letzte erschien 2022.
Auf Deutsch sind erschienen bzw. angekündigt:
- Band 2: Kiki und die neue Magie. (Originaltitel: 魔女の宅急便その2 キキと新しい魔法 Kiki to Atarashii Mahō), 2024, ISBN 978-3-98743-138-8
- Band 3: Kiki und die andere Hexe. (Originaltitel: 魔女の宅急便その3 キキともうひとりの魔女 Kiki to mō Hitori no Majo), 2024, ISBN 978-3-98666-668-2
- Band 4: Kiki und ihre große Liebe. (Originaltitel: 魔女の宅急便その4 キキの恋 Kiki no Koi), 2025, ISBN 978-3-98666-685-9
- Band 5: Kiki und der ruhende Zauber. (Originaltitel: 魔女の宅急便その5 魔法の止まり木 Mahō no Tomarigi), 2025, ISBN 978-3-98666-738-2
- Band 6: Kiki und die Zeit des Aufbruchs. (Originaltitel: 魔女の宅急便その6 それぞれの旅立ち Sorezore no Tabidachi), 2026, ISBN 978-3-9866-6826-6.
In einer im Jahr 2014 online veröffentlichten Geschichte erzählt Kadono aus der Kindheit der Bäckerin Osono.[1]
Auszeichnungen
In Japan wurde Eiko Kadono gemeinsam mit der Illustratorin Akiko Hayashi 1985 mit dem Noma-Kinderliteraturpreises ausgezeichnet. Kikis kleiner Lieferservice wurde auf die IBBY Honour List des Jahres 1986 aufgenommen.[2] 2018 erhielt Kadono den Hans Christian Andersen Preis, wobei in der Laudatio Kikis kleiner Lieferservice hervorgehoben wurde.[3]
Adaptionen
Film
1989 erschien die Anime-Verfilmung Kikis kleiner Lieferservice von Hayao Miyazaki. Die Handlung folgt etwa zur Hälfte eng dem Buch und ist im weiteren Verlauf lose davon inspiriert. Kikis Reise in die neue Stadt, die Gründung ihres Geschäfts und ihr erster Auftrag spielen sich ab wie in der Literaturvorlage. Kikis Freund Tombo spielt im Film eine bedeutendere Rolle; dramatische Momente wie Kikis Sinnkrise in der Mitte des Films und die Rettung Tombos durch Kiki sind von Miyazaki hinzuerfunden.
Die japanische Realverfilmung Kikis kleiner Lieferservice von Takashi Shimizu mit Fūka Koshiba in der Hauptrolle kam 2014 ins Kino. Sie basiert auf dem Buch Kikis kleiner Lieferservice sowie seiner ersten Fortsetzung, Kiki und die neue Magie.
Theater und Musical
Die erste Musicalfassung von Yukio Ninagawa wurde 1993 unter der Regie von Kensuke Yokouchi uraufgeführt, die Hauptrolle spielte Youki Kudoh.[4]
Eine Theaterbearbeitung von Jessica Siân wurde unter der Regie von Katie Hewitt 2016 im Londoner Southwark Playhouse uraufgeführt.[5]
Eine weitere japanische Musicalfassung mit Musik von Ryōta Kojima nach einem Buch von Kōki Kishimoto, der auch Regie führte, wurde im Juni 2017 in Tokio uraufgeführt.[4] 2021 wurde sie erneut aufgeführt.[6]
Weblinks
- Kikis kleiner Lieferservice auf den Seiten des Verlags Cross Cult
Einzelnachweise
- ↑ Jennifer Sherman: Kiki's Delivery Service's Osono Side Story Published Online. In: Anime News Network. 8. März 2014, abgerufen am 5. Mai 2025 (englisch).
- ↑ IBBY Honour List 1986, abgerufen am 4. Mai 2025 (PDF; englisch).
- ↑ Hans Christian Andersen Awards 2018, ibby.org, abgerufen am 4. Mai 2025 (englisch).
- ↑ a b Rafael Antonio Pineda: Kiki's Delivery Service Novels Get Stage Musical in June. In: Anime News Network. 10. Februar 2017, abgerufen am 5. Mai 2025 (englisch).
- ↑ Howard Loxton: Kiki's Delivery Service. In: British Theatre Guide. Abgerufen am 5. Mai 2025 (englisch).
- ↑ The Sankei Shimbun: Author Eiko Kadono’s ‘Kiki’s Delivery Service’ Takes its Magic to the Stage. In: Japan Forward. 24. März 2021, abgerufen am 5. Mai 2025 (englisch).