Kielschnabelmotmot
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Kielschnabelmotmot (Electron carinatum), im Schutzgebiet Area de Conservación Arenal Huetar Norte (ACAHN) in Costa Rica | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Electron carinatum | ||||||||||
| (Du Bus de Gisignies, 1847) |
Der Kielschnabelmotmot (Electron carinatum), ist eine mittelgroße Vogelart aus der Familie der Sägeracken. Sein Verbreitungsgebiet liegt in Mittelamerika vom Südosten Mexikos bis zum Nordosten von Costa Rica.[1][2][3][4] Die Erstbeschreibung des Kielschnabelmotmots wurde im Jahr 1847 vom belgischen Naturforscher und Ornithologen Bernard Amé Léonard Du Bus de Gisignies mit dem Basionym Prionites carinatus veröffentlicht.[5][6]
Merkmale
Der Kielschnabelmotmot ist ein mittelgroßer Vogel, welcher gern regungslos in Bäumen sitzt.[2] Er erreicht eine Gesamtlänge von 30 cm[4] bis 38 cm[6] und ein Gewicht von 65 g.[3][6] Seine Gefiederfärbung ist überwiegend mattgrün und an der Unterseite von der Brust über den Bauch hellgrün gefärbt. Sein Kopf besitzt eine schwarze Maske, eine orangefarbene Stirn, einen blauen Überaugenstreif und ein helltürkisfarben gefärbtes Kinn.[2][4][6] Auf der hellgrünen Brust befindet sich ein markanter, schwarzer Brustfleck.[2][6] Der kräftige Schnabel ist länglich, besitzt entlang der Innenseiten am Schnabelrand kleine Sägezähne und ist leicht nach unten gebogen. Das spatelförmige Schwanzende ist nur bei adulten Individuen vorhanden. Jungvögel besitzen eine durchgehende Befiederung am Schwanz und bilden das spatelförmige Schwanzende mit zunehmendem Alter aus, in dem sie die kleinen Federn im Bereich vor dem Schwanzende verlieren.[6]
Eine Verwechselung mit einer anderen Vogelart im Verbreitungsgebiet ist mit dem Plattschnabelmotmot (Electron platyrhynchum) möglich.[2][4] Als Unterscheidungsmerkmal für den Kielschnabelmotmot, können die kleinere Körpergröße und das Gesichtsmuster verwendet werden.[2]
Verbreitung
Für den Kielschnabelmotmot wurden Vorkommen in Belize, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Mexiko und Nicaragua aufgezeichnet.[1][4][6] Die Gesamtpopulation wurde in einer Bandbreite von 2500 bis 10000 adulten Individuen veröffentlicht. Diese Veröffentlichung deckt die dokumentierten Vorkommen ab. Es ist wahrscheinlich, dass nur ein Teil des bekannten Verbreitungsgebietes besiedelt ist. Daher wurde die Gesamtpopulation mit einer Anzahl von 1500 bis 1700 fortpflanzungsfähigen Individuen geschätzt.[1]
Die meisten Beobachtungen des Kielschnabelmotmots betreffen Paare oder einzelne Vögel und meistens wurde er nur einmal beobachtet.[1][2] Ausnahmen bilden neuere Beobachtungen in Belize, Guatemala, Honduras und Costa Rica. Doch selbst bei diesen Sichtungen tritt der Kielschnabelmotmot nur in einer sehr geringen Populationsdichte auf. Von BirdLife International wurde sein Vorkommen als selten und sporadisch vorkommende Vogelart beschrieben. In Belize wurden die meisten Beobachtungen in der südlichen Region der Maya Mountains gemacht. Diese Populationen wurden als klein und stark isoliert beschrieben. Für Costa Rica gab es mehrere Sichtungen in der Gegend um den Vulkan Arenal aus angrenzenden, privaten Reservaten und dem Nationalpark Arenal. Für Mexiko und in Teilen von Guatemala wurde ein Aussterben vermutet.[1]
Lebensraum
Der Kielschnabelmotmot hat ein relativ großes und fragmentiertes Verbreitungsgebiet. Er kommt in geringer Dichte vor und benötigt daher große und ungestörte Lebensräume.[1] Besiedelt wird ausschließlich Tropischer Regenwald in den Zonen vom Tieflandregenwald bis zum Bergregenwald. Einzelne Beobachtungen können außerhalb dieser Waldgebiete vorkommen.[3][4] In Mexiko wurden alle geeigneten Lebensräume mit einer hohen Geschwindigkeit gerodet. Die starke Rodung der bewaldeten Hänge und Ausläufer der Bergregionen in Costa Rica lassen ein Aussterben des Kielschnabelmotmots aufgrund fehlender Habitate vermuten.[1] Es werden Höhenlagen von Meereshöhe bis circa 1600 m besiedelt.[1][3][6] Im natürlichen Lebensraum erreicht der Kielschnabelmotmot ein durchschnittliches Lebensalter von vier bis fünf Jahren.[1][3] Für einzelne Individuen wurde ein Alter von zehn Jahren beobachtet.[3]
Lebensweise
Der Kielschnabelmotmot ist eine tagaktive Vogelart.[3] Er ist ein Nahrungsgeneralist und seine Nahrung besteht aus pflanzlichen und tierischen Bestandteilen. Seine Beute fängt er meist von seinem Ansitz in einem Baum, in dem er einen Sturzflug oder einen kurzen Verfolgungsflug durchführt. Zu den Wirbellosen gehören Käfer, Schmetterlinge, Raupen, Libellen, Gottesanbeterinnen, Zikaden, Spinnen, Hundertfüßer, Tausendfüßer, Skorpione, Schnecken und Regenwürmer. Bei den Kleintieren erbeutet er Eidechsen, kleine Schlangen, Frösche und kleine Fische.[6] Zur pflanzlichen Nahrung gehören überwiegend Früchte.[3] Seine Lebensweise wirkt einzelgängerisch, er scheint aber Paarbindungen während des Jahres aufrechtzuerhalten. Das Verhalten ist meist unauffällig und daher wird der Kielschnabelmotmot oft nicht entdeckt. Die Hauptaktivität findet in der Dämmerung und im Morgengrauen statt. Der Schwanz schwingt oft, manchmal ruckartig.[6]
Fortpflanzung
Die Geschlechtsreife erreicht der Kielschnabelmotmot kurz nach dem ersten Lebensjahr. Das Nest wird in einer Erdhöhle im Boden errichtet. Meist an Steilkanten oder steilabfallenden Erosionsflächen, wie Uferböschungen entlang saisonaler Bäche.[3] Die Männchen verteidigen ihr Brutrevier durch intensive Rufe zwischen Januar und März.[6]
Lautäußerungen
Der Ruf des Kielschnabelmotmots ist dem Ruf des Plattschnabelmotmots sehr ähnlich.[2] Der Ruf ist am frühen Morgen am lautesten und wird als tief klingendes, nasales, resonantes „Ornk“ oder „Quoonk“ beschrieben.[4]
Gefährdung
Von der Weltnaturschutzunion IUCN wird diese Vogelart in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt und mit dem Status als gefährdet (Vulnerable) eingestuft.[1][6]
Der Kielschnabelmotmot kommt in kleinen Populationen und in mehreren voneinander getrennten Teilpopulationen vor. Für die Verbreitungsgebiete in Mexiko und im Süden von Guatemala wird ein Aussterben bereits vermutet. Für die anderen Vorkommen in Belize, Costa Rica, Honduras, Nicaragua und im Norden von Guatemala wurde ein rückläufiger Populationstrend veröffentlicht. Der Hauptgrund für den langsamen Rückgang sind die Rodung von Tiefland- und Bergregenwäldern im gesamten Verbreitungsgebiet für eine landwirtschaftliche Nutzung durch Plantagen oder eine menschliche Besiedlung. Eine Hauptgefährdung ist die Umwandlung von Flächen in Bananenplantagen. In Costa Rica wurde der größte Teil des vorhandenen Regenwaldes gerodet. Anschließend wurden die gerodeten Areale als Viehweiden genutzt und später in ausgedehnte Ananasplantagen umgewandelt.[1]
Die vorhandenen Schutzgebiete in Guatemala, in denen der Kielschnabelmotmot vorkommt, sind durch Waldbrände, illegalen Holzeinschlag und die Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen bedroht. Auch das Biosphärenreservat Río Plátano in Honduras und der Nationalpark Saslaya in Nicaragua sind akut durch Abholzung, Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen und das Eindringen von Siedlern bedroht. In Belize waren bisher kaum Bedrohungen bekannt. Durch die Änderung der Umweltbedingungen im Südwesten von Belize, die zunehmende Besiedlung durch Siedler aus dem benachbarten Guatemala und der Änderung der Landnutzung, ist der Kielschnabelmotmot mittlerweile eine bedrohte Vogelart in Belize. Besondere Schutzmaßnahmen wurden nicht durchgeführt, da der Kielschnabelmotmot in mehreren Schutzgebieten vorkommt. Es lagen jedoch nur wenige, aktuelle Sichtungen vor und Informationen über den verbleibenden Lebensraum sind kaum vorhanden. Ausnahmen bilden Belize und Guatemala, für die Informationen aus den Schutzgebieten vorliegen. Die Schutzgebiete in Guatemala sind aufgrund von Mängeln in der Verwaltung bedroht und es wurden keine aktuellen Daten bereitgestellt.[1]
Ein internationaler Handel mit dieser Vogelart wurde in keiner der überprüften Handelsdatenbanken ersichtlich. Es gibt keine Hinweise darauf, dass diese Vogelart anderweitig verwendet wird.[1]
Literatur
- Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 405 & 408.
- Michael Hutchins, Jerome A. Jackson, Walter J. Bock & Donna Olendorf: Grzimek’s Animal Life Encyclopedia. 2. Auflage. Gale Group, Farmington Hills, MI 2002, ISBN 0-7876-5786-7, S. 34 & 36.
Weblinks
- Electron carinatum Eintrag in der Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 4. Januar 2026
- Kielschnabelmotmot (Electron carinatum) bei Avibase
- Kielschnabelmotmot (Electron carinatum) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Kielschnabelmotmot (Electron carinatum)
- Electron carinatum in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2020. Abgerufen am 4. Januar 2026.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Electron carinatum in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN.
- ↑ a b c d e f g h Kielschnabelmotmot (Electron carinatum) auf eBird.org
- ↑ a b c d e f g h i Kielschnabelmotmot (Electron carinatum) bei Avibase
- ↑ a b c d e f g * Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 405 & 408.
- ↑ Electron carinatum Eintrag in der Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 4. Januar 2026
- ↑ a b c d e f g h i j k l Michael Hutchins, Jerome A. Jackson, Walter J. Bock & Donna Olendorf: Grzimek’s Animal Life Encyclopedia. 2. Auflage. Gale Group, Farmington Hills, MI 2002, ISBN 0-7876-5786-7, S. 34 & 36.