Khalid Al-Maaly
Khalid Al-Maaly (arabisch خالد المعالي Chalid al-Maʿali, DMG Ḫālid al-Maʿālī; * 15. April 1956 in as-Samawa, Irak) ist ein deutscher Schriftsteller und Verleger irakischer Herkunft. Er wurde vor allem durch seine eigenen Gedichte, zahlreiche Übersetzungen arabischer Literatur ins Deutsche, als Herausgeber und Verleger bekannt.
Leben
Khalid Al-Maaly entstammt einer Beduinenfamilie aus dem Irak. 1978 legte er die Reifeprüfung ab; 1979 verließ er nach der Machtübernahme Saddam Husseins das Land und flüchtete über den Libanon nach Frankreich. 1980 beantragte er in der Bundesrepublik Deutschland politisches Asyl; 1983 wurde er als politischer Flüchtling anerkannt; seit 1996 ist er deutscher Staatsbürger. Die folgenden Jahre lebte er in Köln-Deutz. Hier übersetzte er gemeinsam mit dem Publizisten und Übersetzer Heribert Becker ein Dutzend Titel von Al-Maaly und anderen Autoren aus dem arabischen Raum ins Deutsche. 2008 zog Al-Maaly nach Beirut, wo er den von ihm gegründeten Verlag Manschurat al-Djamal (zuvor Al-Kamel-Verlag) leitet und die arabische Literaturzeitschrift Uyoun herausgibt. Der Verlag zog danach in die Vereinigten Arabischen Emirate um und unterhält auch eine Niederlassung mit angeschlossener Buchhandlung in Bagdad.[1][2][3]
Al-Maaly hatte bereits in den Siebzigerjahren Gedichte in verschiedenen arabischen Literaturzeitschriften veröffentlicht; sein erster Gedichtband in arabischer Sprache erschien 1978. Seither schreibt er Gedichte und Prosa, sowohl in deutscher als auch in arabischer Sprache. Daneben ist er als Übersetzer aus dem Deutschen ins Arabische und aus dem Arabischen ins Deutsche tätig.
Al-Maaly ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller. Er erhielt u. a. 1988 das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium, 1990 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen sowie 1995 ein Stipendium des Künstlerdorfes Schöppingen. Im Jahr 2021 wurde ihm der Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland zuerkannt.[4]
Werke
- Werke in deutscher Sprache
- Gedanken über das Lauwarme. Prosa. Dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7638-0513-3.
- Mitternachtswüste (= Publication P No 1. Bd. 53). Bibliothek der Provinz u. a., Weitra u. a. 1990, ISBN 3-900878-53-6.
- Klage eines Kehlkopfes. Gedichte. Edition Fundamental, Köln 1992.
- Das halbe Sein (= Alinea. Bd. 4, ZDB-ID 2480264-5). Edition Fundamental, Köln 1993.
- Phantasie aus Schilf. Gedichte. Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1994, ISBN 3-86093-039-7.
- Landung auf dem Festland. Gedichte. Übersetzung mit Heribert Becker, Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1997, ISBN 3-86093-156-3.
- mit Mona Naggar: Lexikon arabischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts. Palmyra, Heidelberg 2004, ISBN 3-930378-55-8.
- Rückkehr in die Wüste. Gedichte, Übersetzung mit Heribert Becker, Verlag Hans Schiler, Berlin 2015, ISBN 978-3899300116.
- Herausgeberschaft
- Mittenaus, mittenein. Lyrik aus dem Irak. Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1993, ISBN 3-86093-038-9.
- Zwischen Zauber und Zeichen. Moderne arabische Lyrik von 1945 bis heute. Mitübersetzer: Heribert Becker, Verlag Das Arabische Buch, Berlin 2000, ISBN 3-86093-242-X.
- Nach dem letzten Himmel. Neue palästinensische Lyrik. Anthologie. Mitübersetzer: H. Becker, Gutke, Köln u. a. 2003, ISBN 3-928872-37-0.
- Die arabische Welt zwischen Tradition und Moderne. Palmyra, Heidelberg 2004, ISBN 3-930378-56-6.
- Mahmud Darwisch: Warum hast du das Pferd allein gelassen. Gedichte. Arabisch – deutsch. Schiler, Berlin 2004, ISBN 3-89930-244-3.
- Rückkehr aus dem Krieg. Eine Anthologie zeitgenössischer Lyrik aus dem Irak. Mitübersetzer: H. Becker, Gutke, Köln u. a. 2006, ISBN 3-928872-40-0.
- Die Flügel meines schweren Herzens. Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute, Mitübersetzer: H. Becker, Manesse Verlag, Zürich 2008, ISBN 3717540920
- …und brenne flammenlos. Liebe und Erotik in der arabischen Poesie von 500 bis heute, Mitübersetzer: H. Becker, Verlag Hans Schiler, Berlin 2012, ISBN 3899302028
- Übersetzungen aus dem Arabischen ins Deutsche
- übersetzt zusammen mit Heribert Becker: Abdulwahab Al-Bayyati: Aischas Garten. Ausgewählte Gedichte. Arabisch – deutsch. Schiler, Berlin 2003, 2. Auflage 2018, ISBN 3-89930-243-5.
- übersetzt zusammen mit Stefan Weidner: Sargon Boulus: Zeugen am Ufer. Gedichte. Arabisch – deutsch. Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1997, ISBN 3-86093-157-1.
- übersetzt zusammen mit Heribert Becker: Mahmud Darwisch: Weniger Rosen. Gedichte. Arabisch – deutsch. Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1996, ISBN 3-86093-101-6.
- übersetzt zusammen mit Heribert Becker: Unsi al-Hadj: Die Liebe und der Wolf, die Liebe und die anderen. Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1998, ISBN 3-86093-176-8.
- übersetzt zusammen mit Heribert Becker: Fadhil al-Azzawi: Auf einem magischen Fest. Gedichte, Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1998, ISBN 978-3-86093-185-1.
- Saif ar-Rahbi: Das Heulen der Wölfe. Ausgewählte Gedichte. Schiler, Berlin 2007, ISBN 978-3-89930-134-2.
- übersetzt zusammen mit Stefan Weidner: Badr Shakir as-Sayyab: Die Regenhymne und andere Gedichte. (Arabisch – deutsch). Verlag Das Arabische Buch, Berlin 1995, ISBN 3-86093-048-6.
- übersetzt zusammen mit Heribert Becker: Saadi Yussef: Fern vom ersten Himmel. Ausgewählte Gedichte. Arabisch – deutsch. Schiler, Berlin 2004, ISBN 3-89930-045-9.
Weblinks
- Literatur von und über Khalid Al-Maaly im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Khalid Al-Maaly bei NRW Literatur im Netz
- Khalid Al-Maaly (Kurzbiografie) In: Exil-Archiv
- Webseite Al-Kamel Verlag
Einzelnachweise
- ↑ Kleiner und Al-Maaly ausgezeichnet. Abgerufen am 26. Dezember 2023.
- ↑ Banipal (UK) Magazine of Modern Arab Literature - Contributors - Khalid al-Maaly. Abgerufen am 26. Dezember 2023.
- ↑ Al Kamel Verlag. In: Promoting Arabic Literature in Europe. 16. Februar 2023, abgerufen am 26. Dezember 2023 (britisches Englisch).
- ↑ Übersetzerpreise für Barbara Kleiner und Khalid Al-Maaly ( des vom 17. Mai 2021 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 8. März 2021