Kent C. Berridge
Kent Charles Berridge (* 1957) ist ein US-amerikanischer Psychologe und Neurowissenschaftler an der University of Michigan. Er ist durch seine Forschung zu Gehirnmechanismen bekannt, speziell zu Affekt, Emotion, besonders zur Theorie der Motivation und des "Wanting" / "Liking". Mit Terry Robinson entwickelte er eine Theorie der Anreizsensibilisierung, besonders in der Drogensucht. Er gehört zu den bedeutendsten Psychologen der Gegenwart.[1]
Ausbildung
Berridge erwarb 1979 einen Bachelor of Science an der University of California, Davis und 1983 den Ph.D. an der University of Pennsylvania. Seit 1985 lehrt er an der University of Michigan in Ann Arbor.[2]
Forschung
Berridge erforscht Gehirnsysteme in Bezug auf Affekt, Motivation, Belohnungen (like/mögen~genießen), Reize (want/begehren~wollen), Emotion, Angst, Freude, Drogenabhängigkeit, Essstörungen und Entscheidungsnutzen. Er untersucht ebenso natürliche Verhaltensketten (z. B. in der Pflege; Geschmacksreaktionsmuster) bei Tieren sowie mit Piotr Winkielman das Problem der unbewussten Emotionen beim Menschen.
Liken
Berridge wurde bekannt für seine Arbeit an Gehirnsystemen zum Genießen/zur Lust (pleasure~ „like“). Mit einem von Geschmacksforschern entwickelten Assay zu „gefällt mir“ namens Taste Reactivity Analysis hat Berridge die Gesichtsreaktionen auf den Geschmack gemessen, die zwischen Nagetieren, Primaten und Menschen ähnlich sind. Wenn etwas angenehm Süßes geschmeckt wird, treten charakteristische „lecker“-Antworten auf. Wenn etwas abstoßend bitter schmeckt, zeigen sich Abstandnehmen und Kopfschütteln. Berridge hat geholfen, „hedonische Hotspots“ im Gehirn zu identifizieren, wie den Nucleus accumbens und das ventrale Pallidum, wo Opioide, Endocannabinoide und GABA-Neurotransmission das „Gefallen“ an Geschmäckern koordinieren. Berridge nimmt an, dass diese hedonischen Hotspots entscheiden, ob und wie das Gehirn die angenehmen Gefühle erzeugt, die etwa für leckeres Essen, Sex, Drogen und andere Belohnungen üblich sind (bisher eher dem Dopamin-System zugewiesen).[3][4][5]
Sucht
Berridge und Terry Robinson haben eine neue Theorie zur Sucht formuliert, die Incentive Sensitization Theory of Addiction. Nach dieser Theorie entwickelt sich die Drogenabhängigkeit aus einer Sensibilisierung des mesolimbischen Dopaminsystems. Dopamin funktioniert normalerweise, indem stimulierende Reize zu Bestrebungen führen, die mit Belohnungen wie Essen und Sex verbunden sind, und löst ein „haben wollen“ aus. Drogen stören dieses etablierte „haben wollen“ System. Nach wiederholter Einnahme von Drogen wird das Dopaminsystem hyper-responsiv und Drogenreize werden hyper-anreizend mit der Folge, dass Drogenreize für Süchtige fast unmöglich zu ignorieren sind, und wenn sie darauf stoßen, können sie zu intensivem Verlangen und / oder Rückfall führen. Dieses sensibilisierte, auf Drogen ausgerichtete „haben wollen“ kann jahrelang bestehen bleiben, auch nachdem ein Süchtiger auf Drogen verzichtet hat, und lange, nachdem der Drogenentzug aufgehört hat. Dies kann die Neigung ehemaliger Süchtiger zum Drogenkonsum nach dem Aufhören erklären, die manchmal sogar nach vielen Jahren der Abstinenz auftritt.[6]
Dopamin
Berridge und Robinson halfen, die Rolle des mesolimbischen Dopamin im Gehirn neu zu definieren, das zuvor als Genuss-Neurotransmitter angesehen worden war. Dopamin wird nicht mehr als Genusssender angesehen, sondern Dopamin vermittelt eine Belohnung.[7]
Auszeichnungen
Berridge war ein Guggenheim Fellow und ein Fulbright Senior Scholar. Er teilte sich 2016 den APA Award für herausragende wissenschaftliche Beiträge und den Grawemeyer Award 2018 für herausragende Ideen in der Psychologie mit Terry Robinson. Er erhielt die APS William James Fellow Lifetime Achievement Award der Association for Psychological Science im Jahr 2023 und wurde 2024 ein Mitglied der National Academy of Sciences.
Veröffentlichungen
- Robinson, T. E., & Berridge, K. C. (2025): The incentive-sensitization theory of addiction 30 years on. Annual review of psychology, 76.
- Morten L. Kringelbach, Kent C. Berridge: Pleasures of the Brain. Oxford University Press, 2010, ISBN 978-0-19-533102-8 (google.de).
- mit Leo Gürtler: Awareness and Wisdom in Addiction Therapy: The In-Depth Systemics Treatment of Mental-somatic Models, Vipassana Research Publications, 2020
Weblinks
- Kent C. Berridge – NAS. In: https://www.nasonline.org/. Abgerufen am 10. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
- Google Scholar - Kent C Berridge. Abgerufen am 10. Januar 2026.
Einzelbelege
- ↑ The 50 Most Influential Living Psychologists in the World. (PDF) The best schools, 2023, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).
- ↑ https://lsa.umich.edu/content/dam/michigan-lsa/people-update/cv/berridge-06282024-012211-KentBerridgeCV.pdf
- ↑ Morten L. Kringelbach, Kent C. Berridge: Towards a functional neuroanatomy of pleasure and happiness. In: Trends in Cognitive Sciences. Band 13, Nr. 11, November 2009, S. 479–487, doi:10.1016/j.tics.2009.08.006, PMID 19782634, PMC 2767390 (freier Volltext) – (elsevier.com [abgerufen am 10. Januar 2026]).
- ↑ Kent C. Berridge: Pleasures of the brain. In: Brain and Cognition. Band 52, Nr. 1, Juni 2003, S. 106–128, doi:10.1016/S0278-2626(03)00014-9 (elsevier.com [abgerufen am 10. Januar 2026]).
- ↑ Kent C. Berridge, Morten L. Kringelbach: Pleasure Systems in the Brain. In: Neuron. Band 86, Nr. 3, Mai 2015, S. 646–664, doi:10.1016/j.neuron.2015.02.018, PMID 25950633, PMC 4425246 (freier Volltext) – (elsevier.com [abgerufen am 10. Januar 2026]).
- ↑ Kent C. Berridge, Terry E. Robinson: Liking, wanting, and the incentive-sensitization theory of addiction. In: American Psychologist. Band 71, Nr. 8, November 2016, ISSN 1935-990X, S. 670–679, doi:10.1037/amp0000059, PMID 27977239, PMC 5171207 (freier Volltext) – (apa.org [abgerufen am 10. Januar 2026]).
- ↑ Kent C. Berridge: The debate over dopamine’s role in reward: the case for incentive salience. In: Psychopharmacology. Band 191, Nr. 3, 2. März 2007, ISSN 0033-3158, S. 391–431, doi:10.1007/s00213-006-0578-x (springer.com [abgerufen am 10. Januar 2026]).