Kenneth Nordtvedt

Kenneth Leon Nordtvedt (* 16. April 1939 in Skokie, Illinois;[1]9. Oktober 2025[2]) war ein US-amerikanischer Physiker und Hochschullehrer, der sich mit Gravitationsphysik und speziell experimentellen Tests relativistischer Gravitationstheorien beschäftigte.

Leben

Kenneth Nordtvedt studierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT, Bachelor 1960) und an der Stanford University, wo er 1962 seinen Master-Abschluss in Physik machte und 1965 promoviert wurde. 1963 bis 1965 war er im Instrumentation Lab des MIT. Ab 1965 war er Assistant Professor und später bis zu seiner Emeritierung Professor an der Montana State University in Bozeman.

Nordtvedt ist für Vorschläge in den 1960er Jahren für Experimente zur Überprüfung des Äquivalenzprinzips bekannt. Er schlug genaue Messungen des Abstands zum Mond mit Lasern vor, um das starke Äquivalenzprinzip zu testen, ob die gravitative Bindungsenergie des Mondes in gleicher Weise zur trägen wie zur schweren Massen des Mondes beiträgt (Nordtvedt Effekt).[3][4] Nach dem starken Äquivalenzprinzip müsste dies der Fall sein und gravitative Bindungsenergie sich wie alle anderen Energieformen verhalten. Betrachtet man Erde und Mond im Schwerefeld der Sonne, sollte sich bei Verletzung des Prinzips eine Abweichung in den Abstandsmessungen bemerkbar machen. Die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) sagt keine Unterschiede voraus, im Gegensatz etwa zur Brans-Dicke-Theorie, die monatliche Oszillationen im Erd-Mond-Abstand (je nach relativer Stellung des Mondes) mit einer Amplitude von bis zu 10 m vorhersagt.[5] Messungen im Lunar Laser Ranging Experiment zeigten keine Abweichungen von den Vorhersagen der ART.[6] Die Experimente waren auch eine Bestätigung des Äquivalenzprinzips hinsichtlich der unterschiedlichen Element-Zusammensetzung der Himmelskörper mit einer relativen Genauigkeit von 10−11.

In den 1990er Jahren war Nordtvedt im Aufsichtsgremium NASA/ESA Projekts für einen geplanten Test des Äquivalenzprinzips im Weltraum (STEP, Space Test of Equivalence Principle).[7] Von 1971 bis 1973 war er Forschungsstipendiat der Alfred P. Sloan Foundation (Sloan Research Fellowship). Er war Fellow der American Physical Society. Ab 1987 war er im National Science Board während der Präsidentschaft von Ronald Reagan, als einer der beiden einzigen Universitätswissenschaftler in diesem Gremium.

Ab Anfang der 1980er Jahre war er sechs Jahre lang republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Montana[8] und unterbrach in dieser Zeit seine Forschungstätigkeit, die zuvor in den 1970er Jahren zum Beispiel durch die NASA gefördert worden war.

Er beschäftigte sich auch mit genetischen Methoden in der Ahnenforschung.

Einzelnachweise

  1. Geburtsdaten und Karrieredaten nach American Men and Women of Science, Thomson Gale 2005
  2. Kenneth Nordtvedt Obituary (1939 - 2025). In: legacy.com. 22. Oktober 2025, abgerufen am 11. Januar 2026 (englisch).
  3. Kenneth Nordtvedt: Equivalence Principle for Massive Bodies. I. Phenomenology. In: Physical Review. Band 169, Nr. 5, 25. Mai 1968, ISSN 0031-899X, S. 1014–1016, doi:10.1103/PhysRev.169.1014 (aps.org [abgerufen am 12. Januar 2026]).
  4. Kenneth Nordtvedt: Equivalence Principle for Massive Bodies. II. Theory. In: Physical Review. Band 169, Nr. 5, 25. Mai 1968, ISSN 0031-899X, S. 1017–1025, doi:10.1103/PhysRev.169.1017 (aps.org [abgerufen am 12. Januar 2026]).
  5. Nordtvedt in Bertotti (Herausgeber) Experimental Gravitation, 56. Enrico Fermi Summer School, Academic Press 1974, Nordtvedt Gravitation Theory. Experimental status from solar system experiments, Science, Band 178, 1972, S. 11571–164
  6. E. G. Adelberger, B. R. Heckel, G. Smith, Y. Su, H. E. Swanson: Eötvös experiments, lunar ranging and the strong equivalence principle. In: Nature. Band 347, Nr. 6290, September 1990, ISSN 1476-4687, S. 261–263, doi:10.1038/347261a0 (nature.com [abgerufen am 12. Januar 2026]).
  7. NASA Space Grant (Memento vom 1. Juli 2007 im Internet Archive)
  8. The Montana Legislature