Kaunos (Mythologie)
Kaunos (altgriechisch Καῦνος Kaúnos, lateinisch Caunus) ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie.
Er war der Sohn des Miletos und Zwillingsbruder der Byblis. Seine Schwester, Byblis, verliebte sich in Kaunos, er floh und sie verfolgte ihn durch fast ganz Griechenland und Kleinasien, bis sie sich schließlich erschöpft und traurig in eine Quelle verwandelte.[1]
Nach ihm ist die Stadt Kaunos benannt.
Kaunos und Byblis in Ovids Metamorphosen
Die ausführlichste literarische Ausarbeitung des Mythos findet sich bei Ovid im 9. Buch der "Metamorphosen" (9,439–665). Ovid gestaltet die Episode vor allem als psychologisches Porträt der Byblis, deren verbotene Liebe zu ihrem Zwillingsbruder Kaunos sich allmählich zur Obsession steigert. Nachdem sie sich ihre Gefühle zunächst nicht eingesteht, formuliert sie schließlich einen Brief, mit dem sie Kaunos für sich zu gewinnen sucht. Kaunos weist sie jedoch zurück und flieht, um dem Inzestverhältnis zu entgehen. Byblis verfolgt ihn über weite Strecken Kleinasiens und bricht schließlich erschöpft zusammen. Auf Bitten der Nymphen wird sie in eine fortwährend sprudelnde Quelle verwandelt, deren unaufhörliche Tränen an ihre unglückliche Leidenschaft erinnern. Ovids Version prägt insbesondere die motivische Verbindung von unerfüllter Liebe, unstillbarem Weinen und Verwandlung, die in späteren Darstellungen des Mythos wieder aufgegriffen wird.[2]
Literatur
- Christine Walde: Kaunos 1. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 6, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01476-2, Sp. 364.