Katie Edith Gliddon

Katie Edith Gliddon (* 6. Mai 1883 in Twickenham, Middlesex; † 1. September 1967 in Worthing, West Sussex) war eine englisch-britische Suffragette und Aquarellmalerin.

Leben

Gliddon war die Tochter von Margaret Martha, geborene Lelean (1860–1941), und Aurelius James Louis Gliddon (1857–1929), einem Pfarrer der United Reformed Church (1882–84) und Homöopath.[1] Die Volkszählung von 1911 verzeichnet ihn als „General Merchant and Investment Broker“ und Gliddon als „Künstlerin“; sie hatte von 1900 bis 1904 an der Slade School of Fine Art unter Frederick Brown und Henry Tonks studiert.[2] Ihre jüngere Schwester Gladys Evelyn (1886–1969) wurde ebenfalls als Künstlerin geführt. Ihr jüngerer Bruder Maurice Gliddon (1892–1917) fiel im Ersten Weltkrieg.[3]

Gliddon trat um 1910 dem Croydon-Zweig der Women’s Social and Political Union (WSPU) bei, etwa zur gleichen Zeit, als ihr Bruder Cuthbert Paul als Organisator der Men’s Political Union for Women’s Enfranchisement tätig war. Er trat unter dem Namen „Charles Gray“ auf, um seine Eltern nicht in Verlegenheit zu bringen, während Gliddon aus demselben Grund das Pseudonym „Catherine Susan Gray“ verwendete. Bis 1911 hatte sie Artikel über das Frauenwahlrecht in mehreren Zeitungen veröffentlicht. Die in New York ansässige Davis & Langdale Company führt eine Tusch- und Pinselzeichnung mit dem Titel „Gliddon“ des Künstlers Walter Sickert aus etwa 1912, die fast sicher Gliddon darstellt, da sie Sickerts Schwester Helena Swanwick kannte, die ebenfalls Aktivistin für das Frauenwahlrecht war. Außerdem waren sowohl Gliddon als auch Sickert Mitglieder des New English Art Club.[2] Das Amgueddfa Cymru – Museum Wales hat zwei Aquarell-Zeichnungen von Gliddon am Strand und am Schreibtisch, gemalt 1912 von Edna Clarke Hall, in den Beständen.[4]

Anfang März 1912 beteiligte sich Gliddon zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Gliddon schlug sie das Fenster eines Postamts in der Wimpole Street ein und wurde wie die meisten ihrer Mitstreiterinnen verhaftet und zu zwei Monaten Haft mit harter Arbeit im Holloway Prison verurteilt,[5] die sie im März und April 1912 verbüßte.[6] Da sie ihre Inhaftierung erwartete, hatte Gliddon Bleistifte in den Kragen ihres Mantels eingenäht und nutzte diese, um ein geheimes Gefängnistagebuch in die Ränder ihres Exemplars von The Poetical Works of Percy Bysshe Shelley zu schreiben und zu illustrieren.[7] Ihre harte Arbeit bestand aus Nähen, und sie schrieb in ihrem Gefängnistagebuch, dass sie absichtlich schlecht nähte.[8]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gliddon eine erfolgreiche Aquarellmalerin, spezialisiert auf Blumen,[9] und stellte unter anderem in der Royal Academy of Arts, dem New English Art Club, der Society of Women Artists und der Royal Society of Painters in Water Colours aus.[6][10][11] 1927 illustrierte sie French Poetry for Children von Archibald Watson Bain.[12] 1939 lebte sie in Woking, Surrey, wo sie als Kunstlehrerin registriert wurde.

Nach ihrer Laufbahn als Kunstlehrerin zog sie sich nach Worthing, West Sussex, zurück und starb dort 1967 im Alter von 84 Jahren. Sie heiratete nie. Ihre Papiere, Zeichnungen und ihr originales Gefängnistagebuch befinden sich in der Women’s Library, die sie von einem Neffen übergeben bekam.[6]

2019 veranstaltete das Museum of Croydon eine Ausstellung, um ihr Leben und ihre Verbindung zur Stadt zu würdigen.[13]

Commons: Katie Edith Gliddon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Disillusion : Dissolution : Re-Formation. In: Chapel Next The Green (1982 History). Twickenham United Reformed Church, 10. Juli 2008, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2011; abgerufen am 26. Dezember 2025.
  2. a b Anne Schwan: «Bless the Gods for my pencils and paper»: Katie Gliddon's prison diary, Percy Bysshe Shelley and the suffragettes at Holloway. In: Women’s History Review. Band 22, Nr. 1, 2013, S. 148–167, doi:10.1080/09612025.2012.724917.
  3. Lieutenant Maurice Gliddon, Royal Field Artillery. In: WO 339/14674. The National Archives, abgerufen am 26. Dezember 2025.
  4. Objekte NMW A 3510 und NMW A 21830. Collections Online, Amgueddfa Cymru – Museum Wales. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  5. Suffragettes: Amnesty of August 1914: index of people arrested, 1906-1914. In: HO 45/24665. The National Archives, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  6. a b c Papers of Katie Gliddon, 1900-1965. In: 7KGG. Women's Library, London School of Economics and Political Science, abgerufen am 27. Dezember 2025 (1900–1965).
  7. Denise Jones: Embroidering and the Body Under Threat: Suffragette Embroidered Cloths Worked in Holloway Prison, 1911–1912. Dissertation, University for the Creative Arts, University of the Arts, Farnham, London 2020 (uca.ac.uk [PDF]).
  8. Elizabeth Chapman: The Women’s Library Moves: Deeds Not Words. In: Proceedings of the Charleston Library Conference. Purdue University, West Lafayette 2013, doi:10.5703/1288284315250.
  9. Flowers by Miss Katie Edith Gliddon. In: Artwork of the Month. Guernsey Museum at Candie, November 2007, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. August 2016; abgerufen am 27. Dezember 2025.
  10. British Artists. In: Jane Johnson und Alan Greutzner (Hrsg.): The Dictionary of British Artists, 1880–1940. Band 5. Antique Collectors’ Club Ltd, Woodbridge 1980, ISBN 0-902028-36-7.
  11. Royal Academy of Arts (Hrsg.): Royal Academy Exhibitors, 1905-1970: A Dictionary of Artists and Their Work in the Summer Exhibitions of the Royal Academy of Arts. III. E-HAR. EP Publishing, Wakefield 1973.
  12. Archibald Watson Bain, (1927) French Poetry for Children, illustrated by Katie Gliddon (London: Macmillan)
  13. New exhibition celebrates legacy of inspirational Croydon suffragette. In: Your Croydon. Croydon Council, 10. Januar 2019, abgerufen am 27. Dezember 2025.